VOGELGRIPPPE

Tierhalter besorgt – Risikogebiete in Vorpommern

Die Vogelgrippe hat Vorpommern-Greifswald erreicht – schon jetzt mit weitreichenden Konsequenzen für die Geflügelhaltung. In diesen Risikogebieten müssen ihre Tiere in den Stall .
Besonders Raststätten und Durchzugsgebiete von Wildvögeln gelten nun als Risikobereiche.
Besonders Raststätten und Durchzugsgebiete von Wildvögeln gelten nun als Risikobereiche. NK-Archiv/Anne-Marie Maaß
Geflügezüchter fürchten Szenarien wie vor gut fünf Jahren – als die Aufstallpflicht fürs ganze
Geflügezüchter fürchten Szenarien wie vor gut fünf Jahren – als die Aufstallpflicht fürs ganze Land verhängt und Anklam gar zum Sperrgebiet erklärt wurde. NK-Archiv/Stefan Sauer
Vorpommern.

Jetzt also auch noch die Vogelgrippe – während die Menschen vor dem Corona-Virus bangen, breitet sich in der Tierwelt die nächste Seuche aus: Der Erreger H5N8 hat in dieser Woche nach Vorfällen in Vorpommern-Rügen nun auch unseren Landkreis erreicht. Bei zwei toten Wildvögeln in der Nähe von Greifswald und auf Usedom wurde die Krankheit nachgewiesen. Das hat nun weitreichende Folgen für die Geflügelhaltung im Landkreis.

Je nach Wohnort und den deklarierten Risikogebieten müssen Besitzer ihre Tiere nun ganz im Stall lassen. Wo das genau der Fall ist und welche anderen Regelungen gelten, erläutert der Landkreis in einer Allgemeinverfügung zur Bekämpfung der Tierseuche, die diese Woche in Kraft trat. (Eine Übersicht der Risikogebiete s. unten)

Tauben sind ausgenommen

Ebenso gilt nun für alle Geflügelhalter im Landkreis, dass sie ihre Bestände dem Veterinäramt melden müssen. Geflügelausstellungen und -märkte sind zunächst verboten – ausgenommen von den Restriktionen sind lediglich Tauben. Außerdem müssen Halter sicherstellen, dass Futter- und Wasserstellen sowie Einstreu und sonstige Gegenstände im Stall nicht für Wildvögel zugänglich sind. Auch Oberflächenwasser dürfe zur Fütterung nicht mehr verwendet werden. Sterben zudem an einem Tag in einem Bestand von bis zu hundert Tieren mindestens drei Vögel, ist das Veterinäramt zu benachrichtigen. Gleiches gilt bei größeren Beständen ab einer Sterbequote von zwei Prozent.

Keine Ausstellungen, kein Treffen oder Austausch mit anderen Züchtern – allein schon die Corona-Pandemie hat das Vereinsleben der Rassegeflügelzüchter vielerorts zum Erliegen gebracht. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, ist jetzt auch noch das zweite Virus da, weshalb die Laune bei den Züchtern noch weiter gesunken ist. Sie fürchten Szenarien wie vor gut fünf Jahren – als die Aufstallpflicht fürs ganze Land verhängt und Anklam gar zum Sperrgebiet erklärt wurde.

Anklam: Werden Züchter dem Hobby den Rücken kehren?

An all das möchte Volker Brieger, der Vorsitzende der Anklamer Rassegeflügelzüchter, lieber gar nicht denken. Auch, weil viele Züchter in diesem Jahr mehr Tiere als sonst besitzen. „Der Austausch und Verkauf war durch die fehlenden Ausstellungen schwieriger“, erklärt er. Kommt jetzt die Aufstallpflicht, fürchtet er, dass viele Züchter ihrem Hobby den Rücken kehren.

Zwar hätten einige nach den Erfahrungen vergangener Vogelgrippe-Ausbrüche baulich aufgerüstet, das sei jedoch nicht allen möglich. „Gerade bei Pachtflächen können und wollen viele keine kostspieligen Vollieren installieren“, sagt Brieger. Er selbst sei Verfechter der naturnahen Haltung, die Tiere werden also im Freien auf frischem Grün gehalten. Die Stallpflicht sei immer schmerzlich, egal, wie viel Platz den Tieren dabei bleibt.

Uecker-Randow: Tiere notschlachten, um den Bestand zu verkleinern

Eine mögliche Aufstallung ist ebenso für Astrid Grün ein wichtiges Thema. Auch wenn die Geflügelpest bisher noch etliche Kilometer von ihrem Betrieb „Grüner Gänsehof“ in Ladenthin entfernt ist, bereitet sich die Besitzerin schon jetzt für eine eventuell bald kommende Aufstallungspflicht vor.

Derzeit treffe sie grundsätzliche Vorbereitungen – sie schlachtet viele Tiere, um ihren Bestand zu verkleinern. „Wenn die Aufstallungspflicht für den Landkreis kommt, dann sollen die Tiere nicht in stark beengten Verhältnissen leben müssen“, sagt die Besitzerin von mehr als 2000 Gänsen.

Ansonsten würden sich die Vorbereitungen zum Schutz gegen die Geflügelpest ein wenig mit den Corona-Maßnahmen überschneiden. „Es dürfen beispielsweise keine betriebsfremden Menschen auf den Hof kommen“, erklärt Astrid Grün eine für beide Erkrankungen geltende Schutzmaßnahme. Ihr Mann, Emanuel Reim, ist Vorsitzender des Bauernverbandes Uecker-Randow. Für ihn kommt der Ausbruch der Geflügelkrankheit nicht ganz unerwartet. Bei der feuchten Witterung, die es diesen Herbst gegeben habe, sei die Wahrscheinlichkeit ohnehin höher gewesen, dass die Vogelpest ausbreche als in den Jahren zuvor, sagt er.

Ueckermünder Tierpark untersagt Füttern der Wildenten

Auch der Ueckermünder Tierpark ist gewappnet, erklärt Brigitte Rohrhuber. „Wir bereiten uns darauf vor, die Tiere einstallen zu können, wenn wir es müssen.“ Außerdem ist derzeit das Füttern der Wildenten, die dem Park ab und an einen Besuch abstatten, untersagt.

Insgesamt gibt es 130 Vögel in der Einrichtung, die von einer eventuellen Stallpflicht betroffen wären. „Aber alle diese Tiere haben auch einen Stall, in den sie könnten, sodass kein Kontakt zu Wildgeflügel entsteht.“ Zudem sei man immer in Kontakt mit dem für den Tierpark zuständigen Amtstierarzt aus Pasewalk.

Greifswald: Keine verunglückten Tiere mehr aufnehmen

Geschäftsführerin Heidi Schönherr hält ihren Greifswalder Tierpark ebenfalls für vorbereitet. Man habe aus den vergangenen Jahren gelernt. Ab Montag müssen die gefiederten Bewohner in das alte Heu- und Strohlager, intern bereits die Entenscheune genannt. Eine Sondergenehmigung haben nur die Pfauen. Schönherr tut es vor allem für die Familien und Senioren leid. „Gerade jetzt, in der Corona-Zeit, kommen doch viele in den Tierpark und genießen die Natur bei uns.“ Auch die Auffangstation für Wildvögel muss geschlossen werden. „So weh es uns tut, wir können bis auf Weiteres keine verunglückten Wildvögel mehr aufnehmen. Die Gefahr für unseren eigenen Bestand wäre zu groß.“

 

Aktuelle Risikogebiete in Vorpommern-Greifswald

jeweils ein Streifen landeinwärts ab der Küstenlinie in den beschriebenen Bereichen:

  • Küste von der Landkreisgrenze VR bis Höhe Kowall/von der Küste bis zur B105
  • Dänische Wiek/Küstenstreifen um die Wiek, ab dem Hohen Graben entlang der L26 bis Kemnitz und weiter auf der L262 bis Neuendorf (ohne bebaute Gebiete Kemnitz u. Neuendorf), entlang Dorfstraße u. Strandweges unter Umgehung von Ludwigsburg bis zur Küste auf Höhe Alte Schanze
  • Freesendorfer Haken in den Grenzen des Ein- und Auslaufkanals Lubmin und einschließl. Freesendorfer See

jeweils ein Küstenstreifen von 500 Meter landeinwärts:

  • Gristower Wiek bis Wampener Riff auf Höhe der Gemeindegrenze Neuenkirchen/Greifswald einschließlich der Inseln Riems, Großer Werder, Kleiner Werder, Riffbrink, Brinkenberg und Koos einschließlich der Ortschaften Gristow, Kalkwitz, Brook, Frätow und Leist 1
  • Spandowerhagen bis Freest (ohne die bebauten Ortschaften)
  • Peenestrom von Kröslin (Höhe NSG Großer Woting) bis Stadtgrenze Wolgast (Höhe Yachthafen – Spitzenhörner Bucht) einschließl. des Großen Wotings sowie der Ortschaften Hollendorf und Tannenkamp, von Hohendorf (Gemeindegrenze) bis Klotzow/Großes Bruch/Klotzower Polter – ohne Lassan
  • Kleines Haff/Neuwarper See ab der Gemeindegrenze Mönkebude bis zur poln. Grenze einschließl. der Insel Riether Werder sowie den Ortschaften Mönkebude, Grambin, Bellin, Warsin, Altwarp-Siedlung, Altwarp und Rieth
  • Insel Usedom von der Nordspitze des Lieper Winkels (Höhe Grüssower Ort) am Peenestrom entlang ins Haff bis zur poln. Grenze
  • Nepperminer See in den Grenzen des Naturschutzgebietes einschließl. der Inseln Werder und Böhmke sowie der Ortschaft Neppermin
  • Peene von der Landkreisgrenze MSE bis Höhe Görke mit einem 500 m Uferstreifen von Görke bis zur Mündung der Peene in den Flächen des Peenetalmoors; nach Norden entlang des Lübower Waldes bis zum Großen Bruch (Anschluss Küste) u. nach Süden entlang der Ortschaften Gnevezin, Bargischow, Rosenhagen, Bugewitz und Bugewitz 1, der Gemeindegrenze bis Hohenheide folgend, parallel zum Mühlgraben, vorbei an Leopoldshagen und bei der Gemeindegrenze zu Bugewitz/Mönkebude Anschluss an den Küstenstreifen des Kleinen Haffs

jeweils 500 Meter landeinwärts ab der Uferlinie folgender Seen:

  • Gothensee (nur die Wasserfläche)
  • Thurbruch
  • Kachliner See (ausgenommen der Ort Kachlin)
  • Putzarer See in den Grenzen des Naturschutzgebietes (ausgenommen die Ortschaft Putzar)
  • Naturschutzgebiet Galenbecker See (Fleetgraben, L311) bis Höhe Heinrichswalde,
    ab Heinrichswalde 500-m-Radius um den See bis zur Landkreisgrenze MSE;
  • Lauenhagener See
  • Großer Koblentzer See und Kleiner See (einschließlich Koblentz)

Quelle: Landkreis VG (www.kreis-vg.de – Stand: 12.11.2020)

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