Ein 57-Jähriger hat kein Mitleid mit einer kranken Taube auf dem Anklamer Bahnhof – und trat das Tier vor seinem ne
Ein 57-Jähriger hat kein Mitleid mit einer kranken Taube auf dem Anklamer Bahnhof – und trat das Tier vor seinem neunjährigen Sohn tot. Julian Stratenschulte (Symbolfoto)
Amtsgericht

Tierquälerei – Mann tritt Taube vor seinem Sohn tot

Wegen Tierquälerei landete Torsten P. als Angeklagter vor dem Amtsgericht Pasewalk. Dort verteidigte der 57-Jährige die Tötung der Taube am Anklamer Bahnhof. Ein Zeuge belastete ihn.
Anklam

Tauben sind das Symbol für Frieden, Liebe und Hoffnung. Doch Menschen gehen nicht immer pfleglich mit den Vögeln um, weil die in dem Ruf stehen, Krankheiten übertragen zu können. Genau diese Sorge hatte Torsten P. (57) Mitte Mai vergangenen Jahres. Da trat er eine Taube einfach tot. Jetzt landete der Fall vorm Amtsgericht Pasewalk.

„Musste sie wegschießen”

Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg hatte Torsten P. wegen Tierquälerei angeklagt. „Das hätte ich nicht tun dürfen, aber die Taube war krank. Die musste weg“, verteidigte der Angeklagte seine Tat. Es waren verstörende Szenen, die sich damals auf dem Bahnhof in Anklam abspielten. Torsten P. hatte eigentlich nur seinen neunjährigen Sohn zum Zug bringen wollen, als der Filius den verletzten Vogel entdeckte und sich um ihn kümmern wollte.

„Die Taube lief auf nur einem Bein. Mein Sohn fasste sie an. Das konnte ich nicht weiter zulassen, musste sie wegschießen“, beschrieb Torsten P. die Situation. Deshalb habe er mit dem Fuß einmal gegen die Taube getreten. Am Ende lag das Tier tot auf den Gleisen.

Zeuge: Mehrere Tritte bis zum Tod

„Muss ich was zahlen? Ich zahl‘s!“, schwante dem Angeklagten bereits in dieser Verfahrensphase. Vorm Urteil kam zunächst jedoch erst Zeuge Steven J. (15) zu Wort. Der beschrieb vor Amtsrichter Gerald Fleckenstein die Vorgänge weit dramatischer. „Die Taube war unter einer Hebebühne aufgetaucht und wurde vom Angeklagten dreimal getreten. Nach dem ersten Mal landete sie noch fliegend auf der Dachrinne des Gebäudes. Beim zweiten Mal schoss sie auf dem Boden nach vorn. Erst nach dem dritten Tritt fiel die Taube den Bahnsteig runter“, sagte er.

Angeklagter Torsten P. schüttelte während der Aussage vehement den Kopf, zeigte immer wieder ungläubig mit dem Finger auf die Höhe der Dachrinne des Gerichts. Schon beim Tritt-Geständnis hatte er Körpersprache gezeigt, zuckte mehrfach heftig mit dem linken Bein nach vorn.

„Auch kranke Tiere darf man nicht töten. Sie hätten die Taube vertreiben können. Der Angeklagte hat allerdings nicht nur in schlechter Absicht gehandelt“, fasste Amtsrichter Gerald Fleckenstein das Verfahren zusammen. 300 Euro (20 Tagessätze á 15 Euro) Geldstrafe lautete sein Urteil. Exakt die gleiche Bestrafung hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. Der nicht vorbestrafte Torsten P. will das Geld in Raten abstottern. Finanziell hat er es nicht so dicke, denn er lebt von Hartz IV.

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