NEUE PÄCHTERIN

Total-Tankstelle ist mehr als nur ein Ort zum Tanken

Die Total-Tankstelle an der Pasewalker Allee hat eine neue Pächterin. Die allerdings ist den meisten Stammkunden schon längst keine Unbekannte mehr.
Claudia Heiden ist die neue Pächterin der Anklamer Total-Tankstelle. Sie hat das Amt von Hartmut Strohwald übernomme
Claudia Heiden ist die neue Pächterin der Anklamer Total-Tankstelle. Sie hat das Amt von Hartmut Strohwald übernommen. Matthias Diekhoff
Anklam.

In ein paar Tagen wird es genau 30 Jahre her sein, dass Hartmut Strohwald die jetzige Total-Tankstelle an der Pasewalker Allee als Pächter übernahm. Zuvor war er dort schon leitender Angestellter für Minol, also den Betrieb, der in der DDR für die Versorgung mit Kraft- und Schmierstoffen zuständig war. In den über 30 Jahren ist viel geschehen. „Ich könnte Bücher schreiben“, sagt er. Etwas mehr Zeit dafür hätte er jetzt theoretisch, denn seit dem 4. Januar ist Claudia Heiden die neue Pächterin.

Neue Pächterin ist Stammkunden schon bekannt

Den Stammkunden der Tankstelle ist sie längst keine Unbekannte mehr. Immerhin hat sie dort 1997 ihre Lehre begonnen. Damit bleibt die Verantwortung quasi „in der Familie“. „Wenn ich mal aufhöre, dann macht Claudia das“, sei den beiden eigentlich schon länger klar gewesen. Und nun, wo es aus gesundheitlichen Gründen so weit ist, da fällt Hartmut Strohwald zwar eine Last von den Schultern.

Währungswechsel machten sich an Tanke bemerkbar

Aber es waren auch aufregende Jahrzehnte, die er mit und in der Tankstelle zugebracht hat. Da gab es sicher gute Tage und nicht so gute. Was ihm aber immer Freude bereitet habe, war die Lehrlingsausbildung, sagt der scheidende Pächter. Im Laufe der Jahre waren es wohl um die 30 jungen Leute, die er bei ihren ersten Schritten ins Berufsleben begleitete. In dieser Zeit wurde aus Minol zunächst Dea, dann Elf und schließlich Total. Und aus der Mark wurde die D-Mark und daraus der Euro. Immer, wenn die Währung wechselte, machte sich das auch – und besonders – an der Tankstelle bemerkbar. Entweder wollten Leute Unmengen von Kraftstoff tanken oder sie vertankten ihr ganzes restliches Kleingeld, so dass die Münzen in Eimern gesammelt werden mussten. Oder sie kamen einfach vorbei, um ihre ersten Euros aus dem sogenannten Starter-Kit auszuprobieren, erinnert sich Claudia Heiden.

Mehr lesen: Ikareum zwischen Bund und Land - wann kommt das Geld?

Unvergesslich sind den beiden von der Tankstelle auch die Prominenten wie Didi Hallervorden oder Patrick Lindner, die plötzlich im Laden standen und nicht wieder abfuhren, ohne ein Autogramm zu geben. Tatsächlich sind es aber andere Leute, die dort den Alltag prägen. Das seien zum Bespiel die Fahrer der Zuckerrübenlaster, die auf einen Kaffee und eine Bockwurst vorbeischauen. Aber vor allem seien es die Stammkunden, die „ihrer Tanke“ schon seit Jahren die Treue halten. Für viele davon gehöre dann ein Schwätzchen mit dazu. Und nicht wenige seien froh, wenn es jemanden gibt, der einfach nur gut zuhören kann. Dass das im Moment aus bekannten Gründen nur beschränkt möglich ist, tut dabei allen Beteiligen ein bisschen weh.

Auch interessant: Soldaten üben in Vorpommern das Laben auf dem Felde

Und dass die Tankstelle viel mehr als nur ein Ort ist, an dem Autos betankt und gewaschen werden, weiß die neue Pächterin selbstverständlich auch. Wenn es die Corona-Auflagen wieder zulassen, sollen auch die Stehtische an ihren alten Platz im Shop zurückkehren. Abgesehen davon, dass sie neue Staubsauger bestellt hat, möchte Claudia Heiden auch einige Dinge einfach so lassen, wie sie waren. Wie zum Beispiel das Arbeitsklima, das locker und freundlich sei. So wurden denn nach dem Pächterwechsel auch sämtliche Mitarbeiter übernommen, von denen es nun insgesamt acht gibt. Und auch die Knacker und die Bockwurst, wegen der viele kommen, sollen so bleiben, wie sie waren.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Anklam

zur Homepage