SKURRILE VERANSTALTUNG

Toten-Festival im Anklamer Wehrmachtsgefängnis

Das Anklamer Wehrmachtsgefängnis wird am Wochenende zum morbiden Veranstaltungsort. Dass sogar Übernachtungen in den früheren Zellen der Gedenkstätte geplant sind, sorgt für Diskussionen.
Anne-Marie Maaß Anne-Marie Maaß
Mehr als 130 Menschen wurden im Anklamer Wehrmachtsgefängnis hingerichtet.
Mehr als 130 Menschen wurden im Anklamer Wehrmachtsgefängnis hingerichtet. Ulrike Rosenstädt
Anklam.

In Anklam wird am Wochenende nicht nur das 15. Hansefest gefeiert. Auch ein ganz besonderes Festival hält am Samstag in der Stadt Einzug. Besucher mit einem „Hang zum Morbiden“ sowie Interesse für die Wissenschaft und die Endlichkeit des Lebens lädt die Veranstaltung „Scientia mortuorum – Von der Wissenschaft der Toten“ ein, die im ehemaligen Wehrmachtsgefängnis stattfinden soll.

Buntes Programm zum Tod

Zu Gast sind unter anderem Bestatter und Kunsthistoriker und Musiker, die sich mit dem Tod auseinandersetzen und Einblick in ihre Arbeit geben. Veranstalterin Dr. Anja Kretschmer, die als Autorin und mit ihren Führungen unter dem Motto „Friedhofsgeflüster“ in ganz Deutschland unterwegs ist, kennt das ehemalige Anklamer Wehrmachtsgefängnis noch aus Studien-Zeiten. Das Thema Tod, das im Mittelpunkt des Festivals stehe, sei ein tragendes Thema vor Ort und spiegele einen unbequemen Teil der Geschichte wider, an den es zu erinnern gilt, findet sie. Vergangenes Jahr fand das Festival in der Nähe von Neustrelitz statt.

Übernachten wie die Häftlinge der Wehrmacht

Auf ihrer Internetseite wird sogar die Möglichkeit offeriert, in den Zellen des früheren Gefängnisses zu übernachten. Dies sei mit dem Friedenszentrum, das heute in dem Bau beheimatet ist, abgesprochen worden und mehr eine Notlösung, da durch das Hansefest nahezu alle Hotels ausgebucht seien, erklärt Kretschmer. Bei diesem Punkt sieht Uwe-Ulrich Schulz als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Friedenszentrums allerdings noch Redebedarf. Das sei so noch nicht thematisiert worden, sagt er. Er sieht dies auch nicht als angemessen an, erklärt Schulz.

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