Nils Gütschow fungiert bis zur Winterpause als Interimstrainer.
Nils Gütschow fungiert bis zur Winterpause als Interimstrainer. Stefan Justa
Michael Höcker leitete dreieinhalb Jahre lang als Trainer die sportlichen Geschicke der Anklamer Landesliga-Mannschaft.
Michael Höcker leitete dreieinhalb Jahre lang als Trainer die sportlichen Geschicke der Anklamer Landesliga-Mannschaft. Stefan Justa
Für Michael Höcker ist das Kapitel Landesliga-Trainer beim VFC Anklam seit Anfang der Woche Geschichte.
Für Michael Höcker ist das Kapitel Landesliga-Trainer beim VFC Anklam seit Anfang der Woche Geschichte. Stefan Justa
Michael Höcker und Co-Trainer Marco Hartmann (von links) erlebten mit ihrem Team zuletzt in Neubrandenburg ein 0:9-Debake
Michael Höcker und Co-Trainer Marco Hartmann (von links) erlebten mit ihrem Team zuletzt in Neubrandenburg ein 0:9-Debakel.
Landesliga

Trainerwechsel beim VFC Anklam soll neue Impulse setzen

Der VFC Anklam sortiert sich neu. Die Trennung von Trainer Michael Höcker erfolgt im gegenseitigen Einvernehmen. Bis zur Winterpause ist Nils Gütschow Interimstrainer.
Anklam

Das hat sich angedeutet: Wenn die Anklamer Landesliga-Fußballer am Samstag ab 13 Uhr gegen Empor Richtenberg ihr letztes Heimspiel vor der Winterpause bestreiten, wird Michael Höcker nicht mehr als Trainer an der Seitenlinie stehen. Wenige Tage nach der deutlichen 0:9-Pleite beim SV Hanse Neubrandenburg haben sich der 43-jährige Verantwortliche und der Vorstand des VFC darauf verständigt, die Zusammenarbeit nach knapp dreieinhalb Jahren zu beenden.

Die Mannschaft ist am Dienstagabend vor dem Training über die Entscheidung informiert worden. In den letzten beiden Punktspielen des Jahres fungiert Nils Gütschow als Interimstrainer. Ihm mit Rat und Tat zur Seite steht sein Vater Rainer, der die erste Männer-Mannschaft aus der Peenestadt in der Saison 2010/11 zum Verbandsliga-Aufstieg führte.

Lesen Sie auch: Der Tiefpunkt? Anklam kommt in Neubrandenburg mit 0:9 unter die Räder

Auch Co-Trainer geht

Neben Michael Höcker zählt auch Marco Hartmann, der seit Sommer in der Rolle des Co-Trainers Verantwortung übernahm, zukünftig nicht mehr zum Trainer-Team der Anklamer Landesliga-Elf. „Wir hatten am Montagabend ein angenehmes und gutes Gespräch. Die Trennung fand im gegenseitigen Einvernehmen statt“, berichten Michael Höcker und Vorstandsmitglied Reinhard Lüdemann übereinstimmend.

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende lobte den Ex-Coach ausdrücklich für dessen intensive und erfolgreiche Arbeit in den vergangenen Jahren: „Michael hat die Mannschaft als Trainer weiterentwickelt und hervorragende Arbeit geleistet. Dafür möchten wir uns auch an dieser Stelle bei ihm bedanken.

Mehr lesen: Anklamer verpassen Sprung aus der Abstiegszone

Enttäuschung sitzt tief

Die Ergebnisse haben zuletzt leider gefehlt. Auch, weil es sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht, dass die Mannschaft Rückschläge nur schwer verarbeitet. Wir hoffen, dass der Trainerwechsel einen neuen Impuls freisetzt.“

Auch wenn Michael Höcker nach der Entscheidung erleichtert wirkt, macht er aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Dass es einige Spieler waren, die zuletzt an den Vorstand herangetreten sind, stimmt mich schon nachdenklich. Man fühlt sich als Opfer, obwohl man alles versucht und nach bestem Wissen gehandelt hat. Aufgrund unterschiedlichster Probleme, zu denen unter anderem unsere seit Saisonbeginn stark angespannte personelle Situation zählte, bin ich in den vergangenen Monaten als Trainer zu oft mit anderen organisatorischen Aufgaben beschäftigt gewesen. Es fiel dabei schwer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Als Spieler ist es da bedeutend einfacher. Das kenne ich aus meiner aktiven Zeit ja selbst.“

Weiterlesen: Anklamer straucheln auch im Derby gegen Görmin

Kririk an Leistungsbereitschaft einiger Spieler

Nachdem der Verantwortliche die Spielzeiten 2019/20, 2020/21 und 2021/22 mit seinem Landesliga-Team auf den Plätzen drei, vier und fünf beenden konnte, erlebte die Mannschaft aus der Peene-stadt zuletzt eine sportliche Talfahrt. Nach 13 Spieltagen steckt sie in der zweithöchsten Spielklasse Mecklenburg-Vorpommerns mit lediglich neun Punkten auf dem Konto als Vorletzter tief im Tabellenkeller fest. Zuletzt blieben die Akteure um Kapitän Phil Skeip sechs Spiele in Folge sieglos und kassierten in diesen Partien insgesamt 30 Gegentreffer.

„Es war deutlich abzusehen, dass uns nach den Abgängen eine schwierige Saison erwartet und dass wir uns im Umbruch befinden. Das ist im Sommer thematisiert worden. Die Personaldecke war auch in den Jahren davor häufig dünn, Spieler wie Michael Jeske und André Dreier, die seit dieser Saison nicht mehr zur Verfügung standen, haben aber immer alles für die Mannschaft gegeben. Hinzu kam ihre Erfahrung und individuelle Klasse. Fakt ist aber auch, dass die Leistungsbereitschaft einiger Spieler in dieser Saison nicht gestimmt hat. Es mangelte an der nötigen Einstellung, um in der Landesliga mithalten zu können“, stellt Michael Höcker klar.

Auch interessant: Anklamer Duo verabschiedet sich aus der Landesliga

Nachfolgersuche läuft auf Hochtouren

Er blickt dennoch mit positiven Gefühlen auf die letzten dreieinhalb Jahre zurück: „Wir haben zusammen viel erreicht. Ich möchte mich bei den Spielern für ihr Vertrauen bedanken und wünsche der Truppe alles Gute. Ich hoffe sehr, dass sie den Klassenerhalt schafft, was allerdings unheimlich schwer wird. Ob die Trennung der richtige Schritt ist, wird sich zeigen, denn gewisse Dinge kann man nicht einfach so abstellen. Das letzte halbe Jahr hat mir aus verschiedenen Gründen keinen Spaß mehr gemacht. Ich werde mich jetzt erstmal zurückziehen und mich meiner Familie widmen. Sie ist viel zu kurz gekommen, da ich dem Fußball alles untergeordnet habe.“ Für die Anklamer Ü35-Mannschaft will der 43-Jährige auch zukünftig auflaufen.

Während sich Interimstrainer Nils Gütschow um die sportliche Vorbereitung auf die beiden Punktspiele gegen Empor Richtenberg und Malchin kümmern wird, laufen im Hintergrund bereits die Arbeitsprozesse hinsichtlich der zukünftigen Ausrichtung auf der Trainerposition auf Hochtouren: „Natürlich erledigen wir unsere Hausaufgaben und führen Gespräche. Wir denken in alle Richtungen, nehmen alle Informationen auf und haben ein klares Profil im Kopf“, stellt Reinhard Lüdemann klar. Es gehe nun auch darum, der Mannschaft den nötigen Ruck zu geben.

zur Homepage