NACH MILLIONEN-DEFIZITEN

Uni-Klinik Greifswald arbeitet sich aus dem Minus

Wie wirtschaftlich müssen Krankenhäuser arbeiten? Die Corona-Pandemie hat dieser Frage neue Sprengkraft verliehen. Im größten Krankenhaus der Region sind da auch noch einige Fragen unbeantwortet. Zuletzt schrieb das Haus wieder schwarze Zahlen.
Marie le Claire vom Vorstand der Uni-Medizin konnte gute Zahlen vorlegen.
Marie le Claire vom Vorstand der Uni-Medizin konnte gute Zahlen vorlegen. P. Schulz
Die Uni-Medizin ist Maximalversorger für die ganze Region – galt wirtschaftlich aber lange als Sorgenkind.
Die Uni-Medizin ist Maximalversorger für die ganze Region – galt wirtschaftlich aber lange als Sorgenkind. Stefan Sauer
Greifswald.

Zum Ende des Jahres wird Marie le Claire, die den Posten als kaufmännischer Vorstand beim Universitätsklinikum Greifswald innehat, ihren Hut nehmen. Das verkündete sie bereits Mitte der Woche. Zum Wochenende konnte sie jedoch noch ein letztes Mal den neusten Jahresabschluss der Universitätsmedizin vorstellen.

Defizite über Jahre

Die dazugehörige Klinik ist das größte Krankenhaus der Region. Für le Claire und ihre Vorgänger war das Thema Finanzen in den vergangenen Jahren meist keine angenehme Aufgabe. Denn an der Klinik wurden zuletzt Jahr für Jahr tiefrote Zahlen geschrieben – teilweise im zweistelligen Millionenbereich.

Personalkosten steigen drastisch

Für le Claire war der Auftritt am Freitag nun ein positiver Augenblick. Das zweite Jahr in Folge konnte die Universitätsmedizin positive Zahlen vermelden: 1,6 Millionen Euro blieben am Ende übrig. Noch vor vier Jahren stand die Unimedizin – die auch Mehrheitseigentümerin des Wolgaster Krankenhauses ist – bei einem Rekord-Minus von über 14,3 Millionen.

Gründe für die schlechte Bilanz waren damals unter anderem rückläufige Erlöse aus Krankenhausleistungen, zu hohe Aufwendungen beim medizinischen Bedarf und Personalkosten nach den Tarifsteigerungen. Zum Vergleich: Auch in diesem Jahr bekam das Personal durch Tarifverhandlungen insgesamt 21 Millionen Euro mehr. Die konnten jedoch aufgefangen werden.

Am Patienten wurde angeblich nicht gespart

Für le Claire kommen die positiven Zahlen nicht überraschend, sondern als Ergebnis langer Arbeit. „Wir sind im umfassenden Sanierungsprozess Schritt für Schritt vorwärtsgegangen und erleben jetzt, dass sich die Arbeit in den vielen, vielen Einzelprojekten auszahlt“, sagte sie. Besonders verbesserte Dokumentationssysteme, die eine verbesserte Abrechnung mit sich brächten, Nachverhandlungen mit Laboren und zu den Sachkosten sowie ein schlankeres Management seien Gründe für die positive Entwicklung.

Die intensiven Sparmaßnahmen am Klinikum riefen auch immer wieder Kritiker auf den Plan. Besonders Einsparungen im Personalbereich sorgten für intensive Debatten.

Corona bringt Unsicherheiten für 2020

Zu der aktuellen Lage, rund um die Corona-Pandemie und entsprechende Folgen für das Klinikum, wollte die Wirtschaftsingenieurin keine konkreten Aussagen machen. „Die Politik muss jetzt Wort halten und sicherstellen, dass nicht ausgerechnet diejenigen wirtschaftlich bestraft werden, die schnellst­möglich vorbereitet waren und Kapazitäten für schwerkranke Fälle geschaffen haben. Hier sind vor allem Bundes­regierung und Bundestag in der Pflicht“, erklärte sie und schob nach, dass die ersten wirtschaftlichen Auswirkungen wohl im Sommer oder Frühherbst benannt werden könnten.

 

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