Lange Staus schon an den beiden Brücken zur Insel: Wer Urlaub auf Usedom macht, der muss Geduld mitbringen.
Lange Staus schon an den beiden Brücken zur Insel: Wer Urlaub auf Usedom macht, der muss Geduld mitbringen. Tilo Wallrodt
Stau

Verkehrschaos auf Usedom – wie lange noch?

Der gute Ruf der Ferieninsel Usedom leidet unter ständigen Staus in der Tourismus-Saison. Jetzt gibt es einen Plan, der endlich alles ändern soll.
Greifswald

Verstopfte Straßen auf der Insel Usedom, kilometerlange Staus an den beiden Zufahrten, volle Züge, die Fahrgäste auf Bahnhöfen stehen lassen: Das Urlaubsparadies Usedom hat ein Verkehrsproblem, das an seinem Ruf kratzt.

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Drei Stunden Stau sind keine Seltenheit

Zuletzt hatte es viele Gäste nach dem Jahreswechsel erwischt: Mehr als drei Stunden benötigte die Leipziger Familie Pelzl, um mit dem Auto von Bansin bis zur Zecheriner Brücke zu kommen. „Lohnt es sich bei solchen Zuständen überhaupt, Silvester dorthin zu fahren?”, fragen sich seitdem die Sachsen, die gern nach Usedom kommen. So wie Pelzl erhaben auch viele andere Leser, Einheimische wie Gäste, in Mails an den Nordkurier gefordert: „Da muss sich etwas tun!”

Bürger-Ideen sollen umgesetzt werden

Und tatsächlich, es tut sich etwas. Planungsverband, Kommunen und Tourismusbranche feilen derzeit auf der Zielgeraden an den Feinheiten des Raumentwicklungskonzepts „Verkehr, Tourismus und Leben” für die Region Usedom. „Wir haben das Konzept, wie sich die Verkehrssysteme auf der Insel funktionsfähig machen lassen, öffentlich erarbeiten lassen”, betont Roland Wenk, Leiter des Amts für Raumordnung und Landesplanung Vorpommern in Greifswald. Workshops, Diskussionen, Auswertungen – wegen Corona sei ein Teil der Veranstaltungen digital durchgeführt worden. „Trotzdem haben sich ziemlich viele Leute eingeklinkt”, betont er zufrieden. Verkehrs- und Tourismusanbieter, Behörden, Kommunen, Parteienvertreter und privat interessierte Usedomer – manchmal seien 50 bis 60 Teilnehmer dabei gewesen.

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Unendliches Wachstum für die Hotels?

Ein Thema laut Wenk: „Soll der Tourismus weiter wie bisher wachsen oder sollten Begrenzungen eingezogen werden?” Da seien Meinungen aufeinander geprallt. Der Tourismus habe viele Vorteile für die Insel, aber auch Nachteile, mit denen man zurecht kommen müsse.” „Wir sind angetreten, die Probleme zu lösen. Am Ende hängt der Fortschritt von vielen Branchen ab”, betont der Amtsleiter. Ihm war wichtig, dass keine Schulddiskussion mit Fingerzeig auf den Tourismus als vermeintlichen Verursacher aller Verkehrsprobleme und Schlagwörtern wie Massentourismus geführt werden sollte.

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Nach fast zwei Jahren Arbeit zweier Beratungsfirmen mit viel Publikum stehen jetzt 89 Maßnahmen auf dem Papier (s.u.). „Was muss sich beim Verkehr ändern, welchen Beitrag können Tourismus und Kommunen leisten? Das sind viele Dinge, die gleichzeitig angegangen werden müssen”, schätzt Wenk ein. Die Probleme auf Usedom seien nur in den Griff zu bekommen, wenn eine Mehrzahl der Maßnahmen umgesetzt werde, ist er sich sicher. „Es sollen ja auch künftig viele Leute ihr Geld im Tourismus verdienen können.”

Jetzt geht es um Verantwortung und Geld

Ein Konzept allein sei jedoch keine Garantie für eine Besserung. „Wir müssen jetzt klären, wer sich den Hut aufsetzt.” Es gebe Vorschläge, aber noch keine Entscheidung im Planungsverband”, berichtet er. Die Fäden müssten zusammengehalten werden, weil auch Land und Bund gefordert seien. Vor Jahren sei ein ähnliches Konzept versandet, weil es keine Verantwortlichkeiten gegeben habe. „Das ist kein Selbstläufer”, warnt Roland Wenk.

Das soll sich ändern auf der Insel Usedom

Das Entwicklungskonzept "Verkehr, Tourismus und Leben" für die Region Usedom soll im Frühjahr veröffentlicht werden. Nordkurier dokumentiert erste Details.

Verkehr

Verknüpfung des Busliniennetzes, so dass der Norden mit dem Süden der Insel durchgehend per Regionalbus erreicht werden können. Bisher ist ein zweimaliger Umstieg nötig, weil ein Zwischenabschnitt nur mit der Bahn bewältigt werden kann.

An Spitzentagen sind die Züge zwischen Heringsdorf und Zinnowitz in der Hauptsaison überlastet. Sollen mehr Menschen ermuntert werden, auf die Bahn umzusteigen, müssen längere Züge mit mehr Plätzen eingesetzt werden.

Tourismus

Ausbau und bessere Vermarktung von Angeboten des Naturtourismus im Achterland, um Besucherströme zu entzerren

Qualitätssicherung und Vermarktung von Wander- und Radrouten

Leben & Arbeiten

Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für die Einwohner, möglichst in der Nähe von Bahnhöfen der Bäderbahn

Mehr Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum für Lehrlinge und Beschäftigte durch die Hotels, um Pendelwege vermeiden zu können und dem Fachkräftemangel zu begegnen

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