GLYPHOSAT IN ROSSIN

Von Grün zu Braun

Mit Beginn des Frühjahrs dominierte statt eines satten Grüns die Farbe Braun auf vielen landwirtschaftlichen Flächen der Region. Die zuständigen Landwirte sagen: Alles ganz normal!
Karsten Riemer Karsten Riemer
Bis knapp an die Grundstücksgrenzen wurde der Unkrautvernichter gesprüht.
Bis knapp an die Grundstücksgrenzen wurde der Unkrautvernichter gesprüht. Karsten Riemer
Violetta Hänel und Katja Wieden sorgen sich um ihre Gesundheit.
Violetta Hänel und Katja Wieden sorgen sich um ihre Gesundheit. Karsten Riemer
Martin Schiewer, Geschäftsführer der Ducherower Agrar GmbH.
Martin Schiewer, Geschäftsführer der Ducherower Agrar GmbH. Karsten Riemer
Rossin.

Als einige Anwohner von Rossin bei Ducherow eines Morgens Ende März aus dem Fenster blickten, stellten sich die Felder rings um ihre Grundstücke plötzlich nicht mehr in vorfrühlingshaftem zartem grün, sondern in einem tristen Braun dar. Und das weil offenbar ein Herbizid zum Einsatz gekommen war. Dadurch zeigten sich zeitweise scharfe Kontraste zwischen dem Braun auf den Feldern und dem frischen Grün auf den benachbarten Grundstücken.

Ist das wirklich nur ein harmloser Farbwechsel oder könnte das gefährlich sein, fragten sich einige Dorfbewohner um Katja Wieden und Violetta Hänel. „Meine dreijährige Tochter spielt oft in der Nähe der Felder”, so Wieden. Auch um die Tiere mache man sich Gedanken. Im Dorf geben manche zu bedenken, dass die Behandlung mit Unkrautvernichtern in dieser Zeit nichts Ungewöhnliches sei, aber viele finden die Intensität, mit der sie dieses Jahr eingesetzt wurden, erstaunlich.

Glyphosat seit Jahrzehnten im Einsatz

Martin Schiewer, Geschäftsführer der Ducherower Agrar GmbH, bestätigt: Hier kam Glyphosat zum Einsatz. Das Mittel, das als meistverkauftes Herbizid der Welt gilt, stand in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik, weil es eine Behörde als wohlmöglich krebserregend einstufte. Wofür wiederum andere Behörden weltweit von Japan über Kanada bis Deutschland, darunter auch das bundeseigene Institut für Risikobewertung, bei fachgerechter Anwendung keine Anhaltspunkte sahen.

Und so mag auch Martin Schiewer nicht mit einstimmen in den Kanon jener, die das Mittel am liebsten völlig verbannt sähen: „Die Diskussion darum hat die sachliche Ebene schon lange verlassen”, sagt der Landwirt. Tatsächlich wird Glyphosat seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft verwendet, die Diskussion darum ist hingegen erst in den vergangenen Jahren entbrannt. „Wir machen ja nichts Verbotenes”, sagt Schiewer. Die Anwendungsmenge liege in Deutschland deutlich unter dem, was in anderen Ländern erlaubt sei. „Das Konzentrat ist möglicherweise krebserregend”, so Schiewer. Auf dem Feld werde das Mittel allerdings sehr stark verdünnt angewendet.

Zu nah an der Grundstücksgrenze?

Violetta Hänel und Katja Wieden beschäftigt noch etwas anderes. Bis dicht an die Grundstücksgrenzen wurde das Unkrautvernichtungsmittel gesprüht. Die beiden Frauen finden, dass der zulässige Mindestabstand unterschritten worden ist. „Einen Meter Abstand muss zu Straßen, öffentlichen Wegen und Grundstücken gehalten werden”, erklärt Martin Schiewer. Seine Mitarbeiter, die die Flächen bearbeitet hätten, seien dahingehend geschult. Wäre diese Anforderung unterschritten, wäre das ein Problem, sagt auch Schiewer. „Dass Fehler passieren können, ist klar, aber sie dürfen da nicht passieren.” Seine Mitarbeiter will er in Zukunft auch nochmal darauf hinweisen.

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