FLEISCHVERARBEITUNG

Vorpommern schlachtet sogar mit Gütesiegel

Nicht nur der Anklamer Schlachthof schloss in den vergangenen Jahren seine Tore. Ganz entgegen dem Trend werden neuerdings bei Wolgast Rinder und Schweine zu Steaks und Braten verarbeitet.
Marius von Bomhard hat den Hof am Mühlenbach von seinem Vater übernommen. Neuerdings betreibt er ein hofeigenes Schl
Marius von Bomhard hat den Hof am Mühlenbach von seinem Vater übernommen. Neuerdings betreibt er ein hofeigenes Schlachthaus und nimmt dafür mehr und mehr Fremdaufträge an. ZVG
Nagelneu ist das Schlachthaus in Lodmannshagen bei Wolgast. Vorpommerns Bauern lassen hier Rinder und Schweine schlachten und
Nagelneu ist das Schlachthaus in Lodmannshagen bei Wolgast. Vorpommerns Bauern lassen hier Rinder und Schweine schlachten und zerlegen. ZVG
Lodmannshagen.

Im Kreis Vorpommern-Greifswald wurde ein neuer Schlachthof eröffnet. Auf dem Hof am Mühlenbach in Lodmannshagen bei Wolgast werden neuerdings Schweine und Rinder geschlachtet, zerlegt und küchenfertig verpackt. Die Schlachtstätte bietet Züchtern aus der Region die Möglichkeit, ihre Tiere ohne lange Transportwege und so schonend wie möglich verarbeiten zu lassen.

Landwirt Marius von Bomhard führt den Bauernhof in zweiter Generation. Der 25-Jährige hält Rinder und Schweine artgerecht auf der Weide und finanziert sich hauptsächlich durch Direktvermarktung von Weiderindfleisch und die Vermietung von Ferienhäusern. Die Schlachterei ist das dritte Standbein der Familie, die 1993 aus Bayern nach Vorpommern gezogen ist.

Großes Einzugsgebiet und steigende Nachfrage

Für 180 Euro pro Tier inklusive Fleischbeschau, Zerlegung und Vakuumierung können Viehhalter Rinder schlachten lassen. Bei Schweinen ist der Vorgang für 80 Euro zu haben. Dry-Aging im Reifeschrank ist ebenfalls möglich. „Wir haben die Verantwortung für unsere Tiere von der Geburt bis zum Tod“, so die Philosophie des Unternehmens. Geschlachtet wird derzeit jeden Sonnabend. Sieben bis acht Rinder und ebenso viele Schweine werden an einem Wochenende verarbeitet. Sie werden aus einem Einzugsgebiet von bis zu 80 Kilometern gebracht – aus Bad Sülze im Westen oder auch aus dem Anklamer Land.

Ein Schlachter kommt dafür in den Betrieb und verarbeitet die Nutztiere gegen Honorar zu Steaks und Braten. Sollte die Nachfrage weiter steigen, kann in Lodmannshagen auch mehrmals in der Woche geschlachtet werden. Der Schlachter wäre bereit, Vollzeit für das Unternehmen zu arbeiten.

Die Tiere sollen hier stressfrei sterben

Der Betrieb in Lodmannshagen arbeitet nach den sogenannten Neuland-Richtlinien. Neuland ist ein Fachverband zur Förderung einer tiergerechten, umweltschonenden und bäuerlichen Nutztierhaltung. Marius von Bomhards wichtigstes Anliegen: Die Tiere sollen stressfrei sterben.

„Sie kommen zu mir und können dann noch einen Tag auf der Weide stehen und sich vom Transport erholen. So erhält man Fleisch von bester Qualität.“ Als der Teterower Schlachthof im vergangenen Jahr seine Schweineschlachtung abschaffte, kam Marius von Bomhard auf die Idee, das eigene Schlachthaus zu eröffnen. Unterstützung bekam er beim Verein Pommern-Arche, der sich für regionale Bauern in Vorpommern und Polen einsetzt. Einige finanzielle und bürokratische Hürden gab es zu überwinden. Mittlerweile ist sein Schlachtbetrieb nach EU- und Bio-Richtlinien zertifiziert. Er sei zwar etwas teurer als die großen Schlachthöfe, aber durch die kurzen Fahrwege würde sich sein Angebot für Vorpommerns Bauern trotzdem lohnen.

Fehlende Schlachthöfe sind landesweites Problem

Das Problem fehlender Schlachthöfe zieht sich durch das ganze Land. Die Schlachthöfe in Neustrelitz und Anklam sind seit Jahren geschlossen, in Teterow wurde die Schweineschlachtung eingestellt. Viele Erzeuger sind gezwungen, ihre Tiere weite Strecken zu transportieren. Das ist purer Stress für die Tiere und unrentabel für die Bauern. Darum haben auch in Mecklenburg zwei Landwirte ein eigenes Schlachthaus eröffnet. Seit November 2019 werden in Dalmsdorf bei Neustrelitz Rinder, Schweine und Schafe verarbeitet. Hans-Christoph Peters und Markus Poland hatten sich zusammengetan und auf Gut Pannstätten das Schlachthaus eröffnet. Zwei Mal im Monat werden jeweils drei bis vier Rinder aus der Umgebung geschlachtet, darunter auch Tiere aus der Solidarischen Landwirtschaft, die Markus Poland in Klein Trebbow betreibt. Ein Schlachter aus Brandenburg erledigt das. „Wir laufen auf Sparflamme. Die Nachfrage ist da. Einige Erzeuger würden am liebsten jede Woche schlachten lassen. Aber dann müssten wir einen Schlachter fest einstellen.“ Und da liegt das Problem.

„Schlachter sind eine aussterbende Art. Das will keiner mehr machen. Man müsste jemanden aus Polen oder Rumänien kommen lassen. Das wird noch ein richtig großes Problem“, sagt Markus Poland. Schließlich gehe es nicht nur darum, das Tier zu töten, sondern es müsse auch zerlegt, verpackt und im Idealfall zu Wurst und Schinken verarbeitet werden. „Das ist ein Knochenjob, den keiner mehr lernen will. Man findet keine Leute mehr, die mit Tieren umgehen, schlachten, zerlegen und verarbeiten können.“ Das Schlachthaus in Dalmsdorf soll trotzdem weiter laufen. „Auch wenn sich das vielleicht nicht richtig rentiert, machen wir das aus Überzeugung. Ich fahre meine Tiere nicht nach Teterow, wo sie in einem anonymen Schlachthof untergehen. Ich will Einblick in die Sache haben und genau wissen, wie meine Tiere ihrer Bestimmung zugeführt werden.“

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Kommentare (1)

mit kleinen und sicheren Schritten in die richtige Richtung - Selbstvermarktung ist ein Schlüssel zum Erfolg - jetzt noch den Verkauf vom Fleischerfachgeschäft breit gefächert hinten dran, ausgerichtet nach dem regionalem Geschmack mit Mittagstisch - das Geschäft wird brummen - viel Glück Spaß und Erfolg !!!