BUNDESTAG

Wahlkreis schickt gleich drei Vertreter in den Bundestag

Schon allein wegen des Promi-Faktors interessierten sich bundesweit Medien für das Direktmandat im Wahlkreis 16. Auch zwei Verlierer gehen nach Berlin.
Sie ziehen in den Bundestag ein: Philipp Amthor (CDU), Enrico Komning (AfD), Erik von Malottki (SPD) Nk-Monatge: Christian Charisius/Marcus Brandt/Stefan Sauer
Anklam ·

Knapp 800 Stimmen machten den Unterschied und ließen spät in der Nacht doch noch die SPD jubeln. Dass die Sozialdemokraten im Wahlkreis zwischen Anklam und Neubrandenburg die meisten Zweitstimmen geholt hatten, war da schon länger klar. Dass es auch bei den Erststimmen für ihren Direktkandidaten Erik von Malottki reichen würde, das zeigte sich erst auf den letzten Metern der Auszählung.

Ergebnis für SPD sei durchaus beachtlich

„Nervenaufreibend“ sei das gewesen. „Wir haben bereits im Wahlkampf gespürt, dass sich die Stimmung bei uns – wie im ganzen Land – zugunsten einer sozialen Politik dreht“, so Malottki. Er sei nun „unglaublich glücklich und dankbar“. Das Ergebnis ist für die SPD durchaus beachtlich. Der Großteil des Wahlkreises umfasst Regionen, in denen die Sozialdemokratie traditionell schwach abschnitt. Bundesweit konnten die Sozialdemokraten nur in zwei der 298 anderen Wahlkreisen mehr Prozentpunkte hinzugewinnen.

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Während Malottki in Neubrandenburg feierte, hatte der Verlierer des Abends die Wahlparty seiner Partei in Schwerin vorgezogen. Philipp Amthor, der sich bis zuletzt siegessicher gab, landete mit 20,7 Prozent der Stimmen auf dem dritten Platz. Von Katerstimmung war am Montag aber nicht viel zu hören. Natürlich seien die Ergebnisse der Wahl für seine Partei enttäuschend. Zu seiner persönlichen Verantwortung für das schlechte Abschneiden im Wahlkreis 16 verweist er allerdings auf sein Erststimmenergebnis, das immerhin um knapp zwei Prozentpunkte besser ausgefallen sei als die Parteiwerte bei den Zweitstimmen.

Amthor zieht trotz Niederlage in den Bundestag

„Der Trend in Deutschland und speziell in MV lief zu drastisch gegen die CDU und zu stark für die SPD. Unter diesen Umständen war der Wahlkreis für die CDU nicht mehr gewinnbar“, so Amthor. Mit Blick auf die anstehenden Personaldebatten in der Landespartei gab er sich zurückhaltend. „Mein Platz ist in Berlin“, sagte er. Trotz der Niederlage zieht er über die Landesliste in den Bundestag.

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Deutlich vor Amthor, aber hinter Erik von Malottki landete der AfD-Bewerber Enrico Komning. Auch er wird über die Landesliste wieder in den Bundestag rücken, räumte aber ein, dass die Enttäuschung groß sei. „Mit den reinen Zahlen bin ich wirklich zufrieden. Das war ein gutes Ergebnis. Aber es sah ja am Sonntag lange so aus, als ob ich vorne liege. Dass es dann doch knapp nicht gereicht hat, ist natürlich ärgerlich“, so Komning.

Komning will in politischen Rhetorik härter werden

Die entscheidenden Stimmen für Malottki gab es bei der Auszählung der Briefwahlstimmen. Daran übte Komning dann auch umgehend Kritik. „Die Möglichkeit für Manipulationen ist bei der Briefwahl natürlich größer. Ich fände es daher besser, wenn diese Art der Stimmabgabe wirklich eine Ausnahme wäre.“ Er wolle damit aber nicht das Ergebnis des Sonntags in Zweifel ziehen. „Das akzeptiere ich“, so Komning. Die guten Ergebnisse für ihn und den Landessprecher Leif-Erik Holm seien auch eine Bestätigung im internen Kurs-Streit des Landesverbandes.

Allerdings müsse man mit Blick auf die noch besseren Ergebnisse der AfD in Sachsen und Thüringen auch überlegen, „ob wir in der politischen Rhetorik, in der Wortwahl etwas härter werden sollten.“ Auch Komning zweifelt daran, dass das Ergebnis Rückschlüsse über die Kandidaten zulässt. „Philipp Amthor wurde von der CDU nach unten gesogen und die SPD war im Höhenflug.“

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