Nahezu bis auf den letzten Platz war die kleine Kapelle in Stretense am Sonntagnachmittag gefüllt.
Nahezu bis auf den letzten Platz war die kleine Kapelle in Stretense am Sonntagnachmittag gefüllt. Anne-Marie Maaß
Auch der Bund der Vertriebenen lud in Anklam zur Kranzniederlegung ein. Fotos: Anne-Marie Maaß
Auch der Bund der Vertriebenen lud in Anklam zur Kranzniederlegung ein. Anne-Marie Maaß
In Anklam wurde die städtische Veranstaltung zum Volkstrauertag an der Gedenkstele Otto Lilienthals in der Peenstra&szlig
In Anklam wurde die städtische Veranstaltung zum Volkstrauertag an der Gedenkstele Otto Lilienthals in der Peenstraße begangen. Anne-Marie Maaß
Ganz außen rechts, hat sich der Expressionist mit einem Selbstbild in Stretense verewigt.
Ganz außen rechts, hat sich der Expressionist mit einem Selbstbild in Stretense verewigt. Anne-Marie Maaß
Die Wandbildern von Maler Johannes Friedrich Sass wurden behutsam restauriert. Die kreuze erinnern an die verstorbenen Soldate
Die Wandbildern von Maler Johannes Friedrich Sass wurden behutsam restauriert. Die Kreuze erinnern an die verstorbenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges aus dem Ort. Anne-Marie Maaß
Zum Volkstrauertag

Was Lilienthal mit Frieden zu tun hat

Gleich mehrfach wurde am Sonntag in Anklam und der Umgebung zum Volkstrauertag an die Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. In Stretense fand zudem in der kleinen Irmgard-Kapelle ein besonderer Festgottesdienst statt.
Anklam

Als Ort, um den Volkstrauertag zu begehen, bietet sich die kleine Irmgard-Kapelle in Stretense gleich aus mehreren Gründen an. Zum einen erinnern dort individuelle Kreuze an verstorbene Soldaten des II. Weltkrieges, die nicht mehr in ihr Heimatort zurückkehrten. Zum anderen wird dort auch an die Toten des Ersten Weltkrieges erinnert. Dass zum Gedenkgottesdienst am Sonntag nun auch der Bischof nach Stretense kam und dort zusammen mit Pfarrer Philipp Staak den Festgottesdienst hielt, hatte zudem auch noch einen besonders feierlichen Grund.

Sternenhimmel im Gotteshaus

Nach anderthalb Jahren Sanierung öffnete die kleine achteckige Kapelle am Sonntag zum ersten Mal wieder ihre Türen. Regelmäßig findet hier sonst kein Gottesdienst mehr statt. Die Kirchenbänke waren zu dem besonderen Anlass nun aber dennoch bis auf den letzten Platz belegt. Bevor der Gottesdienst mit einer Verzögerung begann, nutzte Restauratorin Theresa Clemens die Möglichkeit, den zahlreichen Kirchenbesuchern ihre Arbeit näher zu bringen. Diese lag vor allem auf dem Erhalt der Malerei in dem kleinen Raum. So hat sich auf den Wänden mit zwei großen Bildern der Maler Johannes Friedrich Sass verewigt. 1922 schuf er die aktuelle und somit zweite Fassung der Malerei in der Kapelle – sein expressionistischer Stil bildet dabei mit durchaus kräftigen Farben eine Besonderheit in der vorpommerschen Kirchenlandschaft.

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Dieses Original nun möglichst umfassend zu erhalten, lag im Fokus der aktuellen Restauration an den Seitenwänden. Lediglich Risse wurden hier gekittet und wieder farblich angepasst. Anders sieht es in der Apsis aus. Dort wurde die Rundung wieder mit einem kräftigen, dunklen Blau versehen und auch die Sterne wieder wie ursprünglich aufgetragen. Der Blick auf den Sternenhimmel ist somit auch heutigen Kirchenbesuchern wieder möglich.

Lilienthals Idee vom Frieden im Fokus

Mit dem Himmel und der Luftfahrt hatte in diesem Jahr auch das Gedenken der Stadt Anklam zu tun. Die städtische Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag fand in diesem Jahr an der Stele am ehemaligen Standort des Geburtshauses von Otto Lilienthal in der Peenstraße statt. Dass auch dieser Platz zum Gedenken am Volkstrauertag passt, erklärte Museumsleiter Dr. Peter Busse. So sei das Geburtshaus wie so viele andere Häuser beim Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Des Weiteren hob er Lilienthals Philosophie hinter der Erfindung des Menschenfluges hervor. Er habe mit seinem Fluggerät Menschen auf der Welt über die Grenzen hinweg verbinden wollen, um sie frei werden zu lassen und Frieden miteinander zu finden. Fliegen können die Menschen heute, eine Erfindung, die den weltweiten Frieden bringt, müsse noch erfunden werden, schloss Busse.Der Bund der Vertriebenen hatte zudem in Anklam am Sonntagvormittag noch am Gedenkstein für die Opfer von Krieg und Vertreibung in die Steinstraße zur Kranzniederlegung eingeladen.

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