GREIFSWALDER WISSENSCHAFLER ERSTELLEN CORONA-STUDIE

Was macht die Isolation mit uns?

Seit Wochen dürfen sich die Menschen im Land nur eingeschränkt in der Öffentlichkeit bewegen. Was machen die soziale Isolation und Distanz mit uns? Damit befassen sich Greifswalder Wissenschaftler und bieten Hilfe an.
Selin Demir (links) und Kristin Pilz arbeiten als Psychologinnen und erklären in einem Video den richtigen Umgang mit Kon
Selin Demir (links) und Kristin Pilz arbeiten als Psychologinnen und erklären in einem Video den richtigen Umgang mit Konflikten in häuslicher Isolation. Screenshot: Institut für Psychologie Universität Greifswald
Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier
Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier Philipp Müller
Greifswald ·

„Die Corona-Pandemie ist in erster Linie eine gesundheitliche und wirtschaftliche Krise, jedoch entpuppt sie sich auch als psychologische Krise.“ Dieser Ansicht ist Professorin Eva-Lotta Brakemeier. Sie ist die Lehrstuhlinhaberin für Klinische Psychologie und Psychotherapie und Direktorin des Zentrums für Psychologische Psychotherapie an der Universität Greifwald.

Seit einigen Wochen betreut sie eine Studie im Kontext der Corona-Pandemie, die im Internet ausgefüllt werden kann. In der Studie wollen die Wissenschaftler wissen, wie sich das Kontaktverbot und die soziale Distanz auf den Einzelnen auswirken und wie Medien Informationen vermitteln sollten, damit diese das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung möglichst positiv beeinflussen.

Die Wissenschaftler suchen noch Probanden

Brakemeier entwickelte die Studie gemeinsam mit Prof. Alfons Hamm, dem geschäftsführenden Direktor des Instituts für Psychologie, sowie weiteren Mitarbeitern. „Wir wollen einen wissenschaftlich fundierten Beitrag aus Sicht der Psychologie zu der aktuellen Diskussion beisteuern“, erklärt sie die Motivation der Forschung. Noch suchen die Wissenschaftler Probanden. Gut 550 Teilnehmer hätten sich bis Mitte April bereits gefunden. „Für eine ausreichende Power benötigen wir etwa 800 Teilnehmer“, erklärt Brakemeier.

Neben interessanten Erkenntnissen gibt es für die Teilnehmer auch einen Gewinn. „Als kleinen Anreiz verlosen wir 30 Amazon-Gutscheine im Wert von je 20 Euro“, verspricht Brakemeier.

Hilfe durch Videos und Übungen für den Alltag

Sie will aber nicht nur erforschen, wie sich die vergangenen fünf Wochen auf die Menschen auswirken, sie hilft mit ihrem Team auch ganz praktisch. Für Menschen, die die häusliche Isolation, Quarantäne oder Kontaktverbote als große Belastung erleben, gibt es auf der Seite des Institutes zahlreiche Hilfestellungen. Dort finden sich zum Beispiel psychologische Tipps zum Umgang mit depressiven Verstimmungen, Ängsten und den typischen „Lagerkoller-Konflikten“.

Auch gibt es Übungen, um Entspannung und Achtsamkeit zu trainieren und sich trotz Krise im Alltag wohlzufühlen. „Jeder geht anders mit so einer Situation um. Extrovertierte oder einsame Menschen oder Personen, die aufgrund der Krise wirtschaftliche Existenzängste haben, reagieren mitunter stärker als andere“, erklärt die Expertin für Psychotherapie. Die Hilfestellungen sind nach Altersklassen sortiert, denn ein Teenager hat in der sozialen Isolation andere Sorgen als seine Eltern.

 

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