Arthur Grüneberg betrieb in den 1920er Jahren am Anklamer Markt ein Herren- und Knabenbekleidungsgeschäft.
Arthur Grüneberg betrieb in den 1920er-Jahren am Anklamer Markt ein Herren- und Knabenbekleidungsgeschäft. Günter Beyer
Jüdisches Leben

Weit im Osten verlieren sich die Spuren einer Anklamer Familie

Die Grünebergs gehörten zu den ersten über tausend jüdischen Bürgern aus Pommern, die im Februar 1940 von den Nazis deportiert wurden. Die Rückkehr gelang ihnen nicht.
Anklam

Anklam. Adolf Grüneberg war gerade mal 16 Jahre alt, als er mit seinen Eltern Anna und Arthur Grüneberg am 12. Februar 1940 aus der gemeinsamen Wohnung in der Baustraße 44 abgeholt und gemeinsam mit neun anderen Anklamer Juden über Stettin in das Ghetto Piaski bei Lublin im heutigen Osten von Polen deportiert wurde. Wie aus dem Buch „Ich lebe und liebe meine Heimat ... Lebenslinien Anklamer Jüdinnen und Juden“ hervorgeht, wurde er dort immer wieder zu schwerer Zwangsarbeit in einem Arbeitslager verpflichtet, bevor sich seine Spuren verlieren.

Vater betrieb ein Herrenbekleidungsgeschäft

Geboren wurde er in Anklam am 24. November 1923. Zu jener Zeit betrieb sein Vater Arthur am Anklamer Markt ein Herren- und Knabenbekleidungsgeschäft, das später in die Steinstraße umzog. Während Arthur Grüneberg 1875 in Tempelburg, dem heutigen Czaplinek in der Wojewodschaft Westpommern, zur Welt kam, war Anna Grüneberg (geborene Schüler) eine gebürtige Anklamerin. Sie entstammte einer evangelischen Handwerkerfamilie, trat aber später zum Judentum über. Geheiratet haben Anna und Arthur Grüneberg am 15. Juli 1913 in der Peenestadt.

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Die Kinder des Paares – neben dem Sohn Adolf muss es wohl auch noch eine Tochter gegeben haben – hätten sich allerdings eher den christlichen Freunden und Mitschülern zugehörig gefühlt, als den wenigen Kindern der jüdischen Gemeinde, heißt es in den „Lebenslinien“. Die Tochter, die offensichtlich der Deportation entgangen war, schickte ihrer Familie Briefe und Pakete nach Piaski, wo sie bei polnischen Juden, die selbst in größter Armut lebten, untergebracht war. Die Umstände, die dort geherrscht haben müssen, deutet Anna Grüneberg im Frühjahr 1940 in einem Brief an, mit dem sie sich für die Post bedankt: „Wir haben uns seit vier Wochen das erste mal wieder mit Seife gewaschen, auch ein großer Genuss.“

Mann stirbt an schwerer Krankheit

Schon im folgenden Sommer berichtet sie von einer schweren Erkrankung ihres Mannes, der schließlich im Februar 1941 stirbt. Anna Grüneberg soll danach alles mögliche versucht haben, um die Erlaubnis zu bekommen, mit ihrem Sohn in die Heimat zurückzukehren. Als sie im Oktober 1942 wegen einer entsprechenden Bewilligung bei einer Behörde in Lublin vorsprechen wollte, sollen sie und ihr Sohn dort verhaftet worden sein. Das weitere Schicksal der beiden ehemaligen Anklamer ist unbekannt.

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