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Umgekippter Laster

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Wer braucht eigentlich so viel toten Fisch?

Am Sonntagvormittag war dieser Laster auf der B 109 bei Woserow verunglückt.
Am Sonntagvormittag war dieser Laster auf der B 109 bei Woserow verunglückt.
Christopher Niemann

Drei Fisch-Laster sind innerhalb weniger Wochen auf den Straßen von MV verunglückt. Noch ist nicht aufgeklärt, wie es zu dem letzten Unfall kam.

Noch immer ist unklar, warum genau am Sonntag ein mit totem Fisch beladener Laster auf der B109 südlich von Anklam umgekippt war. Die Polizei hat nach einem Zeugenaufruf noch keine Hinweise zu einem Autofahrer erhalten, der den Unfall provoziert haben soll. Das erklärte eine Sprecherin der Anklamer Polizeiinspektion am Dienstag.

Der Fahrer des Lkw gab nach dem Unfall an, dass er die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hatte, nachdem ein Autofahrer versucht hatte, ihn zu überholen. Der Laster landete nach einer Vollbremsung im Graben und die komplette Ladung von mehr als 20 Tonnen Fisch ergoss sich über die Straße. Feuerwehrleute waren mehrere Stunden damit beschäftigt, die Fahrbahn wieder zu reinigen.

Bereits vor ein paar Wochen hatte ein polnischer Lkw-Fahrer auf der B110 seine Fisch-Fracht in den Graben gesetzt. Einen weiteren Unfall gab es Anfang Mai auf der A20 bei Rostock. Nach einem plötzlichen Bremsmanöver schwappten mehrere Tonnen tote Sprotten aus einem Kippmuldenanhänger nach vorne und verunreinigten 300 Meter Fahrbahn.

Toter Fisch darf so transportiert werden

Warum gibt es plötzlich so viele Fisch-Unfälle? „Das fragen wir uns auch”, sagt die Anklamer Polizeisprecherin. Trotz der vielen Fälle in kurzer Zeit tippt sie aber eher auf einen Zufall, dass gerade so viele Laster umkippen, die ausgerechnet mit Fisch beladen waren.

Bei den Transportern handelte es sich um Kipplaster, die lediglich mit einer Plane geschützt waren. Im prallen Sonnenschein und bei Temperaturen über 20 Grad fängt die Ladung auch mal an zu stinken. Trotzdem, so die Polizeisprecherin, sei diese Art des Transports rechtmäßig gewesen. Auch für die Fahrt an einem Sonntag gelte eine Ausnahmeregelung. Genaueres zum Unfallhergang werde aber noch geprüft.

Beim Fisch im Transporter verhält es sich fast wie mit Wasser. Die Ladung kommt in Bewegung, wenn der Fahrer plötzlich die Richtung ändert. Geht es zu schnell, sorgt die Trägheit dafür, dass der Fisch überschwappt. Tanklaster sind aus diesem Grund mit sogenannten Schwallblechen ausgestattet, um die Bewegung im Inneren zu minimieren.

Wer braucht so viel toten Fisch?

Bleibt die Frage, wer sich an einem Sonntag mit tonnenweise totem Fisch beliefern lässt. Wohin der Transporter unterwegs war, konnte die Polizeisprecherin noch nicht sagen. Wahrscheinlich war der Fisch aber zur industriellen Verarbeitung bestimmt. Bei einem ähnlichen Unfall in der Vergangenheit hieß es, dass die Ladung war für die Weiterverarbeitung zu Fischöl bestimmt war.