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Wer ist am Strand lauter? Die Ostsee oder Kiosk-Musik

Entspannen am Strand nach 19 Uhr? Aber bitte nur im Flüsterton. So war es bislang üblich in den Kaiserbädern. Das soll sich laut des Beschlusses aus dem Eigenbetriebsausschuss jetzt ändern. Musik bis 21 Uhr ist nun erlaubt.  FOTO: Sandra Grüning

Kaiserbäder. Während in Swinemünde das Leben abends erst so richtig beginnt, werden in den Kaiserbädern offenbar um 18 Uhr nicht nur die Bürgersteige ...

Kaiserbäder. Während in Swinemünde das Leben abends erst so richtig beginnt, werden in den Kaiserbädern offenbar um 18 Uhr nicht nur die Bürgersteige hochgeklappt, sondern gleich der Strand. Könnte man jedenfalls meinen, wenn man sich die rege Diskussion anhörte, die zuletzt in den Kaiserbädern darüber geführt worden ist. Losgetreten hatte alles ein Kioskbesitzer an der Heringsdorfer Seebrücke, der abends Musik abspielen wollte. Er wollte keine lauten Strandpartys feiern, sondern lediglich seinen Gästen in entspannter Atmosphäre neben Cocktails auch, wie er sagt, „dezente Lounge-Musik bis 21 Uhr anbieten“.

Das war bislang nicht möglich: Für Strandkorbvermieter und Kioskbesitzer war um 18 Uhr Schluss. Zehn Mal im Jahr war es ihnen erlaubt, Livemusik oder eine Strandparty mit Musik bis 23 Uhr zu veranstalten. Alles darüber hinaus musste beantragt werden. „Auch, weil die Toilettenöffnungszeiten dann verlängert werden müssen“, erklärt Kurdirektor Dietmar Gutsche. Eine tägliche Musikbeschallung war bis dato überhaupt nicht vorgesehen.

Das sollte sich nach dem Willen des Kioskbetreibers und einiger Gemeindevertreter nun ändern. Doch so einfach, wie es klingt, ist es nicht. Denn der Deutsche an sich braucht für alles eine Regelung. Und es gibt nicht nur Befürworter des entspannten Abendausklangs am Strand. „Für unsere Gäste ist eine abendliche Musikbeschallung sicher eine Belästigung. Schließlich kommen sie hierher, um ihre Ruhe zu haben. Zudem ist um die Zeit doch niemand mehr am Strand“, sagt Helmut Friedrich, Vorsitzender des Eigenbetriebsausschusses der Kaiserbäder.

Dass dem aber nicht so sei, musste er sich gleich von mehreren Ausschussmitgliedern erklären lassen. „Die Leute kommen wegen des Strandes hierher. Und den wollen sie so lange genießen, wie möglich“, sagte etwa Claudia Pautz. Sie ist überzeugt, dass das neue Angebot beim jüngeren Publikum gut ankommen würde. „In angemessener Lautstärke ist das ein Plus für den Tourismus. Zumal 21 Uhr noch keine Schlafenszeit ist“, sagt auch Bürgermeister Lars Petersen.

Am Ende stand folgende Einigung: Musik in gedämpfter Lautstärke darf bis 21 Uhr gespielt werden. Dezibelkontrollen wolle man jedoch vorerst nicht einführen. Dass es zum Abspielen leiser Musik überhaupt erst eines Antrages bedurfte, ist schon verwunderlich. Schließlich übersteigt sogar das Rauschen der Ostsee die in einem Seeheilbad zulässigen 45 Dezibel an Tagen mit auflandigem Wind teils um 20 Dezibel.