FACHLEUTE GESUCHT

Wer sagt uns bald, was das für Pilze sind?

Pilzesammeln ist ein echter Volkssport. Und wenn man machen Röhrling nicht kennt, dann fragt man einfach den Pilzberater vor Ort. Wenn man ihn denn noch findet. Denn diese verantwortungsvolle Aufgabe will niemand mehr übernehmen.
Das hier sind Steinpilze. Doch es gibt ja tatsächlich eine Menge Arten, die auf den ersten Blick unbekannt sind. Pilzberater helfen uns dann bei unseren Fragen. Doch sie werden langsam rar in unserem Kreis.
Das hier sind Steinpilze. Doch es gibt ja tatsächlich eine Menge Arten, die auf den ersten Blick unbekannt sind. Pilzberater helfen uns dann bei unseren Fragen. Doch sie werden langsam rar in unserem Kreis. Bernd Wüstneck
Dass es Karbolpilze in seinem Garten sind, hatte Gerhard Rogalla (rechts) aus Krien schon vermutet. Pilzberater Siegmund Olm bestätigt es letztendlich.
Dass es Karbolpilze in seinem Garten sind, hatte Gerhard Rogalla (rechts) aus Krien schon vermutet. Pilzberater Siegmund Olm bestätigt es letztendlich. Jörg Foetzke
Vorpommern ·

Mit Pilzen kennt sich Siegmund Olm aus Neuenkirchen bei Spantekow ganz genau aus. Seit 51 Jahren wirkt er als Pilzberater in der Region. Die Arbeit mit den Menschen und der Natur hat ihm immer Spaß gemacht. Doch mittlerweile ist Siegmund Olm 78 Jahre alt, und eigentlich wäre es Zeit, die Aufgabe einem Jüngeren zu übertragen. Doch daran hat Olm den Glauben verloren. Alle, die er angesprochen hat, haben dankend die Hände gehoben. Niemand will sich der verantwortungsvollen Aufgabe widmen. Wenn der Neuenkirchener das Ehrenamt abgibt, findet man in Anklam und Umgebung nicht einen Pilzberater mehr.

Dabei hat das Pilzberater-Dasein Siegmund Olm immer Freude beschert. Man lernt etwas über die Natur und kann anderen Menschen helfen. Außerdem gibt es vom Kreis eine Aufwandsentschädigung. „Die aber niemanden reich macht“, betont Olm. Der Spaß an der Sache ist der überwiegende Lohn.

Viele scheuen die Verantwortung

Dass er keinen Nachfolger findet, mag ein Zeichen der Zeit sein. Viele seien im Beruf so eingespannt, da hat nichts anderes Platz, andere wieder scheuen die Verantwortung. Denn wer andere Menschen beraten will, muss schon selbst über ein umfangreiches Wissen verfügen. Zumal jeder Fehler tödliche Auswirkungen haben könnte.

Wer sich Pilzberater nennen will, muss eine Menge wissen und dies auch bei einer Prüfung bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (Pilzkunde) unter Beweis stellen. Sie gewährt Pilzberatern auch einen Versicherungsschutz.

Manchmal 100 Menschen im Monat beraten

Olm hatte immer gut zu tun. „Es gab Monate, da habe ich mehr als 100 Menschen beraten“, erinnert sich der Pilzberater. Wie lange der 78-Jährige noch Pilzberater bleiben kann, wer weiß? Und was kommt dann? Das kann nicht einmal Kreis-Pressesprecher Achim Froitzheim beantworten, obwohl ihre Bestellung eine Pflichtaufgabe für den Kreis ist. „Geeignete Nachfolger finden sich in allen Teilen des Kreises. Aber wer sich dafür interessiert, kann sich gerne melden.“

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