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NS-Bau

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Widerstand gegen Abrisspläne für Sauerstoffwerk Peenemünde

Die Ruine des ehemaligen Sauerstoffwerks auf dem Gelände der früheren Raketenversuchsanstalt Peenemünde könnte bald endgültig Geschichte sein.
Die Ruine des ehemaligen Sauerstoffwerks auf dem Gelände der früheren Raketenversuchsanstalt Peenemünde könnte bald endgültig Geschichte sein.
Stefan Sauer

Die Gemeinde Peenemünde zieht die Reißleine: Sie will die denkmalgeschützte Ruine des Sauerstoffwerks abreißen lassen, weil ihr Geld für die Sicherung fehlt.

Das im Norden der Insel Usedom gelegene Peenemünde könnte eines der wichtigsten Denkmäler verlieren. Die mit der Finanzierung überforderte Gemeinde Peenemünde hat den Abriss der unter Denkmalschutz stehenden Ruine des Sauerstoffwerks beschlossen, wie die leitende Verwaltungsbeamtin Kerstin Teske des Amtes Usedom-Nord am Dienstag bestätigte. Die Gemeinde mit 250 Einwohnern als Eigentümer sehe sich mit der Sicherung der Ruine überfordert.

Gegen den Abrissbeschluss der Gemeinde regt sich Widerstand. Das 1939 erbaute Sauerstoffwerk sei neben dem Kraftwerk einer der beiden noch erhaltenen Hochbauten der NS-Heeresversuchsanstalt, sagte der Geschäftsführer des Historisch-Technischen Museums, Michael Gericke. Das Werk stehe im technischen Zusammenhang mit dem gesamten Areal.

50-prozentige Förderung vom Land reicht nicht aus

Dort wurde von 1942 an Flüssigsauerstoff für den Antrieb der V2-Raketen produziert. Die Denkmalschutzbehörde des Kreises hat bereits Widerspruch gegen den Gemeindebeschluss angekündigt. Die Baubehörde des Kreises werde nicht gegen das Denkmalrecht eine Genehmigung zum Abriss erteilen, sagte ein Sprecher des Kreises.

Peenemünde hatte die Ruine 2013 auf Wunsch des Landes gekauft und auf eine maßgebliche Unterstützung aus Schwerin gehofft, wie Teske sagte. Die Grundsicherung der Ruine wird mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt. Eine 50-prozentige Förderung, wie vom Land angekündigt, reiche allerdings nicht aus. Die Gemeinde sei finanziell nicht in der Lage, die andere Hälfte zu tragen.

Museumschef Gericke hofft, dass der Abrissbeschluss der Gemeinde den Weg eröffnet, neu über den Erhalt des Baudenkmals nachzudenken. „Das Sauerstoffwerk ist ein Denkmal von europäischer Bedeutung”, sagte er. Vor wenigen Tag war das Museum Peenemünde in die „Liberation Route Europe” der wichtigsten europäischen Erinnerungsorte des 20. Jahrhunderts aufgenommen worden. Zudem ist der Ort Teil der Europäischen Route für Industriekultur.

Kommentare (3)

Ein Denkmal aus Kostengründen einfach abreissen? Ich kenne diverse Gemeinden in Deutschland, wo in solchen Fällen Spenden gesammelt, Benefiz-Veranstaltungen organisiert wurden, etc pp. Ach nee.... halt, ist ja ein pöhser, dunkler "NS-Bau".

Geld brauchen wir für Flüchtlinge und das sie teure Handy kaufen können, eine schöne Unterkunft und frische Luft

in einem 80-jährigen Mauerwerk. Eines muss man den Nazis lassen: was sie gebaut haben hatte Hand und Fuß! Fitz Todt - ein deutscher Bauingenieur- gründete im Mai 1938 im Auftrag Hitlers die Organisation Todt (Kurzzeichen OT). Sie diente der baulichen Realisierung von Schutz- und Rüstungsprojekten, z.B. beim Bau des Westwalls, des Atlantikwalls, dem Bau der U-Bootstützpunkte an der französischen Küste sowie in eroberten Gebieten. Die "Handschrift" von Fritz Todt und seiner OT findet sich auch in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Ab 1943 baute sie die Abschussrampen der V1- und V2-Raketen.