Diskussionsrunde
Wie braun ist Anklam?

Im Konferenzraum der Nordkurier-Redaktion in Anklam verfolgen Monika Zeretzke, Christian Schröder, Andreas Brüsch, Hannes Campe, Nordkurier-Redakteur Thorsten Pifan, Sigrun Reese und Christopher Denda (v.l.) den WDR-Beitrag.
Im Konferenzraum der Nordkurier-Redaktion in Anklam verfolgen Monika Zeretzke, Christian Schröder, Andreas Brüsch, Hannes Campe, Nordkurier-Redakteur Thorsten Pifan, Sigrun Reese und Christopher Denda (v.l.) den WDR-Beitrag.
Anne-Marie Maaß

Werden Handwerk und Baugewerbe in Anklam von Rechten unterwandert? Das suggeriert ein Bericht des Fernsehmagazins Monitor. Vertreter der Stadt haben ihre eigene Meinung dazu.

Anklam, gefangen im braunen Netzwerk? Ein Bericht des Fernsehmagazins Monitor ließ diesen Eindruck bei vielen Zuschauern aufkommen. Der Nordkurier hatte Stadtvertreter aus Anklam eingeladen, in der Anklamer Redaktion gemeinsam den Beitrag zu schauen. Im Anschluss entstand spontan eine Diskussion.

Handwerk und Baugewerbe sind rechts unterwandert, bereits über eine Internetseite demonstrieren die Firmen ihre Verbundenheit: Gastronomie gehört ebenfalls zu diesem Netzwerk, genauso wie ein Szeneladen für Klamotten. So stellt sich Anklam dar – aus Sicht der Filmemacher des Westdeutschen Rundfunks WDR. Zwar ist in Anklam in den vergangenen Jahren viel passiert, die Innenstadt wurde saniert, die Häuser erhielten nicht nur neue Fassaden, sondern sind vielfach komplett neu entstanden. Der Film zeigt die Situation von vor einigen Jahren und den Marktplatz heute.

Im Konferenzraum der Nordkurier-Redaktion in Anklam verfolgen die Stadtvertreter Monika Zeretzke (Linke), Sigrun Reese (FDP), Christopher Denda (SPD), Hannes Campe (CDU) sowie Christian Schröder und Bürgervorsteher Andreas Brüsch (beide Initiativen für Anklam, IfA) die Reportage. Anschließend ergreift Denda als Erster das Wort: „Ganz neu ist das Phänomen nicht, die Strukturen der Rechten haben sich lediglich professionalisiert”, analysiert er. Genau das sagen auch die Filmemacher und warnen, dass die Rechten in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Investition in Prävention gefordert

Bürgervorsteher Brüsch sagt: „Wir kennen unsere Betriebe und wissen häufig, wer dahinter steht.” – „Genau, aber es gibt ja auch die anderen, die nicht rechts stehen, davon sagt niemand etwas”, ergänzt Reese bedauernd und offenbart damit die Schwäche des Beitrags: Es wird einseitig nach rechts geschaut, der Blick auf die vielen normalen Bürger, die ebenfalls einem Gewerbe nachgehen, bleibt unberücksichtigt. Es gibt die Firmen, deren Inhaber ihre Nähe zu Rechtsradikalismus nicht einmal verheimlichen, es gibt aber auch viele andere Betriebe – den Anklamern bleibt am Ende des Tages auch die Wahl, wohin sie gehen. Zeretzke bringt es auf den Punkt: „Diese Betriebe sind doch nicht marktbeherrschend.”

Über die Parteigrenzen hinweg sind sich die Politiker einig, dass die Filmemacher in einem Punkt recht haben: Es gibt Rechte Gesinnung und auch rechtsradikale Akteure in Anklam. Aber den Extremen beispielsweise von der NPD wird das Leben schwer gemacht. Dazu trägt auch das neue Stadtbild von Anklam bei. Einig sind sich die Stadtvertreter auch bei einer Lösungsmöglichkeit: „Wir müssen in Prävention investieren, in die Vereine und die Feuerwehren, auch im Umland von Anklam”, sagt Campe. Die Arbeit, die in den Vereinen gemacht werde, sei ganz wichtig. Sie fange vor allem Jugendliche auf, denen eine Aufgabe und eine Perspektive gegeben werde. Damit seien sie am Ende weniger empfänglich für rechtsradikalen Gedankengut.

Zudem müsse am eingeschlagenen Weg der Stadt festgehalten werden. Die Aufbauarbeit muss weiter gehen, Schritt für Schritt. Denn „wer in der Prärie alles zerschlägt, muss sich am Ende nicht wundern, dass Braun eine Chance hat”, sagt Zeretzke und setzt damit das Schlusswort in der Runde.

Kommentare (1)

Wir sind die Gesellschaft! Wir sind es die jeden Tag arbeiten gehen, die unsere Kinder großziehen, die die Steuern bezahlen. Ihr habt uns ein wenig zu oft als "rechts" bezeichnet. Das prallt einfach ab. Lieber werde ich als Nazi beschimpft, als tatenlos zuzusehen, wie unser Land von einer selbsternannten Elite absichtlich dahingerafft wird.