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Wie eine Oma und ihr Enkel zu Lebensrettern wurden

Rotraud Schmidt und ihr Enkel Norman Legat haben diesem Otter wohl das Leben gerettet. Bis der Otter-Notdienst da war, beherbergten sie das Tier in der Badewanne. Hier verspeist es den Fisch, den die Retter zuvor geangelt hatten.
Rotraud Schmidt und ihr Enkel Norman Legat haben diesem Otter wohl das Leben gerettet. Bis der Otter-Notdienst da war, beherbergten sie das Tier in der Badewanne. Hier verspeist es den Fisch, den die Retter zuvor geangelt hatten.
Geranda Olsthoorn

Eigentlich wollten Rotraud Schmidt und ihr Enkel nur ein wenig angeln, doch dann wurden sie zu Lebensrettern: Die beiden entdeckten einen schwer verletzten Fischotter, fingen das Tier ein und riefen den Otter-Notruf.

Besuch vom Enkelsohn lässt wohl jedes Großmutter-Herz höher schlagen, auch das von Rotraud Schmidt. Die 72-Jährige hat gerade ihren Enkelsohn Norman Legat zu Besuch. Der 25-Jährige lebt in Lübeck, ist diese Woche aber auf Heimat-Besuch in Vorpommern.

Angeln ist die große Leidenschaft von Rotraud Schmidt, die vor acht Jahren von Anklam nach Greifswald gezogen ist. Inzwischen sitzt die Rentnerin häufig angelnd am Ryck. In dieser Woche hat sie auch ihren Enkel mitgenommen. Als die beiden gerade auf dem Rückweg waren, wurden sie plötzlich zu Lebensrettern. „Oma, halt mal an, da sitzt ein Otter“, rief Enkel Norman – und tatsächlich: Am Ufer des Ryck saß eines der sonst so scheuen Tiere, offenbar verletzt. Das Tier hatte Wunden an der Schnauze.

Der Otter wollte nicht in den Pullover

Für die beiden war klar: Das Tier kann da nicht sitzen bleiben! „Er hat uns so leid getan“, erzählt Rotraud Schmidt. Doch das Einfangen war ziemlich schwierig. „Am Ende haben wir den Otter mit einem Pullover gefangen“, erzählt die 72-Jährige: „Dabei hat er meinen Enkel auch noch gebissen.“

Doch als das Tier dann im Pullover steckte, gingen die Probleme erst richtig los: „Wir haben die Feuerwehr gerufen, aber die hat uns ans Ordnungsamt verwiesen.“ Das Ordnungsamt fühlte sich auch nicht zuständig.

Frisch geangelter Fisch schmeckte dem Räuber sehr

Rotraud Schmidt und ihr Enkel packten das Tier beherzt in einen Fahrradkorb und fuhren mit ihm nach Hause. Daheim platzierten sie das Tier notgedrungen in der Badewanne – und gaben ihm die geangelten Fische. „Er hat sich sofort darüber hergemacht“, erzählt Rotraud Schmidt:

Parallel recherchierten die beiden weiter: Am Ende war es Rotraud Schmidts Sohn, der bei der Wasserschutzpolizei arbeitet, der den rettenden Kontakt vermittelte. Einer seiner Kollegen fand heraus, dass es in Quilow an der Peene eine Otter-Auffangstation gibt. Dann ging alles ganz schnell: Rotraud Schmidt wählte den Otter-Notruf und in Quilow setzte sich die Biologin Geranda Olsthoorn in Bewegung. Jetzt ist das Tier in Quilow in Sicherheit, vom Tierarzt versorgt und gut gefüttert: „Wir hoffen, dass es sich erholt“, sagt Geranda Olsthoorn. Es wäre die erste erfolgreiche Otter-Rettung seit Einrichtung der Station im vergangenen Jahr.

Wer einen verletzten Otter findet, sollte sofort den Otter-Notruf unter 0176 99772308 wählen.