Rinderherpes in Vorpommern

So geht es nach der Massenschlachtung weiter

Um die Tierseuche zu bekämpfen, wurden harte Maßnahmen ergriffen: Mehr als 700 Rinder mussten nach dem Rinderherpes-Befund in Neu Kosenow geschlachtet werden. Ein Schock.
Der mehr als 700 Tiere aus ihrem Aufzuchtbetrieb, die nach dem Rinderherpes-Befund vor einigen Wochen nun geschlachtet werden mussten, gedenkt die Landwirtsfamilie aus Neu Kosenow mit Kerzen.
Der mehr als 700 Tiere aus ihrem Aufzuchtbetrieb, die nach dem Rinderherpes-Befund vor einigen Wochen nun geschlachtet werden mussten, gedenkt die Landwirtsfamilie aus Neu Kosenow mit Kerzen. Mareike Klinkenberg
Neu Kosenow

Den Anblick der leeren Stallungen kann die Landwirtsfamilie Kiers aus Neu Kosenow (Vorpommern-Greifswald) kaum ertragen. Ausmisten, säubern und desinfizieren ist alles, was den Inhabern und Mitarbeitern des Rinderaufzuchtbetriebes in Neu Kosenow in diesen Tagen bleibt. Vor etwa einer Woche sind die letzten Tiere zum Schlachthof nach Teterow abtransportiert worden, nachdem Mitte Oktober hier die ansteckende Tierseuche BHV-1, die auch als Rinder-Herpes bekannt ist, festgestellt worden war.

Hintergrund: Rinder-Herpes in Vorpommern-Greifswald – Sperrgebiet eingerichtet

Alle Tiere notgeschlachtet

Auch Anke Radlof von der Pressestelle des Landkreises bestätigte auf Nordkurier-Anfrage: „Es wurden mindestens 269 infizierte Tiere registriert. Der Gesamtbestand mit 728 Tieren wurde geschlachtet.” Hinter diesen zwei Zahlen verbirgt sich für die Landwirte der Tiefpunkt in der Geschichte ihres Betriebes. Alle Kühe, die sie für ihre Partnerbetriebe nicht bis kurz vor der Kalbung aufziehen können, bedeuten einen großen finanziellen Verlust. Geld von der Tierseuchenkasse geht an den regulären Besitzer der Tiere – aber nicht an den Aufzuchtbetrieb.

Andere Versicherungen oder vertragliche Vereinbarungen haben die Landwirte nicht. Am Ende muss der Betrieb auch noch die Kosten für die Endreinigung der Ställe abfedern - ein hoher fünfstelliger Bereich.

Kein Aufgeben und Hoffnung bleibt

Doch „aufgeben ist das Letzte”, bekräftigen die Landwirte und setzten alle Hoffnung in die Jungrinder an ihrem zweiten Standort in Neu Kosenow, die bislang immer mit negativem Ergebnis beprobt worden sind. Ab dem 26. November würden diese Tiere wieder getestet und nach wiederum 30 Tagen erfolgt dann die zweite Bestandsuntersuchung, hieß es dazu auch vom Landkreis. Wenn diese Untersuchungen weiter ohne Virusbefall getestet würden, könnte das Sperrgebiet in den Gemeinden Neu Kosenow und Bugewitz wieder aufgehoben werden und auch die Familie Kiers könnte wieder aufstallen.

Pläne für die Zeit „danach” gibt es schon. Zum Glück stehen ihnen in dieser schweren Zeit die meisten ihrer Partnerbetriebe zur Seite. Für diese Betriebe würden sie auch künftig wieder Rinder aufziehen können, wohl aber weniger als zuvor, erklärten die Landwirte. In Erwägung ziehen sie außerdem die Rückkehr zur Milch, der sie ja eigentlich vor knapp zehn Jahren den Rücken gekehrt hatten. Das würde zwar wieder einige Investitionen auf dem Hof bedeuten, aber momentan würde der Milchpreis wieder steigen und eine lohnende Alternative sein.

Hinzu komme die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit einem benachbarten Landwirtschaftsbetrieb, die den tristen Anblick der leeren Ställe und die schwere finanzielle Last für die gebeutelten Landwirte ein wenig zu lindern vermag.

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