KUNDENABZOCKE?

Wieso genau die gleiche Wurst doppelt so teuer ist

Vier Packungen Aufschnitt ließen einen Anklamer schwer schlucken. Nicht aufgrund von Qualitätsmängeln, sondern wegen des Preises. Der Unterschied zwischen zwei Händlern ist dabei sehr deutlich. Doch es gibt eine einfache Erklärung.
Karsten Riemer Karsten Riemer
Wolfgang Krüger (kl. Bild) hat Gänsebrust gekauft. Einmal in Relzow und einmal bei Norma. Die Preisunterschiede lie&
Wolfgang Krüger (kl. Bild) hat Gänsebrust gekauft. Einmal in Relzow und einmal bei Norma. Die Preisunterschiede ließen ihn jedoch schlucken. Karsten Riemer
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Obwohl es sich um genau die gleiche Wurst handelt, ist der Preisunterschied erheblich. Karsten Riemer
Relzow.

Preisschwankungen bei Lebensmitteln in unterschiedlichen Verkaufsstellen sind Normalität. In den meisten Fällen unterscheiden sich identische Waren an der Kasse jedoch nur um wenige Cent. Doch für den Anklamer Wolfgang Krüger gab es beim Blick auf den Kassenzettel das böse Erwachen. Mit mehr als 100 Prozent Preissteigerung hatte er nicht gerechnet. „Ich habe nichts dagegen, wenn es 50 Cent mehr wären, aber 2,50 Euro sind ein bisschen hart“, sagt Wolfgang Krüger.

An einem Freitag war er nach Relzow gefahren, um seine Einkäufe im dortigen Werksverkauf der Anklamer Fleisch- und Wurstwaren GmbH zu erledigen. Neben Rehschinken und Jagdwurst des Anklamer Unternehmens entschied er sich für viermal Gänsebrust – geräuchert, gepökelt und als Aufschnitt in 80-Gramm-Packungen verschweißt. Der Preis pro Stück: 4,46 Euro. Die Hersteller der Wurstwaren sind jedoch nicht die Anklamer Fleischer. Auf Nordkurier-Nachfrage erklärt der Geschäftsführer der Anklamer Fleisch- und Wurstwaren GmbH, Jan Lange, dass es sich um zugekaufte Ware handelt. „Wir kaufen die Sonderprodukte ein, damit die Produktvielfalt gegeben ist“, sagt der Geschäftsführer.

Einige Tage nach dem Einkauf in Relzow machte sich Wolfgang Krüger erneut auf den Weg, dieses Mal zu Norma. Und auch hier fand er abgepackte Gänsebrust im Kühlregal – selbes Gewicht, selber Hersteller.

Geschäftsführer bezieht Ware über Zwischenhändler

Doch der Preis unterschied sich deutlich von dem Angebot in Relzow: 1,99 Euro kostete der Aufschnitt hier. Das ist nicht einmal die Hälfte von dem, was der Fleischereigroßbetrieb in Relzow verlangt hat. Dass es sich bei dem Preis im Norma um ein Sonderangebot handeln könnte, bestätigte sich indes nicht. Der Preisvergleich im Internet zeigt, dass die handelsüblichen Preise einer Packung des Produkts zwischen 1,79 Euro und 2,99 Euro angesetzt sind. Selbst das teuerste Angebot liegt demnach also noch deutlich unter dem im Relzower Werksverkauf.

Für Wolfgang Krüger war das ein Schock. Auch ein Gespräch mit den Verantwortlichen der Anklamer Fleisch- und Wurstwaren GmbH sei ernüchternd gewesen. Auf seine Frage nach dem Warum gab es nur ausweichende Antworten. „Ich möchte jetzt andere Kunden warnen, dass sie nicht nach Relzow gehen und überteuerte Ware kaufen“, so der Anklamer.

Doch woran liegt es nun, dass Gänsebrust in Relzow deutlich teurer ist als anderswo? Für Geschäftsführer Jan Lange eine klare Sache, die er nach eigenen Angaben auch bereits dem Kunden erklärt hat. Es liege an den Zwischenhändlern. „Die großen Ketten haben Verträge mit den Herstellern“, erklärt er. Durch die Abnahmemenge würde sich der Preis bestimmen. „Das ist ein wesentlicher Unterschied zu uns, denn ich kann gar nicht direkt beim Hersteller kaufen“, sagt Lange. Für den Anklamer Betrieb bleibt nur der Bezug über einen Zwischenhändler. „Jeder muss dann seine Kosten decken und ein bisschen was verdienen, schon ergibt sich ein höherer Preis“, sagt der Geschäftsführer. Mit den Discountern Netto oder Norma könne er also gar nicht mithalten. „Dafür habe ich andere Artikel, die ich günstiger verkaufen kann“, betont Lange.

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Kommentare (1)

Wer sagt denn dem Herrn Krüger, dass er an der Redoute einkaufen soll? Wenn ich im Restaurant für ein Wasser 3,60 € bezahle und gegenüber im Discounter kostet genau dieses Wasser nur 0,19 € , dann liegt doch die Entscheidung auch bei mir und ich kann dem Gastwirt das nicht vorwerfen, oder ist das dann auch Kundenabzocke? Dann müsste der Herr Krüger sich zum bestellten Menü mal eben eine Plasteflasche Wasser von gegenüber holen, wat für´n Quatsch ...