ANRUFERIN ZOCKT MANN AB

Wolgaster verliert 50.000 Euro an Trickbetrügerin

Erst baute sie Vertrauen zu ihm auf, dann schröpfte sie ihn: Eine Anruferin hat einen gutgläubigen 86-jährigen Wolgaster um ein Vermögen gebracht. Die Polizei warnt: Telefonbetrüger sind in diesen Tagen sehr aktiv.
Trickbetrüger sind im Bereich des Polizeipräsidiums Neubrandenburg dieser Tage wieder besonders aktiv.
Trickbetrüger sind im Bereich des Polizeipräsidiums Neubrandenburg dieser Tage wieder besonders aktiv. © highwaystarz - stock.adobe.com
Wolgast ·

Ein 86 Jahre alter Mann aus Wolgast hat an eine Betrügerin rund 50.000 Euro verloren. Die fremde Anruferin wusste offenbar, dass der Mann im Aktienhandel aktiv war, denn darauf baute das Telefongespräch auf. „Das zeigt erneut, wie professionell und bestens vorbereitet die Betrüger auftreten”, sagte am Donnerstag Claudia Tupeit vom Polizeipräsidium Neubrandenburg.

Nachdem die Betrügerin namens „Klara” über einen längeren Zeitraum Vertrauen zu dem Wolgaster aufgebaut hatte und es zunächst thematisch um Aktien und Co. gegangen war, hatte der Senior plötzlich Schwierigkeiten mit seinem Computer und dem Online-Banking. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Kontakten mit der Betrügerin und den technischen Problemen gibt, ermittelt die Polizei.

Er verkaufte sogar sein Auto, um ihr zu helfen

Die Anruferin bot dem Mann Hilfe an. Ab diesem Zeitpunkt wurde in mehreren Schritten Geld vom Konto des Wolgasters abgebucht. Zeitgleich gaukelte die Betrügerin ihrem Opfer vor, sie befinde sich privat in einer hilflosen Situation und benötige Geld. Der Mann half ihr bereitwillig und verkaufte sogar sein Auto. Den Erlös buchte sich die Fremde ebenfalls direkt von seinem Konto ab. Als dem Senior die Abbuchungen merkwürdig erschienen, ging er zur Polizei und erstattete Anzeige.

Neben dieser Form des Betruges, einer Mischung aus „Romance scamming” und „Tan-Betrug”, verzeichnete das Polizeipräsidium Neubrandenburg in seinem Zuständigkeitsbereich vermehrt Betrugsanrufe bei älteren Menschen. Aktuell sei glücklicherweise noch kein weiterer Schaden entstanden, sagte Claudia Tupeit.

Vor allem „Schockanrufe” häufen sich demnach: In Stretense (Landkreis Vorpommern-Greifswald) erzählte ein Anrufer einem älteren Ehepaar (80+), der Sohn habe einen Unfall gehabt, sei deshalb in Haft und benötige dringend 20.000 Euro für die Kaution. Das Ehepaar war zwar zunächst verunsichert und verängstigt, reagierte aber letztlich besonnen und rief den Sohn an. So kamen die Senioren dem Betrüger auf die Schliche und meldeten den Vorfall der Polizei.

Schockanruf auch in Groß Miltzow

Ähnliches widerfuhr auch einer 80-Jährigen aus Groß Miltzow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte): Ein Anrufer teilte ihr mit, ihre Enkelin habe einen tödlichen Unfall verursacht und brauche nun dringend 25.000 Euro. Die Frau legte auf.

„Wir warnen eindringlich davor, Kontodaten oder Zugänge zu Online-Zahlverfahren gegenüber Dritten preiszugeben – auch wenn diese vertraut wirken oder sich als Mitarbeiter einer Bank oder Computerservice-Firma ausgeben”, sagte Polizeisprecherin Tupeit. Bei Zweifeln bezüglich der Echtheit von Anrufen – ob nun angeblich im Gefängnis sitzende Familienangehörige, Gewinnspielversprechen, bei denen man in Vorkasse gehen soll, bei vermeintlich gehackten PCs oder angeblichen Kontoproblemen rät die Sprecherin: „Informieren Sie die Polizei, kontaktieren Sie den angeblich in Not befindlichen Familienangehörigen, die angeblich anrufende Firma unter einer selbst herausgesuchten Telefonnummer beziehungsweise kontaktieren Sie Ihre Hausbank.”

Zudem könnte auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, sein Festnetztelefon komplett abzumelden und auf ein Handy umzusteigen. „In den meisten Fällen suchen sich die Betrüger ihre Opfer durch die Eintragungen im Telefonbuch heraus.”

Die Polizei appellierte an jüngere Angehörige: „Thematisieren Sie Betrugsmaschen und Möglichkeiten, entsprechend zu reagieren, mit älteren Familienmitgliedern.”

 

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