30 JAHRE DEUTSCHE EINHEIT

„Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für die erbrachten Leistungen”

Zum 30. Jubiläum der Deutschen Einheit stellen wir junge Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern vor. Heute: Katharina Horn, die sich für die Grünen im Land stark macht.
Katharina Horn ist Sprecherin der Grünen Jugend Mecklenburg-Vorpommern. Sie absolviert derzeit eine Ausbildung zur Bootsb
Katharina Horn ist Sprecherin der Grünen Jugend Mecklenburg-Vorpommern. Sie absolviert derzeit eine Ausbildung zur Bootsbauerin. privat/Nordkurier
Greifswald ·

Katharina Horn ist Sprecherin der Grünen Jugend Mecklenburg-Vorpommern. Die 22-Jährige hat 2016 in Gifhorn (Niedersachsen) ihr Abitur gemacht und absolviert derzeit in Greifswald eine Ausbildung zur Bootsbauerin. Zudem ist sie Mitglied der Greifswalder Bürgerschaft und vertritt die Gründe Jugend MV als Delegierte im Landesvorstand der Altgrünen.

Hier beantwortet sie unsere Fragen zum Tag der Deutschen Einheit.

Erkennt man heute noch, ob ein junger Mensch aus dem Osten oder Westen kommt?

Nein. Auf jeden Fall nicht auf den ersten Blick. Wenn jemand zum Beispiel krass schwäbelt, dann schon. Ich denke, dass es eher eine Rolle spielt, wo die eigenen Eltern und Großeltern herkommen. Denn wenn diese in einem anderen politischen System aufgewachsen sind oder gelebt haben, dann prägt das natürlich auch die nächste Generation.

30 Jahre Deutsche Einheit: Habt ihr das Gefühl, in einem vereinigten Deutschland zu leben?

Auf jeden Fall. Nicht nur in einem vereinigten Deutschland, sondern auch in einem vereinigten Europa. Natürlich gibt es noch Ungleichheiten. Ich finde, Unterschiede muss man aushalten können. Das gilt aber auf keinen Fall für die Angleichung des Lohn- und Rentenniveaus. Warum ein Hafenlogistiker in Rostock deutlich weniger verdient als einer in Cuxhaven, das entbehrt jeder Logik.

Hattet ihr schon gegen Vorurteile anzukämpfen, weil ihr aus dem Osten bzw. Westen kommt? Welche Vorurteile waren das?

Ja.

  • „Kein Internet.” – Das stimmt meistens.
  • „Da sind alle radikal.” – Das kann ich nachvollziehen, wenn man mal schaut, wie stark die Linke und die AfD im Vergleich in den alten Bundesländern sind.
  • „Alles so abgeschnitten.” – Es fährt doch alle zwei Stunden ein Zug?
  • „Alle Ossis sind Nazis.” – Das tut besonders weh, wenn man sich für eine offene und bunte Gesellschaft einsetzt und täglich erlebt, dass man damit auch überhaupt nicht alleine ist.

Was müsste sich verändern, damit sich Ost und West noch mehr annähern?

Ich wünsche mir mehr Akzeptanz für die in den Wendejahren erbrachten Leistungen. In den alten Bundesländern sind solche Brüche in Biografien wesentlich seltener. Ich habe den Eindruck, viele verstehen gar nicht und wollen auch gar nicht verstehen, was das für weite Teile der Menschen hier bedeutet. Ich hoffe, dass wir dieses Jubiläum auch als Chance begreifen. Dabei können und müssen wir einerseits klar benennen, was 1990 falsch gelaufen ist. Beispielsweise wäre eine echte gemeinsame Verfassung, die in einem breiten diskursiven Prozess entsteht, wichtig gewesen. Andererseits haben wir jetzt auch die Freiheit, zu schauen, was lief gut und warum wir das heute nicht genauso machen. Ich denke dabei zum Beispiel an Polikliniken, die wir heute kommunale Ärztehäuser nennen und diese als Innovation feiern.

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