Vermisster Rentner

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Angehörige beklagen "katastrophale" Suche der Polizei

Der 76-jährige Wolfgang Prasdorf ist zwischen 170 und 175 Zentimeter groß, trägt kurze graue Haare und einen Dreitagebart.
Der 76-jährige Wolfgang Prasdorf ist zwischen 170 und 175 Zentimeter groß, trägt kurze graue Haare und einen Dreitagebart.
Polizei Anklam/NK

Vor zwei Wochen verschwand Wolfgang Prasdorf aus dem Pflegeheim in Ducherow. Obwohl Suchhunde und Hubschrauber eingesetzt wurden, konnte die Polizei den 76-Jährigen bisher nicht finden. Jetzt melden sich die Angehörigen zu Wort und kritisieren die Polizeimaßnahmen.

Trauer und Wut bestimmten derzeit das Leben der Eheleute Claudia und Heiko Zilske in Alt Kosenow. Am Mittwoch, den 8. August, klingelte abends um halb neun das Telefon. Das Pflegeheim in Ducherow, in dem der Großvater von Claudia Zilske untergebracht war, meldete sich. Wolfgang Prasdorf war kurz nach seinem Einzug verschwunden.

Bereits am selben Abend hatten Einsatzkräfte der Polizei die Suche aufgenommen. „Die gesamte Suche verlief katastrophal“, sagt Heiko Zilske enttäuscht. Der 45-Jährige ist als amtlicher Betreuer von Wolfgang Prasdorf eingesetzt. „Drei Polizisten und ein Hubschrauber waren unterwegs“, so Zilske. Später sei noch ein Hund dazugekommen. „Es wurde sich voll auf den Hubschrauber versteift, die hätten viel mehr machen müssen“, sagt er ärgerlich. Vor allem die vermeintlich geringe Anzahl von Polizeikräften stört ihn: „Es gab keine Hundertschaften im Einsatz, so wie man es erwartet hätte.“

Schlechte Zusammenarbeit mit der Polizei

Trotz des wiederholten Einsatzes von Spürhunden brachte auch die erweiterte Suche in den folgenden Tagen keinen Erfolg. „Die haben Mittel für die Suchhunde eingesetzt, die er nie wirklich benutzt hat“, erklärt er. Vor seinem Verschwinden aus dem Pflegeheim waren nahezu sämtliche Besitztümer von Wolfgang Prasdorf bei einem Wohnungsbrand den Flammen zum Opfer gefallen. „Wir haben ihm neue Sachen gekauft“, so Zilske. „Aber wir haben auch noch ein paar alte Kleidungsstücke von ihm hier“, fügt er an. Danach gefragt habe die Polizei allerdings nicht.

Allgemein war der Kontakt zur Polizei nach Angaben des Ehepaares eher spärlich. „Informationen haben wir nur per Telefon bekommen“, sagt Zilske. „Die Einsatzkräfte waren nicht ein Mal hier bei uns“, fügt er verständnislos an. Auch bei Enkelin Claudia Zilske ist die Verärgerung über die missglückte Kommunikation groß. „Wenn wir nicht angerufen hätten, hätten wir nicht erfahren, dass die Suche eingestellt wird“, sagt sie mit Tränen in den Augen.

Feuerwehr stand bereit – wurde aber nicht angefragt

Eine intensivere Suche hätten sich die Eheleute gewünscht. „Das Maisfeld in der Nähe des Pflegeheims in Richtung Busow ist nicht all zu hoch dieses Jahr. Das hätte man noch absuchen können“, so Heiko Zilske. Von Freunden aus der Freiwilligen Feuerwehr weiß Zilske, dass diese einsatzbereit waren. „Als Unterstützung für die Suche wurden sie aber nicht angefragt“, gibt er an. Sogar mit seinen eigenen Hunden war er tagelang unterwegs, um den Vermissten zu suchen. „In manchen Nächten habe ich kaum geschlafen“, sagt er. „Da war ich nur mal kurz zum Essen und Umziehen zu Hause“, fügt er an.

Auch für die Polizeiinspektion Anklam ist das Suchergebnis bitter. „Das ist für keine Seite befriedigend und es ist nachvollziehbar, dass es Fragen gibt“, so Pressesprecher Axel Falkenberg. Dennoch seien die Maßnahmen irgendwann ausgeschöpft.

Familie hofft weiter auf ein Finden des Vermissten

Eine entsprechende Trauerbewältigung ist in so einer Situation zusätzlich schwierig. „Wir sitzen und hoffen, dass ihn jemand findet. Das ist eine große Belastung“, sagt Claudia Zilske. „Und auch für die Kinder wäre es schön, sich verabschieden zu können“, fügt sie an.

Aus diesem Grund bittet die Familie weiterhin darum, die Augen nach dem Vermissten offen zu halten. Der 76-Jährige ist zwischen 170 und 175 Zentimeter groß, trägt kurze graue Haare und einen Dreitagebart. Bekleidet ist er vermutlich mit Hausschuhen, einer silbergrauen Jogginghose und einem weißen T-Shirt. Erkennbar ist der vermutlich orientierungslose Mann an dem leicht gebeugten Gang und einem Hinken mit dem rechten Bein. Hinweise zu seinem Aufenthaltsort nimmt die Polizeiinspektion Anklam unter der Nummer 03971 2510 entgegen. „Wir können sonst keinen Schlussstrich ziehen“, sagt Heiko Zilske betrübt.