Zivilcourage geehrt
Zeugen sind für die Polizei unentbehrlich

Gunnar Mächler, Leiter der Polizeiinspektion Anklam (Vierter von links), bedankte sich am Freitag bei den engagierten Helfern aus Vorpommern.
Gunnar Mächler, Leiter der Polizeiinspektion Anklam (Vierter von links), bedankte sich am Freitag bei den engagierten Helfern aus Vorpommern.
Anne-Marie Maaß

Manchmal ist es ein Anruf, Zweifeln im richtigen Augenblick oder sogar mutiges tatkräftiges Eingreifen: All das kann ein Verbrechen verhindern. Einmal im Jahr ehrt die Polizei deshalb Menschen, die nicht wegschauen.

Zivilcourage bedeute nicht, dass der Superheld des Jahres gesucht werde, verdeutlichte Gunnar Mächler, Leiter der Polizeiinspektion Anklam, gleich am Anfang der Veranstaltung im Anklamer Polizeigebäude am Freitag. Und doch ging es dort um Menschen, die sich im vergangenen Jahr auf die eine oder andere Weise herausragend für ihre Mitmenschen eingesetzt haben, um Schlimmeres zu verhindern oder Verbrechen aufzuklären. Wie weit jeder Einzelne persönlich gehen kann, liege dabei ganz im eigenen Ermessen, so Mächler.

Vor Betrug bewahrt

In Torgelow und Greifswald halfen pfiffige Verkäuferinnen durch ihre Aufmerksamkeit, Senioren vor einem Betrug zu bewahren. In beiden Fällen wollten eine ältere Dame und ein Herr Gutscheinkarten für die Internetplattform Steam im Wert von mehreren Hundert Euro erwerben. Erst nachdem Verkäuferin Christina Hesse mehrmals die Kundin befragt hatte, was sie mit den Karten überhaupt wolle, rückte diese mit einem angeblichen Gewinn heraus, der ihr am Telefon angekündigt worden war, für den sie allerdings nur eine vergleichsweise geringe Gegenleistung erbringen solle. Die Mitarbeiterin rief die Polizei und bewahrten die Dame vor Schlimmeren.

„Wir werden über solche Fälle regelmäßig informiert, richtig miterlebt habe ich mit meinen Kollegen so einen Vorfall aber zum ersten Mal“, sagt Hesse, die aus Stretense bei Anklam stammt. Nahezu identisch spielte sich der Fall auch in Torgelow ab. Dort rettete Verkäuferin Silvana Wölki einen älteren Herrn vor dem drohenden Betrug.

Trucker mit zwei Promille

Lebensgefährlich hätte es sogar im Fall von Frank Behm werden können, wenn er und ein anderer Autofahrer aus der Nähe von Berlin nicht gehandelt hätten. Beide waren im Januar vor gut einem Jahr zwischen Ferdinandshof und Jatznick auf der B109 unterwegs, als ihnen ein Lkw auffiel, der Schlangenlinien fuhr. Der Autofahrer vor Behm reagierte prompt, überholte und bremste den Lkw aus. Anschließend sicherten beide Männer die Straße, hielten den Lkw-Fahrer fest und riefen die Polizei. Das Fazit: Er war mit fast zwei Promille unterwegs. Der Pasewalker Retter ist allein von dieser Tatsache noch heute erschüttert. Ein echter Lebensretter ist auch ein junger Mann aus Zinnowitz, er bewahrte ebenso einen stark alkoholisierten Mann vielleicht sogar vor dem Tod, als er ihn aus der Ostsee zog.

Exemplarisch für die kleinen Hilfen mit großer Wirkung steht ein Fall aus Greifswald. Dort wurde im Februar ein älterer, orientierungsloser Herr vermisst. Pflegedienstmitarbeiterin Doris Knappe erkannte ihn aufgrund der Beschreibung im Radio. Sie hielt mit ihrem Dienstwagen an, holte ihn ins warme Auto und rief die Polizei.

Achtsame Nachbarin klärt Einbruchsserie

Nicht nur in solchen Situationen sei für die Arbeit der Polizei bis heute die Aussagen und das Handeln von Zeugen unerlässlich, so Mächler. In Pasewalk war es im vergangenen Jahr etwa einer achtsamen Nachbarin zu verdanken, dass eine ganze Einbruchsserie aufgeklärt werden konnte. In Greifswald brachte eine Studentin einen Ladendieb zu Fall, indem sie dem Fliehenden ein Bein stellte, und sorgte so dafür, dass die Beamten auch ihn erwischen konnten. Auch diese beiden mutigen Frauen wurden am Freitag nun ausgezeichnet.