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Johannes Arlt: „Die Zukunft sicher machen – das ist mein Leitmotiv"

Johannes Arlt (SPD) möchte für die Menschen im Wahlkreis Seenplatte/Rostock in den Bundestag. Im Gespräch nennt er die Herausforderungen, Wünsche und Chancen im Land.
Johannes Arlt: "Ich denke, dass unsere Region eine Chance hat, keine schrumpfende, sondern eine wachsende Region zu werden. An dieser Vision möchte ich in Berlin arbeiten."
Johannes Arlt: "Ich denke, dass unsere Region eine Chance hat, keine schrumpfende, sondern eine wachsende Region zu werden. An dieser Vision möchte ich in Berlin arbeiten." Christina Ohmann
Johannes Arlt: "Ich möchte Politik nahbarer machen und so viel wie möglich vor Ort sein und wissen, was los ist – ob im Kuhstall oder beim digitalen Start-up."
Johannes Arlt: "Ich möchte Politik nahbarer machen und so viel wie möglich vor Ort sein und wissen, was los ist – ob im Kuhstall oder beim digitalen Start-up." Christina Ohmann
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Sie kandidieren für den flächenmäßig größten aller Wahlkreise in Deutschland, dem Wahlkreis 17 Mecklenburgische Seenplatte II – Landkreis Rostock III. Welche Chancen, aber auch Herausforderungen gibt es da?

Der Wahlkreis ist das Herz von Mecklenburg-Vorpommern. Darin sind der mecklenburgische und der vorpommersche Landesteil vereint. Besonders schön finde ich auch die Natur und die gute Lage beider Landkreise. Ein großes Plus sehe ich darin, dass man von jedem Punkt aus innerhalb von zwei Stunden nach Berlin oder Hamburg gelangt. Darin steckt viel Potenzial.

Eine Herausforderung ist die schiere Zahl der Gemeinden und Städte. Im Wahlkreis 17 sind es 184 Städte und Gemeinden. Diese bestehen aus insgesamt etwa 700 Dörfern.

Wie möchten Sie den Wahlkreis im Deutschen Bundestag vertreten? Warum stellen Sie sich zur Wahl?

Ich möchte Politik nahbarer machen und so viel wie möglich vor Ort sein und wissen, was los ist – ob im Kuhstall oder beim digitalen Start-up. Man darf nicht zu bequem sein, sich zu bücken, um Vorhaben zu realisieren.

Ich wäre sozusagen als „Klassensprecher“ in Berlin, der sich zum Beispiel dafür einsetzt, dass Förderprogramme schnell den Gemeinden mitgeteilt werden, um Projekte vor Ort zu ermöglichen. Die Bundes- und Kommunalebene müssen miteinander reden. Ich denke, dass unsere Region eine Chance hat, keine schrumpfende, sondern eine wachsende Region zu werden. An dieser Vision möchte ich in Berlin arbeiten.

Mit Ihrer Aktion „Grill den Arlt" laden Sie die Menschen vor Ort ein, bei einer Bratwurst ins Gespräch zu kommen. Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Die Aktion hat bisher nur wenige Male stattgefunden. Aber ich bin seit Mai dieses Jahres im Land unterwegs und komme manchmal mit 100 Menschen am Tag ins Gespräch. Da sind dann Leute dabei, deren Rente nach 45 Berufsjahren nicht zum Leben ausreicht; andere müssen auf einen Birnenbaum steigen, um einen Balken Telefonsignal zu erhaschen. Oder sie sind auf einen Bus angewiesen, der nur zweimal in der Woche fährt. Damit sind junge und alte Leute eingesperrt, die Ansiedlung junger Familien und Entwicklung von Dörfern fast unmöglich. Für das 21. Jahrhundert gibt es andere Lösungen. Für Mobilfunk und mobiles Breitband habe ich bereits Pläne in der Schublade. Man muss die Initiative dann ergreifen, wenn es Fördermittel oder Unterstützung gibt.

Decken sich die Sorgen der Menschen aus Krakow am See, dem Demminer Land, Neustrelitz oder aus dem Bützower Land?

Auf ländlicher und städtischer Ebene gibt es Unterschiede. Fehlendes Internet, ein Nahverkehr, der nicht funktioniert und fehlende Nahversorgung – das sind die Probleme auf dem Land. In der Stadt gehen die Gedanken eher in Richtung Wirtschaftsförderung: die Ansiedlung neuer Unternehmen und Gewerbe oder die Bereitstellung von genügend Baugrundstücken. Je westlicher, desto besser sind die Kommunen in MV ausgestattet.

Motivierte Bürgermeister auf dem Land, die ihre Gemeinde in die Zukunft führen möchten, können das nicht allein stemmen. Sie benötigen Unterstützung und Vernetzung untereinander und nach oben. Ich will mich in Berlin mit Biss, Durchsetzungsvermögen und Überzeugungskraft für meine Heimat einsetzen.

Sie sind Politiker, Luftwaffen-Offizier und Violinist. Wie passt das zusammen?

Ich bin ein Mensch, der viele Facetten hat. Mit vier Jahren habe ich Geige gelernt, wollte viele Jahre auch Musiker werden. Mit zehn oder elf Jahren habe ich angefangen, mich für Politik zu interessieren und bin mit 16 in die SPD eingetreten. Im Berufsleben bin ich Offizier mit Verantwortung. Das heißt, ich habe gelernt, flexibel, problem- und zielorientiert zu arbeiten und Personalverantwortung zu tragen. Außerdem habe ich mit 19 Jahren meine erste eigene Firma gegründet und diese zwölf Jahre als Geschäftsführer geleitet. Ich probiere gern Dinge aus und hole dann das Maximale aus diesen Dingen heraus.

Während Ihrer sieben Auslandseinsätze bei der Bundeswehr waren Sie auch in Afghanistan stationiert. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage dort?

Für mich persönlich ist die aktuelle Lage enttäuschend und nur schwer zu ertragen. Frieden und Demokratie zu bringen, ist gescheitert. Viele Steuergelder wurden verpulvert. Ich war viermal dort, habe im Jahr 2010 Gefallene zu Grabe tragen müssen.

Jedoch wurde dort innerhalb der vergangenen 20 Jahre eine Generation Menschen geboren, die gelernt hat, was Freiheit ist oder dass Frauen eine Ausbildung machen dürfen. Meine Hoffnung ist es, dass diese Generation stark genug ist, sich nicht alles gefallen zu lassen und ihre Freiheit zurückzuerobern.

Sie sind Experte zum Thema „europäische Sicherheitspolitik", haben in München, Wien und Stockholm studiert. Inwiefern fließen diese Erfahrungen in Ihre politische Arbeit in der Heimat ein?

Es ist der Blick von außen, der mir in meiner Arbeit wichtig ist. Ich habe zwei Jahre lang aus beruflichen Gründen in Schweden gelebt. Das Land ist noch weniger besiedelt als Mecklenburg-Vorpommern. Die Schweden nehmen Sicherheitsfragen viel ernster, dort funktioniert der Katastrophen- und Bevölkerungsschutz. Da kann Deutschland sich etwas abgucken. Gerade in Krisenfällen, wie jüngst die Flutkatastrophe im Westen Deutschlands, sind ein funktionierender Katastrophenschutz und die Unterstützung des Staates unerlässlich.

Ihnen sind Gerechtigkeit, Heimat und Sicherheit wichtig. Warum?

„Die Zukunft sicher machen“ – das ist mein Leitmotiv. Ich möchte ein modernes Deutschland und sicherstellen, alle Menschen in die Zukunft mitzunehmen. Und hierfür sind mir die drei Themen wichtig.

Gerechtigkeit meint gute und faire Arbeitsbedingungen und im Alter ein sorgenfreies Auskommen. Stichwort Ostbiografien. Das war für Menschen nach der Wende eine riesige Umstellung. Ebenso stehe ich für eine faktische Gleichstellung von Männern und Frauen.

Gerechtigkeit bedeutet für mich auch, dass Regionen in Bezug auf medizinische Versorgung, Kitas und Schulen nicht abgehängt werden dürfen. Zur Gerechtigkeit zähle ich auch eine solidarische Krankenversicherung und die Erhöhung des Kindergeldes. Die Schulbildung ist mir wichtig. Mein Ziel ist es, dass der Bund die Länder hier unterstützt, so dass jeder Schüler ein digitales Endgerät bekommt und eine kostenlose gesunde Mittagsmahlzeit in der Schule erhält.

Wir brauchen Sicherheit, die uns den Rücken stärkt und einsatzbereite Streitkräfte. Die Sicherheit hat Dimensionen von lokal bis global und bezieht sich nicht nur auf Bedrohungen, sondern auch auf den Naturschutz und Nachhaltigkeit.

Heimat heißt für mich persönlich, zu den eigenen Wurzeln zurückzukehren. Uns alle hier verbindet die Weite unseres Landes, die Natur, Alleen, Seen, aber auch Kultur und bürgerliches Engagement der Menschen. Politisch verbinde ich damit meine Vorstellungen von Gerechtigkeit und Sicherheit. Das ist die Grundlage, um die Potenziale unserer Heimat entwickeln zu können.

Wann und warum sind Sie in die SPD eingetreten?

Mit 14 und 15 Jahren war ich Schülersprecher. Da habe ich gelernt: Wer meckert muss auch handeln. Ich bin mit 16 Jahren in die SPD eingetreten, eine Partei, die auch mein Vater in der DDR mitgegründet hat. Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Für diese Grundwerte, die auch unser Land prägen, dafür stehe ich ein.

Wer wird der nächste Bundeskanzler?

Olaf Scholz. Er ist jemand, der sein Handwerk versteht. Jemand, der politische Ziele in Handlungen umsetzen kann. Ich sehe Olaf Scholz als jemanden, der das Schiff sicher in den Hafen steuert.

Zur Person:

Johannes Arlt, 37, ist Offizier bei der Bundeswehr und in Neustrelitz aufgewachsen. In München und Wien hat er Staatswissenschaften studiert und in Stockholm Defense Studies. Seit 2000 ist er Mitglied in der SPD. Johannes Arlt ist verheiratet, wohnt in Neustrelitz. Er ist Hobbykoch, Läufer und Skandinavien-Fan.

Das Interview führte Teske-Mbalisike Verena.

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