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Auch der blonde Lausebengel wird älter

Ein Blondschopf, der es faustdick hinter den Ohren hat: Jan Olson (rechts) spielte in den Buchverfilmungen von Astrid Lindgren (Mitte) den Michel aus Lönneberga. Michels Schwester Ida wurde von Lena Wisborg gespielt. [KT_CREDIT] Foto: Archiv [/KT_CREDIT]

Von Astrid Lindgrens unsterblichen Kinderbuch-Helden feiert ihr eigener Liebling jetzt einen runden Geburtstag. Michel aus Lönneberga, der im Schwedischen ...

Von Astrid Lindgrens unsterblichen Kinderbuch-Helden feiert ihr eigener Liebling jetzt einen runden Geburtstag. Michel aus Lönneberga, der im Schwedischen Original Emil heißt, wird am 23. Mai 50. „Von all den Figuren ist es ihr bei Michel am schwersten gefallen, sich von ihm zu trennen, als die Geschichte fertig war“, sagt die Lindgren-Tochter Karin Nyman (79) zum Jubiläum des blonden Lausbuben. Als ihre Mutter die Michel-Bücher schrieb, konnte sie wieder in ihrer eigenen Kindheit und ihrem Dorf leben, sagt Nyman und fährt fort: „Es hat ihr viel Spaß gemacht in dieser Umgebung und deshalb ist Michel so eine Lieblingsfigur geworden.“ Schon beim Schreiben las sie die Geschichten ihrem Vater vor. Der habe dann Fehler, wie etwa den Preis der Milch,
ausbessern können, erzählt die Tochter.

Nyman erinnert sich, wie die Michel-Geschichten für sie zum ersten Mal „aufpoppten“. Bei einem Besuch in Lindgrens Ferienhaus in Furusund nördlich von Stockholm im August 1962 habe ihr eigener dreijähriger Sohn mal fürchterlich geweint. Bis er ruhig wurde, als die Großmutter ihn plötzlich fragte: „Weißt du eigentlich, was Michel aus Lönneberga mal gemacht hat?“ Da musste der Junge einfach aufhören mit dem Schreien, weil er sonst nie erfahren hätte, was Michel aus Lönneberga einst angestellt hat.

Dieser kleine Trick habe oft funktioniert, erzählt Nyman beim Gespräch in der Wohnung ihrer Mutter. Lindgren lebte dort in der Dalagatan 46 von 1941 bis zu ihrem Tod im Alter von 94 Jahren 2002. Das Jubiläum der Michel-Bücher wurde auf den Tag gesetzt, als Astrid Lindgren in ihrem Tagebuch notierte, dass sie nun die ersten Worte über Michel aus Lönneberga geschrieben habe.

Die Michel-Serie ist in 52 Sprachen übersetzt und vor allem in Deutschland sowie den skandinavischen Ländern ungeheuer beliebt. Zuletzt gab es Übersetzungen auch für Vietnam, Südkorea und China. „Michel ist eine zeitlose Figur“, sagt Ann Sköld Nilsson vom schwedischen Lindgren-Verlag Raben&Sjögren. Der Junge sei „frohgemut, unbezwingbar, geistreich und mit viel Einfühlungsvermögen ausgestattet“ Und: „Er merkt selbst erst nach seinen Streichen, dass es welche waren. Vorher hat er nur die besten Absichten gehabt.“

Zum 50. Geburtstag der Reihe gibt es überall Neu-Ausgaben der Michel-Bände, so auch beim deutschen Oetinger Verlag. In Lindgrens Kindheits-Haus in Näs bei Vimmerby wird die Entstehungsgeschichte der Serie in einer Ausstellung dargestellt. Im Juni kommt dann eine neue Zeichentrick-Version von Michel-Geschichten heraus.