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Auch Wirtschaft ist gegen längeren Betrieb in Tegel

Flughafenchef Hartmut Mehdorn unterhält sich mit dem Bürgermeister von Schönefeld, Udo Haase, während einer Besichtigung des BER.

In der Debatte um einen Weiterbetrieb des Berliner Flughafens Tegel spricht sich die Wirtschaft gegen eine Verlängerung aus. Der Planfeststellungsbeschluss ...

In der Debatte um einen Weiterbetrieb des Berliner Flughafens Tegel spricht sich die Wirtschaft gegen eine Verlängerung aus. Der Planfeststellungsbeschluss ermögliche, den Altflughafen nach dem Start des neuen Hauptstadtflughafens noch bis zu sechs Monate zu betreiben, erklärte die Industrie- und Handelskammer. „Daran muss festgehalten werden“, so Vize-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter. „Alle juristischen Winkelzüge für einen darüber hinausgehenden Weiterbetrieb verunsichern die Menschen im Norden Berlins.“ Sie gefährdeten zudem den geplanten Forschungs- und Industriepark auf dem Areal. Wiesenhütter rief dazu auf, Flughafenchef Hartmut Mehdorn bis zum Herbst Zeit zu geben, um ein Konzept für die Inbetriebnahme des Neubaus zu erarbeiten.

Im Streit um den Schallschutz setzt Mehdorn nach dem Treffen mit Bürgermeistern aus dem Umland des neuen Hauptstadtairports auf weitere Zusammenkünfte. „Wir werden den Dialog jetzt fortsetzen“, ließ Mehdorn am Freitag mitteilen. Der Flughafenchef hatte bei dem Treffen am Donnerstagabend nach Teilnehmerangaben sein Unverständnis darüber bekräftigt, dass das Oberverwaltungsgericht den Flughafen zu strengeren Schallschutzauflagen verpflichtet hat.

Problematisch sei, dass nun bis zu 80 Prozent der Haushalte Anspruch auf Entschädigungen hätten, die sie nicht für den Schallschutz ausgeben müssten. „Wir wollen aber Schallschutz leisten, und das müssen wir jetzt gemeinsam angehen“, habe Mehdorn gesagt. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, der Flughafen wolle gegen das Urteil vorgehen.

Mehdorn will sich an das Schallschutz-Urteil halten

Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos) sagte nach dem Treffen mit Mehdorn, der Flughafenchef habe deutlich gemacht, dass er sich an das Schallschutz-Urteil halten werde. „Das hat uns allen gut getan.“ Das Gespräch mit Mehdorn sei sachlich und offen gewesen, sagte Bürgermeister Haase.

Mehdorn hatte zuvor den Gesellschaftern des Flughafens – Berlin, Brandenburg und der Bund – vorgeworfen, zu viele öffentliche Diskussionen zur Zukunft des Projekts anzustoßen. „Die einzige, die hier nicht draußen redet, ist die Geschäftsführung“, sagte Mehdorn. Der Bund und Berlin sahen nach eigenen Angaben keinen Grund, auf Mehdorns Vorwurf öffentlich zu reagieren. Aus der Potsdamer Staatskanzlei hieß es, die Position des Ministerpräsidenten und Aufsichtsratschefs Matthias Platzeck (SPD) sei bekannt. Dieser hatte in einem Interview Mehdorns Kurs im Wesentlichen gestützt, das Projekt nach vier geplatzten Eröffnungsterminen tabulos und ohne Denkverbote anzugehen.

Brandenburgs Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider (SPD) teilte mit: „Losgelöst von allen tagesaktuellen Debatten und Aufregungen: Wir sind mit dem Flughafen auf einem gutem Weg.“