Kurioses Verkehrsschild

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Achtung, freilaufende Smombies!

Ein Schild in Reutlingen warnt an einer Straße neben einer Schule vor "Smombies".
Ein Schild in Reutlingen warnt an einer Straße neben einer Schule vor „Smombies”.
Christoph Schmidt

Es ist das zurzeit berühmteste Verkehrsschild Deutschlands, das im schwäbischen Reutlingen vor Smartphone-Junkies warnt. Doch der Hintergrund ist ernst.

Ein schlichtes Verkehrsschild hat in Reutlingen (Baden-Württemberg) eine große Aufregung verursacht. Das dreieckige Schild mit dem roten Rand warnt allerdings nicht wie üblich vor Rehen, scharfen Kurven oder einer verengten Fahrbahn. Stattdessen sind darauf Fussgänger-Weiblein und -Männlein zu sehen, wie sie den Kopf nach vorne gebeugt haben, den Blick aufs Handy gerichtet. Die Botschaft ist klar: Achtung, hier kann es Smombies geben!

Als Smombies (Abkürzung von „Smartphone-Zombies”) werden scherzhaft Leute bezeichnet, die im Gehen auf ihr Smartphone schauen und somit kaum bis gar nicht mitbekommen, was um sie herum passiert. Und weil das gerade im Straßenverkehr höchst gefährlich sein kann, hat ein Unbekannter das Schild in der Nähe eines Gymnasiums in Reutlingen aufgestellt. Gültig ist es allerdings nicht, deshalb soll es auch bald wieder entfernt werden.

Mehr Verkehrstote durch Ablenkung als durch Alkohol

Doch die Schilder-Aktion hat einen sehr ernsten Hintergrund. „Zwei Drittel aller Fußgänger rennen mit dem Smartphone rum und sind dadurch abgelenkt und nicht mehr aufmerksam im Straßenverkehr”, sagt Julia Fohmann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat bei N-TV. Viele seien bereits in eine brenzlige Situation geraten, weil sie zu spät reagiert oder andere übersehen hatten. Das Unfallrisiko habe aus diesem Grund in den vergangenen Jahren stark zugenommen, heißt es von dem Verein.

Das Smartphone ist längst ein äußerst gefährlicher Begleiter im Straßenverkehr geworden. Mittlerweile sterben mehr Autofahrer durch die Ablenkung des Handys als durch Alkohol, schätzten Experten in einem Beitrag der Wochenzeitung „Die Zeit”. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil das Smartphone in Deutschland noch nicht als offizielle Unfallursache in die Statistik einfließen kann.

Nicht immer muss es sich dabei jedoch um optische Ablenkung handeln. In Neubrandenburg war im Januar ein 18-Jähriger an einem unbeschrankten Bahnübergang gestorben. Er hatte sogenannte In-Ear-Kopfhörer getragen, die sehr klein sind, tief im Ohr sitzen und Lärm von außen besonders gut dämmen. Der Radfahrer hatte laut Polizeiangaben den Zug nicht kommen gehört.