Finten, Tricks, Lügen

Als DDR-Staatschef Ulbricht zum Niemand wurde

Mit einer Aussage zur Mauer täuschte DDR-Staatschef Walter Ulbricht die Welt vor 60 Jahren. Er steht damit in einer unrühmlichen Tradition.
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Erich Mielke (links) und Erich Honecker sahen den Mauerbau als Rettungstat und Beitrag zum Sieg des DDR-Sozialismus.
Erich Mielke (links) und Erich Honecker sahen den Mauerbau als Rettungstat und Beitrag zum Sieg des DDR-Sozialismus. EPA/HO
An der Sektorensperre in der Bernauer Straße im August 1961: Am 13. August 1961 wurde dann die Mauer in Berlin gebaut.
An der Sektorensperre in der Bernauer Straße im August 1961: Am 13. August 1961 wurde dann die Mauer in Berlin gebaut. DB dpa
Wilhelm II. und seine Generale: Der Erste Weltkrieg war auch ein Krieg der Bilder und Worte, der Lügen und Verleumdungen.
Wilhelm II. und seine Generale: Der Erste Weltkrieg war auch ein Krieg der Bilder und Worte, der Lügen und Verleumdungen. Archiv
Berlin

Angesichts der massiven Fluchtbewegung aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in die Bundesrepublik Deutschland lag der Mauerbau vor 60 Jahren in der Luft. Insgeheim liefen schon Vorbereitungen zum Abriegeln von Ost- gegen Westberlin und an der innerdeutschen Grenze.

Die Frage war im Sommer 1961, wie lange die SED-Partei- und Staatsführung und die Sowjetunion den Abwanderungen noch untätig zuschauen wollten. Auf die Idee, Dampf aus dem Kessel zu nehmen, indem wahrhaft demokratische Zustände hergestellt, die Lebenslage der Bevölkerung verbessert und der politische Druck von einigen Bevölkerungsschichten genommen würde, kamen Walter Ulbricht (1893-1973) und seine Genossen nicht.

Berühmt-berüchtigt wurde die Antwort Walter Ulbrichts am 15. Juni 1961 in einer Pressekonferenz, als eine westliche Korrespondentin fragte, ob der Bau einer „Mauer“ bevorstehe. Der SED-Chef und stellvertretende DDR-Ministerpräsident wich der Frage aus: „Ich verstehe Ihre Frage so, dass es in Westdeutschland Menschen gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR dazu mobilisieren, eine Mauer aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, dass eine solche Absicht besteht. Die Bauarbeiter unserer Hauptstadt beschäftigen sich hauptsächlich mit Wohnungsbau. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, sagte er.

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Eigener Machterhalt stand an erster Stelle

Als Ulbricht mit dieser Lüge versuchte, die Probleme kleinzureden, waren die Abriegelungspläne und geheimen Einsatzbefehle längst geschrieben. Ulbrichts Mann fürs Grobe, 1971 sein Nachfolger als Parteichef und bald darauf Staatsratsvorsitzender, Erich Honecker (1912-1994), war mit der Ausführung betraut.

Er ließ später keine Gelegenheit aus, den Mauerbau als Rettungstat und Beitrag für Festigung und Sieg des Sozialismus in der DDR und des Friedens in der Welt zu rechtfertigen. Wenn er „Alles für das Wohl des Volks“ sagte, meinte er vor allem seinen Machterhalt.

Ähnlich verklärte der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke (1907-2000) Ende 1989 die Verbrechen seines Geheimdienstes mit den legendären Worten „Ich liebe doch alle, alle Menschen“ – und erntete Gelächter.Obwohl die DDR wirtschaftlich am Boden lag, wurden in den folgenden 28 Jahren Unsummen zur technischen Aufrüstung des todbringenden Sperrgürtels ausgegeben. Im Herbst 1989 hatten auch Funktionäre aus dem engsten Kreis um Honecker erkannt, wie hoch verschuldet und geschwächt die DDR war.

Zwar verkündete der Partei- und Staatschef zu Jahresbeginn 1989, die Mauer werde noch 50 oder 100 Jahre stehen, doch dann fiel sie am 9. November 1989, mitten in der friedlichen Revolution, schneller, als sich das jemand hatte vorstellen können. Als Honecker von seinen eigenen Genossen gefeuert wurde, gaben diese Gesundheitsgründe an. Auch dieser neuen Lüge hat keiner mehr geglaubt.

Erfundene Kriegsgründe eines Ruhmsüchtigen

Viele Herrscher haben ihr Streben nach Macht und eigenes Versagen in schöne Worte und deftige Lügen gehüllt. So verkündete Friedrich II. von Preußen (1712-1786), dass Gazetten, also Zeitungen, nicht „genieret“, also behindert, werden dürfen. Aber wenn jemand sich verächtlich über ihn äußerte, schlug er unbarmherzig auf den „Schreiberling“ ein.

1740 auf den Thron gelangt und nach eigenen Worten von Ruhmsucht besessen, wies der König seinen Minister Heinrich Graf von Podewils an, in alten Akten Gründe für die Eröffnung eines Kriegs um Schlesien gegen Österreich aufzuspüren. „Die Rechtsfrage ist Sache der Minister, also die Ihrige; es ist Zeit im Geheimen daran zu arbeiten, denn die Befehle an die Truppen sind gegeben.“

Da die drei Schlesischen Kriege Unsummen kosteten, ließ der König mit erbeuteten Stempeln minderwertige sächsische Münzen, die sogenannten Ephraimiten, nachprägen. Andere wären für dieses Verbrechen an den Galgen gekommen. Der unumschränkt herrschende König von Preußen musste keine Strafe befürchten, denn er stand über dem Gesetz. Sein Sieg beruhte zu großen Teilen auf Falschgeld!

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Der nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajewo von Kriegstreibern herbeigeredete Erste Weltkrieg endete für das Deutsche Reich und seine Verbündeten in einem blutigen Fiasko. Begonnen hatte er mit einer Lüge von Kaiser Wilhelm II. (1859-1941).

Im „Aufruf an das deutsche Volk“ behauptete er: „Seit der Reichsgründung ist es durch 43 Jahre Mein und Meiner Vorfahren heißes Bemühen gewesen, der Welt den Frieden zu erhalten und im Frieden unsere kraftvolle Entwickelung zu fördern. Aber die Gegner neiden uns den Erfolg unserer Arbeit. So muss denn das Schwert entscheiden. Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Darum auf! zu den Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande. Um Sein oder Nichtsein unseres Reiches handelt es sich, das unsere Väter neu sich gründeten.“

Die meisten Deutschen gingen ihrem Kaiser und Oberbefehlshaber und den anderen Kriegstreibern auf den Leim. In der aufgeheizten Stimmung und dem Überschwang nationalistischer Gefühle wagte kaum jemand, sich ablehnend über das militärische Abenteuer zu äußern. Einzig linke Sozialdemokraten wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg erhoben mahnend ihre Stimme und wurden prompt ins Gefängnis geschafft.

Paul von Hindenburg bestätigte den Ex-Kaiser

Nach dem Krieg verbreiteten Ex-Kaiser Wilhelm II. und seine Generale die Lügengeschichte, wonach an der Niederlage nicht sie und ihre Soldaten schuld seien, sondern aufgewiegelte Zivilisten in der Heimat, die angeblich den tapferen Kriegern einen Dolchstoß in den Rücken versetzt hätten. Die Dolchstoßlegende wurde von General Erich Ludendorff, als Chef des Generalstabs engster Mitarbeiter des kaiserlichen Generalfeldmarschalls und späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, erfunden und im In- und Ausland propagiert.

Ins gleiche Horn stieß Paul von Hindenburg bei einer Vernehmung durch einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss. 1919 versicherte er, das deutsche Heer sei ab 1916 „zersetzt“ worden, und hätte es den Dolchstoß nicht gegeben, wäre der Krieg anders verlaufen.

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Angeblicher Überfall durch Polen

Als Adolf Hitler (1889-1945) am 1. September 1939 den Beginn des Kriegs gegen Polen verkündete, behauptete er, die Wehrmacht habe „zurück geschossen“. Die Propaganda-Maschinerie log, es habe einen polnischen Überfall auf den deutschen Sender im schlesischen Gleiwitz gegeben.

In Wirklichkeit wurde die Geheimaktion von SS-Männern in polnischen Uniformen ausgeführt. „Ich werde propagandistischen Anlass zur Auslösung des Krieges geben. Der Sieger wird später nicht danach gefragt, ob er die Wahrheit gesagt hat oder nicht“, hatte Hitler im August 1939 in einer Geheimbesprechung erklärt.

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Als die Wehrmacht später nach und nach ihre Stellungen aufgeben musste, verklärte die NS-Propaganda die Rückzüge und Niederlagen mit Begriffen wie Frontbegradigung oder geplante Absatzbewegung. Die Begriffe wurden heimlich als das kommentiert, was sie waren – Etappen auf dem Weg in den Untergang. Wenn jemand Lügen offen als solche bezeichnete, riskierte seinen Kopf.

Das geschieht heute zum Glück nicht mehr. Dennoch ist es schwer, Falsches von Tatsachen zu unterscheiden. Gefahren kleinzureden, sich selber groß zu machen und als Retter in der Not zu präsentieren, Andersdenkende zu diffamieren – all das gibt es auch heute. Dem kann man nur durch solide Information und den Willen begegnen, hinter die Kulissen zu schauen und nicht jedem Heilsbringer und Hetzer auf den Leim zu gehen.

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Kommentare (2)

dass sich mir bei der berühmten Aussage von unserem lieben Walter Ulbricht auch ziemlich viele Politiker und Entscheidungsträger der heutigen Zeit aufdrängen.

Die behaupten/versprechen auch immer Sachen, besonders vor den Wahlen, und machen nach den Wahlen das genaue Gegenteil. Beweise gibt es genug im Netz.
Die pandemische Lage, die wir nun sogar bis in den September aufrecht erhalten müssen - nur zu unserem Besten - ist ähnlich gelagert.
Oder womit begründet man konkret dieses Vorgehen?
Geben die derzeitigen Zahlen das her?
Wie war es im letzten Sommer? Gab es da Probleme, so ganz ohne Testzwang an jeder Ecke und ohne Impfungen? Hat man denn aus dem letzten Jahr nicht gelernt oder will man nicht lernen?

Hieß es nicht, Schulen und Handel müssen nie wieder geschlossen werden, wir haben aus dem
1. Lockdown gelernt? Was passierte dann? Was wurde aus dem 4-wöchigen Lockdown Light gemacht?
Wo stehen wir jetzt im Vergleich zum letzten Jahr mit den Maßnahmen?
Was hat sich verbessert für uns?

Warum werden die Ziele immer wieder neu definiert? Was ist aus dem Ziel - Schutz der vulnerablen Gruppen bis es eine Impfung gibt - letztendlich geworden?

Fragen über Fragen....

... Fragen über Fragen.

1. Mit mir wird es keine Maut geben. Frau Merkel
2. Mit dem Wissen von heute würden wir keine Geschäfte mehr schließen: Herr Spahn
3. Krieg im Irak. Es soll Chemiewaffenbesitzen. George W. Bush und Toni Blair
4. Mit der CDU wird es keine Steuererhöhung geben. CDU und CSU planen die Mehrwertsteuer von 7% auf 19%
zu erhöhen.
4. usw.usf.

Lügen einfach so abtun kann gefährlich werden.