Ein Polizist steht am Feuer auf einer Straße am Rande der Demonstration linker und linksradikaler Gruppen. Es kam zu gew
Ein Polizist steht am Feuer auf einer Straße am Rande der Demonstration linker und linksradikaler Gruppen. Es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen. Christoph Soeder
Eine angekohlte Mülltonne liegt am Boden in der Nähe des Hermannplatzes. Nach weitgehend friedlichen Demonstrationen
Eine angekohlte Mülltonne liegt am Boden in der Nähe des Hermannplatzes. Nach weitgehend friedlichen Demonstrationen am 1. Mai in Berlin ist es am Abend bei einem Aufzug zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Annette Riedl
Polizei am Rande der Demonstration linker und linksradikaler Gruppen.
Polizei am Rande der Demonstration linker und linksradikaler Gruppen. Bernd Von Jutrczenka
Gewalt gegen Polizisten

Berlins Bürgermeister wütend auf Randalierer

Tausende Menschen zogen am 1. Mai durch Berlin. Am Abend gerieten Einsatzkräfte und Demonstranten heftig aneinander. Der Regierende Bürgermeister verurteilt die Gewalt.
dpa
Berlin

Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen bei einer Demonstration am 1. Mai in Berlin steht der Senat in der Kritik. CDU-Fraktionsvorsitzender Burkard Dregger warf ihm einen „Kuschelkurs mit der linken Szene“ vor. Der Senat müsse sich fragen lassen, welchen Anteil an Verantwortung er für das Demo-Geschehen trage, sagte Dregger am Sonntag.

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„So lange Rot-Rot-Grün mit gewaltbereiten Chaoten sympathisiert, wird es keinen friedlichen 1. Mai geben“, warnte er. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Paul Fresdorf, kritisierte Straftaten und Angriffe auf Polizisten im Zusammenhang mit der Demo am Samstagabend. „Klare Auflagen, konsequentes Handeln gegen Gewalttäter und keine Toleranz gegenüber Körperverletzung sowie Sachbeschädigung wären angebracht gewesen.“ Das sei jedoch nicht passiert.

5600 Polizisten im Einsatz

Rund 5600 Polizisten aus mehreren Bundesländern waren am Samstag in der Hauptstadt im Einsatz. Sie riefen immer wieder dazu auf, die Corona-Auflagen einzuhalten. Bei der sogenannten revolutionären 1. Mai-Demonstration in Berlin-Neukölln gingen am Abend nach Angaben der Polizei vom Samstag 8000 bis 10.000 Menschen auf die Straße.

Es flogen Steine und Flaschen gegen Einsatzkräfte. Randalierer zerrten Müllcontainer und Paletten auf die Straße und zündeten sie an. Es kam zu zahlreichen Festnahmen. Laut der Senatsverwaltung für Inneres sind mindestens 93 Polizisten verletzt worden. Nach Angaben des Bündnisses, das zu der Demonstration aufgerufen hatte von Samstagabend, sind auch aufseiten der Demonstranten Dutzende von Menschen verletzt worden. Es warf der Polizei laut einer Mitteilung vor, Polizisten hätten grundlos auf Demonstrierende eingeprügelt.

Der Protestzug linker und linksradikaler Gruppen wurde schließlich abgebrochen. Der Versammlungsleiter der Demonstration habe am Samstagabend den Protest für beendet erklärt, nachdem er selbst aus der Menge angegriffen worden sei, hatte die Polizei mitgeteilt.

Feuer brannten

Gegen Mitternacht war die Lage laut Polizei weitgehend beruhigt. Es habe zwar hier und da noch kleinere Feuer gegeben, aber kein größeres „Einsatzgeschehen“ mehr, wie es hieß. Ab 22 Uhr galt auch in der Hauptstadt die nächtliche Ausgangssperre. Die Polizei habe die Menschen, die dann noch auf den Straßen unterwegs waren, angesprochen und aufgefordert, nach Hause zu gehen, sagte eine Polizeisprecherin.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat Gewalt gegenüber Polizisten bei der Demonstration kritisiert. Sie habe nichts mit politischem Protest zu tun, sagte Geisel am Sonntag. „Wir werden nicht akzeptieren, dass einige gewaltsuchende Autonome uns den 1. Mai als Tag des friedlichen Demonstrierens nehmen wollen.“ Geisel sagte, die Polizei sei gut vorbereitet gewesen und habe die Lage den ganzen Tag unter Kontrolle gehabt. „Sie hat wie angekündigt die Hygieneregeln zum Schutz aller durchgesetzt.“

Bürgermeister wütend

Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller, verurteilte die gewalttätigen Ausschreitungen ebenfalls: „Ich habe kein Verständnis, wenn einige Gewaltbereite die angespannte und schwierige Lage ausnutzen und Polizistinnen und Polizisten angreifen, zündeln und damit auch viele friedlich demonstrierende Menschen gefährden“, sagte der SPD-Politiker am Sonntag. „Die vielen verletzten Einsatzkräfte sind eine bittere Bilanz, die mich wütend macht.“

Die Demonstrationen tagsüber verliefen nach Einschätzung der Polizei friedlich. Der überwiegende Teil der Demonstranten habe unter Beweis gestellt, dass man mit Hygienevorschriften, mit Masken und Abstand in Berlin demonstrieren könne, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik.

Bei den 1.Mai-Demonstrationen ging es unter anderem um Wohnungspolitik und Mieten, die Verteilung von Reichtum und Protest gegen Rassismus. Rund 10.000 Radler fuhren am Samstagnachmittag durch das Villenviertel im Grunewald. Bei einer Versammlung von rund 200 Gegnern der Corona-Politik in Berlin-Lichtenberg führte die Polizei schon zu Beginn mehr als ein Dutzend Teilnehmer ohne Maske zur Seite. Es wurden Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten gestellt.

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