SCHWERE SCHÄDEN ANGERICHTET

Blitze, Tornado, Tote – Unwetter wütet über dem Norden

Mindestens zwei Mensch sind bei dem Unwetter am Donnerstag gestorben. Züge fielen aus. In Hamburg wurde ein Tornado gesichtet. Am Freitagmorgen sieht die Bilanz düster aus.
dpa
Ein Mann wurde in Holdenstedt (Niedersachsen) getötet. Ein Baum fiel auf sein Fahrzeug.
Ein Mann wurde in Holdenstedt (Niedersachsen) getötet. Ein Baum fiel auf sein Fahrzeug. Philipp Schulze
Freiwillige Helfer und Feuerwehrleute räumen auf einer Straße bei Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern) umgestürzte Bäume zur Seite.
Freiwillige Helfer und Feuerwehrleute räumen auf einer Straße bei Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern) umgestürzte Bäume zur Seite. Jens Büttner
In Berlin am Checkpoint Charlie: schnell ins Trockene.
In Berlin am Checkpoint Charlie: schnell ins Trockene. Kay Nietfeld
Tegel: Flugzeuge wurden in Berlin im dichten Regen geparkt.
Tegel: Flugzeuge wurden in Berlin im dichten Regen geparkt. Paul Zinken
Im Stadtteil Ricklingen in Hannover stand das Wasser auf den Straßen.
Im Stadtteil Ricklingen in Hannover stand das Wasser auf den Straßen. Peter Steffen
In Ebstorf (Niedersachsen) hat es gehagelt.
In Ebstorf (Niedersachsen) hat es gehagelt. Philipp Schulze
Hamburg/Offenbach/Schwerin.

Ein schweres Unwetter hat am Donnerstag mit orkanartigen Sturmböen, Gewittern, Hagel und einem Tornado über dem Norden und Osten Deutschlands gewütet. Mindestens zwei Menschen kamen dabei ums Leben. In den betroffenen Regionen kam der Zugverkehr teilweise zum Erliegen. Am Abend zogen Sturm und Gewitter nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes vom Norden Deutschlands Richtung Osten. Vor allem in Niedersachsen tobte das Unwetter.

Eine Unwetterfront hat in Schwerin mehrere Einsätze von Feuerwehr und Polizei ausgelöst. Die Rettungskräfte waren am Donnerstagabend in den Stadtteilen Neumühle und in der Gartenstadt im Einsatz, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Grund hierfür waren blockierte Straßen durch umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste. Zeitweise war laut Polizei die Kreuzung am Schweriner Zoo überflutet. Verletzt wurde niemand. Ansonsten kam Mecklenburg-Vorpommern vergleichsweise glimpflich davon.

Über 37 Grad Celsius im Süden gemessen

Ganz anders war es tagsüber im Süden und Westen Deutschlands, dort schwitzten die Menschen bei Rekordtemperaturen. Laut Deutschem Wetterdienst war es der bislang heißeste Tag des Jahres. Demnach wurden in Andernach (Rheinland-Pfalz) 37,1 Grad gemessen. Kurz dahinter lag Köln (Nordrhein-Westfalen) mit 37,0 Grad. Auf Platz drei war Trier (Rheinland-Pfalz) mit 36,7 Grad, ebenso wie die Station auf dem Flughafen Köln/Bonn. Doch auch dort, wo es zunächst trocken und sonnig blieb, wurden für die Nacht Gewitter erwartet. Diese hatten vor allem Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt schon seit dem frühen Nachmittag beschäftigt.

Mehrere Großveranstaltungen betroffen

Besucher beim „Hurricane”-Festival in Scheeßel bei Bremen flohen kurzzeitig in ihre Autos. Der Veranstalter bat anreisende Gäste, möglichst erst am Freitag zu kommen. „Am Abend und in der Nacht drohen im Norden weiterhin Gewitter mit Hagel und Starkregen”, sagte DWD-Meteorologe Thomas Ruppert. In Hamburg wurde das Konzert von Schlagerstar Andreas Gabalier abgesagt, in Hannover musste der Auftritt der US-Rockband Guns n’ Roses unterbrochen werden. Rund 70 000 Fans wurden wegen des schweren Unwetters in die benachbarten Messehallen gebeten.

Auch für viele Bahnreisende ging in den betroffenen Gebieten nichts mehr. Umgestürzte Bäume legten beinahe alle ICE-Strecken im Norden lahm. Die Strecken Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, Bremen-Hannover und Hannover-Wolfsburg-Berlin wurden unterbrochen. Während der Fernverkehr von Hamburg und Hannover nach Berlin am Abend zunächst wieder aufgenommen wurde, blieben die Strecken von Hannover und Bremen nach Hamburg voraussichtlich bis zum Freitagmorgen gesperrt. Auch im Großraum Gießen sowie rund um Magdeburg waren mehrere Bahnstrecken gesperrt. In Hamburg, Hannover, Bremen und Kassel stellte die Bahn Züge mit Schlafwagen bereit, damit gestrandete Fahrgäste die Nacht dort verbringen konnten.

Zwei Menschen von Bäumen erschlagen

Und auch auf Autobahnen gab es Probleme: Auf der A7 zwischen Hamburg und Hannover warnte die Verkehrsmanagementzentrale vor Gefahr durch umgestürzte Bäume. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben: Ein 50-Jähriger wurde in der Nähe von Uelzen in Niedersachsen in einem Auto von einem umstürzenden Baum erschlagen. Im Kreis Gifhorn starb eine 83 Jahre alte Frau, nachdem sie mit ihrem Auto durch das Geäst eines umgestürzten Baumes gefahren war.

Enorme Verwüstungen registrierte die Feuerwehr beispielsweise im Kreis Harburg südlich von Hamburg. In der Gemeinde Fliegenberg sei eine Schafherde mit 20 bis 30 Tieren unter umgestürzten Bäumen begraben worden, zahlreiche Tiere seien verendet. In zahlreichen Gemeinden und Städten liefen Keller voll, Bäume knickten um und Dächer wurden abgedeckt. Der DWD berichtete, Meteorologen der Luftfahrtberatung hätten in Hamburg den typischen „Luftschlauch” eines Wirbelsturms gesichtet. Der DWD-Tornado-Beauftragte Andreas Friedrich sagte, es habe sich um einen schwachen und nur kurzlebigen Wirbel von wenigen Minuten mit wenig „Bodenkontakt” gehandelt.

Am frühen Morgen hob der Deutsche Wetterdienst viele seiner Warnungen auf. Mit weiteren Gewittern ist an diesem Freitag nur noch in Südbayern, südlich der Donau zu rechnen. "Dabei kann es vereinzelt auch zu Starkregen und größeren Hagelkörnern kommen", sagte ein Sprecher des DWD. In den anderen Bundesländern hört mit den Unwettern auch die große Hitze auf.

+++ UPDATE zur Bilanz des Unwetters: 19.115 Blitze donnerten über MV +++

StadtLandKlassik - Konzert in Hamburg/Offenbach/Schwerin

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