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Chinas ungestillte Sucht nach Megabauten

Wenn alles nach Plan läuft, wird nächstes Jahr wird das zweithöchste Gebäude der Welt, der Shanghai Tower, in der chinesischen Metropole fertiggestellt werden.
Wenn alles nach Plan läuft, wird nächstes Jahr wird das zweithöchste Gebäude der Welt, der Shanghai Tower, in der chinesischen Metropole fertiggestellt werden.
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Größere Einkaufszentren, breitere Brücken, höhere Hochhäuser: Mit Rekordgebäuden protzen Chinas Provinzpolitiker. Aber viele Projekte dienen nur dem Ego der Lokalfürsten.

Die Schritte hallen durch leere Gänge. An vielen Stellen stürzt die Decke ein. Zur Eröffnung im Jahr 2005 rühmte sich das Einkaufszentrum „New South China Mall“ in der südchinesischen Stadt Dongguan als größte Shoppingmall der Welt. Aber bis heute wirken weite Teile des Areals wie eine Geisterstadt. Am größten, breitesten oder höchsten: Politiker quer durch China brüsten sich mit immer neuen Megabauten. Aber die Realität sieht oft nicht so rosig aus. An vielen Stellen rotten die einstigen Prestigeprojekte vor sich hin.

Die Mall in Dongguan ist zu einem Symbol für fehlgeleitete Imageprojekte von Provinzpolitikern in China geworden. „Lokale Regierungen wollen mit den Bauten ihre Wirtschaft ankurbeln. Ich bin der Meinung, das ist nicht richtig und ungesund für die wirtschaftliche Entwicklung“, kritisiert Cheng Min vom ostchinesischen Forschungsinstitut für Architektur und Design. Die Politiker wollten mit den immer neuen Rekordbauten ihr Ego polieren und sich bekannter machen.

Vier Jahre nach Eröffnung: 99 Prozent Leerstand

„Vorsicht, das ist alles einsturzgefährdet“, ruft ein Wachmann. Etliche Räume sind in der „New South China Mall“ notdürftig mit Brettern zugenagelt. „Es ist eine Schande. Ganz China kennt uns nur als das gescheiterte Projekt“, klagt der Mann. Vier Jahre nach der Eröffnung musste der Betreiber eingestehen: 99 Prozent der Fläche stehen leer. Auf Anfrage behauptet eine Mitarbeiterin einer PR-Agentur im Auftrag des Betreibers in Peking zwar: „Mittlerweile liegt der Leerstand aber nur noch bei 17 Prozent.“ Mit Blick auf Fotos aus Dongguan wird sie dann jedoch still.

Hochhäuser, Einkaufszentren und Brücken: Die Liste der gigantischen Projekte ist lang. Zuletzt machte die zentralchinesische Stadt Changsha von sich reden. Denn dort soll der höchste Wolkenkratzer der Welt entstehen. 838 Meter hoch soll die „Sky City“ werden und in nur sieben Monaten fertig sein. Rund 1000 Kilometer weiter östlich in der Stadt Chengdu setzten die Politiker kein Zeichen in die Höhe, sondern in die Breite: Das „New Century Global Centre“ ist nur 100 Meter hoch, dafür aber einen halben Kilometer lang und 400 Meter breit und soll damit das flächenmäßig größte Gebäude der Welt sein.

Fünfjähriger Baustopp für neue Amtsgebäude

Aber es regt sich Widerstand gegen die Gigantomanie der chinesischen Provinzpolitiker. Die Baubehörden stoppten den neuen Wolkenkratzer vorerst wegen fehlender Zulassungen. Das Parteiorgan „Volkszeitung“ kritisierte die „blindwütige Sucht“ nach Megaprojekten in vielen Städten, während es in den umliegenden Provinzen noch etliche Elendsviertel gebe.

Jetzt will sich die Zentralregierung nicht länger von den Provinzfürsten auf der Nase herumtanzen lassen und verkündete Ende Juli einen fünfjährigen Baustopp für neue Amtsgebäude. „Ich fühle mich gut, wenn ich gut gebaute Einrichtungen sehe, die den Bürgern dienen“, sagte Staats- und Parteichef Xi Jinping. „Aber ich fühle mich schlecht, wenn ich großartige Amtsgebäude sehe.“

Journalisten werden ermuntert, unsinnige Megabauten anzuprangern. Als die Ostküstenprovinz Zhejiang in diesem Juli die mit 10,1 Kilometern nach Betreiberangaben längste Schrägseilbrücke der Welt eröffnete, berichteten die Medien, dass es im Umkreis von 50 Kilometern bereits zwei weitere Brücken und noch einen Tunnel gibt.