Schimmel, Maden, Eiter

Darum finden wir das ekelig

Maden, Schimmel, Eiter oder ein benutztes Taschentuch - warum finden wir bestimmte Dinge ekelig?
dpa
Schimmelbefall an einem Brot. Mehr als 400 000 Menschen sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr
Schimmelbefall an einem Brot löst Ekel aus, was aber auch ein Schutzreflex ist. Denn Hundertausende Menschen sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr nach dem Verzehr verdorbener Lebensmittel. Jens Kalaene
Es gibt auch absichtliche „Angebote” für Ekliges, wie zum Beispiel die  „Mongolische Mary” &ndash
Es gibt auch absichtliche „Angebote” für Ekliges, wie zum Beispiel die „Mongolische Mary” – Schafsaugen in Tomatensaft – die im Disgusting Food Museum Berlin ausgestellt. Annette Riedl
Das vielleicht ekligste Museum zeigt in Berlin was Mensch alles essen kann. Psychologin Sonja Rohrmann: „Je öfter m
Das vielleicht ekligste Museum zeigt in Berlin was Mensch alles essen kann. Psychologin Sonja Rohrmann: „Je öfter man Ekelreizen ausgesetzt ist, desto niedriger wird die Reizschwelle.“ Anja Barte Telin
Berlin

Abstoßend, unappetitlich, widerlich oder zum Kotzen: So wird das Gefühl des Ekels häufig beschrieben. Der Ekel ist jedoch auch nützlich und sinnvoll. Dabei gibt es verschiedene Formen. Eine Fachfrau für Ekel ist die Psychologin Sonja Rohrmann. Sie kennt sich mit dem Ekelgefühl aus.

Angeborener Schutzreflex

Sonja Rohrmann sagt: Ekel entwickelt sich aus dem Gefühl der Abscheu. Das ist angeboren. Wir reagieren dabei zum Beispiel auf schlechten Geschmack, vor allem auf Bitteres oder Saures. Dann verziehen wir das Gesicht oder spucken. Giftige Stoffe etwa schmecken oft bitter oder sauer. „Es ist also eine Reaktion, um den Körper vor Gift zu schützen“, sagt die Expertin.

Ekel entsteht erst in unseren Gedanken. Er wird etwa ausgelöst durch Körperausscheidungen wie Kot, Urin, Blut oder Schleim, sagt die Expertin. Aber auch verdorbene Dinge gehören dazu. Es ist sinnvoll, dass wir uns davor ekeln, denn all diese Dinge können zum Beispiel Bakterien enthalten. Das Ziel sei es, den Körper vor Krankheiten zu schützen, sagt Frau Rohrmann.

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Tisch-Manieren gegen den Ekel – nur welchen?

Auch verletzte oder tote Körper lösen Ekel aus. „Das erinnert uns daran, dass wir sterblich sind“, sagt die Expertin. Außerdem finden wir es meist ekelig, wenn sich jemand nicht die Hände wäscht oder rülpst und furzt. Wir Menschen haben Hygiene-Regeln und Tisch-Manieren erfunden, um mit dieser Form des Ekels umzugehen. Sie grenzen uns von den Tieren ab. „Wenn man die Regeln nicht befolgt, wird man mit Tiernamen betitelt“, sagt Frau Rohrmann. Dann heißt es etwa, man frisst wie ein Schwein.

Hygiene-Regeln und Tisch-Manieren sind jedoch nicht überall auf der Welt gleich. „Ekel ist kulturabhängig“, sagt die Expertin. „In der einen Kultur ist es ekelig, Schafsaugen zu essen, in der anderen überhaupt nicht.“ Je nachdem, wo ein Kind aufwächst, lernt es, unterschiedliche Dinge ekelig zu finden.

Man kann sich an Ekel gewöhnen

Aber wie kommt es, dass manche Menschen sich schneller oder stärker ekeln als andere? Das hat mit der Persönlichkeit zu tun, sagt Sonja Rohrmann. Oft sei es so, dass Menschen, die eher ängstlich sind, auch ekelempfindlicher sind. Allerdings könne man sich an Ekel auch gewöhnen.

„Je öfter man Ekelreizen ausgesetzt ist, desto niedriger wird die Reizschwelle“, sagt Frau Rohrmann. So überwinden Ärzte oder Pfleger zum Beispiel den Ekel vor Erbrochenem, Kot oder vor Verletzungen. Viele von ihnen finden diese Dinge nicht mehr so ekelig, weil sie häufig damit zu tun haben.

Außerdem hängt unser Ekelgefühl auch damit zusammen, wie sehr wir einen Menschen mögen. So ist zum Beispiel der Kuss von Mama nicht ekelig. Bei jemandem, den man nicht mag, würde man sich aber ekeln.

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