MODERNE BEZIEHUNGEN

Der chaotische Weg zur Liebe

Vorbei die Zeiten, als Erwin und Helga auf dem Dorffest tanzten und sich eine Woche später verlobten. Heute herrscht oft Unverbindlichkeit. Bis dann vielleicht doch noch die große Liebe kommt.
dpa
Am Valentinstag lebt das Ideal romantischer Liebe wieder auf. Die Realität in vielen Schlafzimmern sieht anders aus.
Am Valentinstag lebt das Ideal romantischer Liebe wieder auf. Die Realität in vielen Schlafzimmern sieht anders aus. Frank May
Hannover ·

Die Liebe und das scheinbare Ideal der Paarbeziehung – zum Valentinstag am 14. Februar wird beides wieder überall gefeiert. Aber gibt es nicht immer mehr Singles? Zumindest im Leben der Mitt-Zwanziger und Anfang-Dreißiger scheint eher Liebeschaos denn Verbindlichkeit zu regieren. Ein Glossar zum modernen Liebesleben:

BEFRISTUNG:

In einem Leben, in dem der Job nicht sicher ist, der Wohnort oft gewechselt wird, schlicht die ganze Zukunft wackelt, spielt Befristung die Hauptrolle – auch in Beziehungen. Nichts muss mehr für immer sein, denn wer weiß schon, wo er morgen hingeht? „Heute ist man einfach nicht mehr 20 Jahre mit einem einzigen Partner zusammen“, sagt Dating-Experte Eric Hegmann dazu. Die Beziehungen würden kürzer – und die Single-Phasen dazwischen länger.

SELBSTVERWIRKLICHUNG:

Wo ohnehin alles befristet ist, spielt die Selbstverwirklichung die Hauptrolle. Für viele von Anfang 20 bis Mitte 30 steht nicht die Familiengründung im Mittelpunkt, sondern: man selbst. Wieso nicht ein Jahr ins Ausland? Wieso morgen nicht noch mal neu beginnen? So binden sich viele heute erst spät. „Weil wir heute freier sind, experimentieren wir länger“, sagt Eric Hegmann. Auch Heiraten ist kein vorgegebenes Ideal mehr.

FRIENDS WITH BENEFITS:

Die „Freunde mit Vorzügen“ werden manchmal auch „fuck buddies“ genannt: Zwei Menschen sind miteinander befreundet und gehen miteinander ins Bett – sonst nichts. Für eine Beziehung reicht es ihnen nicht, oder die beiden wollen bewusst keine. Stattdessen schläft man ab und an miteinander, ohne dass das für einen von beiden emotional ein Problem wäre. Zumindest theoretisch.

MINGLES:

Bei der „Halb-Beziehung“ ist die Situation komplizierter, denn hier sind oft Gefühle im Spiel. „Mingles“ – eine Wortschöpfung aus den Begriffen „mixed“ und „Single“ – sind Menschen, die sich regelmäßig treffen und miteinander schlafen, aber selbst nicht so genau wissen, was sie gemeinsam eigentlich sind. Darunter leidet Experten zufolge meistens einer der beiden, nämlich der, der bereit wäre, aus dem ungeklärten Status eine Beziehung zu machen. Der andere dagegen schweigt lieber – und hält Ausschau nach jemandem, mit dem er wirklich eine Beziehung eingehen will.

ONLINE-DATING:

Von kostenlosen Dating-Seiten über teils kostenpflichtige Plattformen wie Parship oder E-Darling bis zu Apps – die Wege, heute jemanden virtuell kennenzulernen sind schier unendlich. Das führt zu einer großen Auswahl, die mitunter überfordert. Dennoch kann das Internet dabei helfen, Gleichgesinnte zu treffen, die man andernfalls nur schwer kennengelernt hätte.

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