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Der Hass auf Juden ist auch heute noch ein Thema

Die grässliche Symbolkraft solcher Bilder – hier eine brennende Synagoge in Hannover – war vom Nazi-Regime gewollt. Heute sind die Bilder mahnende Erinnerung.
Die grässliche Symbolkraft solcher Bilder – hier eine brennende Synagoge in Hannover – war vom Nazi-Regime gewollt. Heute sind die Bilder mahnende Erinnerung.
W. Hauschild / Historisches Museum Hannover

Heute wird an die grausamen Pogrome gegen die jüdischen Bürger am 9.  November 1938 erinnert. Doch der vom NS-Regime propagierte Antisemitismus ist auch 79 Jahre später keineswegs verschwunden.

Mehr als 70 Jahre nach dem Untergang der NS-Diktatur hat die Zahl der antiisraelischen und antijüdischen Straftaten laut aktuellen Erhebungen der Bundesregierung wieder leicht zugenommen. Demnach wurden im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 681 solcher Delikte erfasst. Das sind 27 Taten mehr als im Vorjahr. Der Antisemitismus sei Alltag für viele Juden in Deutschland, teilte das Bundesjugendministerium am Dienstag mit.

Im Kampf gegen den Antisemitismus wollen heute, am 79. Jahrestag der deutschlandweiten Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung zur NS-Zeit, bundesweit mehr als 100 Initiativen über die Hintergründe des Judenhasses aufklären und Gegenstrategien vermitteln.

Antisemitismus als Rechtsextremismus oder Diskriminierung unsichtbar gemacht

Der Aktionstag zum Jahrestag der Pogromnacht soll auch im Internet stattfinden – wer sich dort äußern möchte, soll dies nach dem Willen der Organisatoren, unter dem Schlagwort „#AntisemitismusHeute“ tun. Es soll unter anderem an öffentlichen Gebäuden die „Chronik antisemitischer Straftaten und Vorfälle“ projiziert werden. In den Veranstaltungen geht es etwa um Antisemitismus im Hip-Hop, den auf Israel bezogenen Antisemitismus und Fragen von Migration und Judenfeindschaft.

Oft werde Antisemitismus nicht als solcher benannt, sondern als Rechtsextremismus oder Diskriminierung unsichtbar gemacht, erklärte der Direktor des Anne Frank Zentrums, Patrick Siegele. Dies führe dazu, dass Judenhass häufig als etwas angesehen wird, das seit 1945 keine Rolle mehr spiele.

Zahlreiche Gedenk-Veranstaltungen in der Region

Auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), bezeichnete den 9. November 1938 am Mittwoch als einen „Tag der Schande“. „Wir müssen alles dafür tun, dass Nazis und andere Rechtsextremisten nie wieder in Deutschland an die Macht gelangen. Und wir treten aktiv dafür ein, dass unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger einen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft haben“, so Schwesig. Im Land gibt es verschiedene Gedenkveranstaltungen, unter anderem in Neubrandenburg, Anklam und Schwerin.

In Brandenburg soll es heute in Cottbus eine zentrale Gedenkfeier zur Erinnerung an die Ausschreitungen geben, bei denen in ganz Deutschland Synagogen in Brand gesetzt wurden. In Berlin sind zahlreiche Veranstaltungen geplant. Am Wittenbergplatz werden Auschwitz-Überlebende an einer Gedenktafel Kränze niederlegen.