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Mordfall Susanna

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Dokumente zeigen Behörden-Versagen im Fall Ali B.

Mit diesem vorläufigen Reisepass konnte der Beschuldigte Ali B. in den Irak ausreisen.
Mit diesem vorläufigen Reisepass konnte der Beschuldigte Ali B. in den Irak ausreisen.
Irakische Botschaft

Ali B. hätte Deutschland womöglich gar nicht verlassen können, wenn die Behörden effektiver gehandelt hätten. Außerdem könnte dem Mörder von Susanna der Prozess nach dem Erwachsenenstrafrecht gemacht werden.

Dem Nordkurier liegt eine Kopie des vorläufigen Reisepasses des Irakers Ali B. vor, der in Mainz die 14-jährige Susanna vergewaltigt und getötet haben soll. Aus diesem Dokument geht das genaue Alter des Beschuldigten vor: B. wurde am 11. März 1997 geboren und war somit zum Tatzeitpunkt 21 Jahre alt. Damit müsste er im Falle einer Verurteilung mit einer deutlich härteren Strafe rechnen, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft Wiesbaden mit.

Ursprünglich gingen die Behörden davon aus, dass B. zum Zeitpunkt der Tat 20 Jahre alt war, da seine Geburt im Asylantrag auf den 3. November 1997 datiert worden war. Bei der Verwirrung um das tatsächliche Alter des Beschuldigten könne es sich um ein Missverständnis handeln, so die Wiesbadener Oberstaatsanwältin Christina Gräf. So könne bei der Übertragung ins Deutsche der 3.11.97 mit dem 11.3.97 verwechselt worden sein. Denn ein nur wenige Monate jüngeres Alter habe Ali B. zum damaligen Zeitpunkt keine Vorteile gebracht.

Name auf Flugticket und Papieren nicht identisch

Aus den Dokumente geht auch hervor, dass entgegen erster Aussagen die Papiere nicht nur auf Arabisch, sondern auch auf Englisch ausgestellt waren. Es hätte somit zumindest der Bundespolizei und der Fluggesellschaft auffallen müssen, dass der Name auf dem Flugticket nicht identisch mit dem Namen auf dem vorläufigen Reisepass des Verdächtigen war.

„Nach unzähligen Vorfällen im Bamf werden nun auch Ermittlungspannen und Ungereimtheiten im Fall Ali B. sichtbar”, sagte der AfD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier dem Nordkurier. Münzenmaier hatte nach eigenen Angaben als erster Politiker den irakischen Botschafter in Frankfurt besucht und damit zur Aufklärung im Fall beigetragen.

Susannas Leiche wurde an Bahngleisen entdeckt

Der Iraker Ali B. war im Sommer 2015 mit seiner Familie nach Deutschland eingereist, sein Asylantrag wurde im Dezember 2016 abgelehnt. Eine Klage gegen das Urteil ist derzeit noch in der Schwebe. Der 21-Jährige wird verdächtigt, die 14-jährige Susanna am Abend oder in der Nacht des 22. Mai vergewaltigt und umgebracht zu haben.

Am Tag darauf meldete die Mutter die Schülerin in ihrem Wohnort Mainz als vermisst. Am 29. Mai sagte eine Bekannte von Susanna der Mutter, dass ihre Tochter tot sei und die Leiche an einem Bahngleis in Wiesbaden liege. Einen Tag später, am 30. Mai, übernahm die Polizei Wiesbaden federführend die Ermittlungen von ihren Kollegen aus Mainz. Am 6. Juni wurde Susannas Leiche gefunden. Ali B. war bereits Tage zuvor mit seiner Familie in den Irak geflohen.