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Ein Rheinländer will auf den Mars – und nie wieder zurück

Der Softwareentwickler Stephan Günther hat sich um die Teilnahme an einer Mars-Mission beworben.nd
Der Softwareentwickler Stephan Günther hat sich um die Teilnahme an einer Mars-Mission beworben.nd
Rolf Vennenbernd

Stephan Günther hat sich bei einer Stiftung beworben, die eine Kolonie auf dem Roten Planeten ab 2023 plant. Bei der „Mars One“-Mission soll es kein Rückflugticket geben.

Viele kennen Fernweh. Manche wollen hoch hinaus. Bei Stephan Günther ist es extremer. Der 44-jährige Pilot und Fluglehrer will auf den Mars. „Die Raumfahrt ist mein Thema, seit ich denken kann. Ich wollte immer schon ins All.“ Er hat sich für die private „Mars One“-Mission beworben, die die Besiedlung des Roten Planeten von 2023 an plant. „Der Start soll 2022 sein, dann nähern sich Mars und Erde auf der Umlaufbahn so sehr an, dass nur acht Monate Flugzeit nötig sind.“

Die niederländische Stiftung „Mars One“ will unter Führung des Ingenieurs Bas Lansdorp in zehn Jahren die ersten vier Menschen auf dem Roten Planeten landen lassen. Ziel ist eine dauerhafte Kolonie. Mit einer niederländischen Technik-Hochschule ist eine wissenschaftliche Zusammenarbeit vereinbart. Internationale Experten etwa aus Industrie und Raumfahrtmedizin begleiten das Projekt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hält die Mission nicht für unseriös oder Science-Fiction, sieht aber noch zahlreiche zentrale Fragen ungeklärt, wie Sprecher Andreas Schütz sagt.

Stephan Günther sagt: „Sie brauchen eine ganz neue Sorte von Mensch, die für den Mars ausgebildet werden muss – in wissenschaftlicher, technischer, charakterlicher Hinsicht.“ Warum will er seine grüne Wohnidylle in der Kleinstadt Leichlingen nahe Köln gegen den nackten, einsamen Mars eintauschen? „Wir Menschen müssen das All entdecken. Wir müssen auch hinter den Horizont schauen.“ Dass der Mars-Rover „Curiosity“ der US-Weltraumbehörde NASA kürzlich Wasser im Boden aufgespürt hat, sei eine wichtige, tolle Nachricht, sagt Günther. Der ferne Planet ist dennoch alles andere als lebensfreundlich. „Die Atmosphäre ist so dünn, dass das Blut sofort kochen würde ohne Raumanzug“, sagt der Vater von drei Kindern. Er setzt auf Sachkenntnis, gezielte Vorbereitung und das gewisse Etwas: „Man braucht natürlich auch eine besondere Ader, um diese rote Wüste zu mögen.“

Viele Tausend Bewerber wollen ein Ticket

Weil Günther schon früh ins Weltall wollte, hat er vieles danach ausgerichtet, angefangen beim Abitur mit den Schwerpunkten Technik und Physik. Er besitzt eine amerikanische Berufspilotenlizenz, entwickelt Software für Flugsimulationen – etwa Space-Shuttle-Starts und Mond-Spaziergänge. „Rein technisch halte ich es für absolut machbar, zum Mars zu fliegen und eine Siedlung aufzubauen“, meint Günther. „Aber der mentale, menschliche Faktor kann zum Problem werden. Hier wird die Auswahl schwer.“ 40 Bewerber sollen in Vierer-Teams ab 2014/15 acht Jahre lang für die Mission trainieren, nur eine Gruppe dann wirklich losfliegen. Viele Tausend Bewerber gebe es, rund 40 aus Deutschland. Eine engere Auswahl solle zum Jahresende getroffen werden.

Das DLR ist in einigen Punkten skeptisch: „Es muss geklärt werden, wie man Ernährung und Sauerstoffversorgung durchgängig sichern will“, sagt Sprecher Schütz. „Mars One“ solle offenlegen, was den Teilnehmern zugemutet werde. Technisch könne eine solche Mission aber grundsätzlich gelingen. Der Aufbau des „Mars One“-Camps soll nach bisherigen Vorstellungen unbemannt über Roboter erfolgen.

Fünf Module sollen in Betrieb genommen werden, 2022 dann eine Rakete mit dem sechsten Modul und den vier ersten Mars-Menschen kommen. Alle zwei Jahre ist die Landung vier weiterer Astronauten geplant. Die Freiwilligen sollen aus Eis und Wasser im Boden Sauerstoff und Wasserstoff gewinnen, Pflanzen in Gewächshäusern züchten, die dann später die Sauerstoffproduktion übernehmen und die ersten Bewohner ernähren sollen. Matten mit Solarzellen sollen der Energiegewinnung dienen. Ob es wirklich zu all dem kommt, ist ungewiss. Auch aus finanziellen Gründen.

Die Kosten der Mission werden mit sieben Milliarden Euro angegeben. Das Geld soll über den Verkauf der Medienrechte reinkommen. Laut DLR gehen Schätzungen bisher von 100 Milliarden US-Dollar für eine Mission aus – inklusive Hin- und Rückflug.

Ein Rückflug ist bei „Mars One“ aber nicht geplant, „weil das die Kosten exorbitant steigern würde“, sagt Günther. Es sei zudem unklar, wie der Mensch ihn überstehen würde. In acht Monaten Flug in der Schwerelosigkeit gingen 30 Prozent der Muskel- und Knochenmasse verloren. Ob es Günther wirklich auf den Mars schaffen wird, steht in den Sternen. Fest steht: „Es wäre mein absoluter Lebenstraum.“