IM GERICHTSSAAL

Enkeltrick-Betrüger zahlt 65.000 Euro an Seniorin zurück

Damit hätte die Rentnerin nicht gerechnet. Mitten im Gerichtssaal gab ihr ein 27-Jähriger exakt den Betrag zurück, um den er sie betrogen hatte.
dpa
65.000 Euro hat ein Angeklagter im Gerichtssaal zurückgezahlt und ist dafür mit einer Bewährungsstrafe davon ge
65.000 Euro hat ein Angeklagter im Gerichtssaal zurückgezahlt und ist dafür mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen. Bernd Wüstneck
Berlin ·

Eine Berliner Seniorin, die Trickbetrüger um 65.000 Euro gebracht hatten, hat im Prozess gegen einen der Täter eine Überraschung erlebt: Der Angeklagte gestand am Mittwoch vor dem Amtsgericht Tiergarten und zahlte zur Schadenswiedergutmachung im Gerichtssaal 65.000 Euro an die 85-Jährige. Die Richter verhängten danach wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs eine Strafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung gegen den 27-Jährigen.

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Der Mann gehörte laut Anklage zu einer Bande, die mit sogenannten Enkeltrick-Betrugstaten ältere Menschen um ihr Erspartes brachte. Im Januar 2021 sei er als „Logistiker” der Gruppierung mit einer Komplizin von Polen nach Berlin gereist. Ein weiterer Mittäter habe die damals 84-Jährige angerufen und sich als ihr Sohn ausgegeben. Der Anrufer habe der Seniorin vorgegaukelt, er benötige wegen einer Corona-Erkrankung dringend Bargeld. 100.000 Euro seien für ein Medikament erforderlich, das sein Leben retten könnte.

Aus Angst um ihren Sohn

Die Seniorin sagte im Prozess, sie habe Panik bekommen und in großer Angst um ihren Sohn gehandelt. „Ich war nicht mehr ich selber”, so die Zeugin. Sie habe ihr Geld zusammengesammelt – „bis auf den letzten Schein”. Es seien ihre gesamten Ersparnisse gewesen. Eine Frau habe das Geld schließlich abgeholt. Als ihr der Richter sagte, dass der Angeklagte den Schaden begleichen werde, schien die Frau, die mit ihrem Enkelsohn gekommen war, fassungslos.

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Dem nicht vorbestraften Angeklagten wurden zudem drei versuchte Betrugstaten zum Nachteil von älteren Menschen vorgeworfen. Dem Urteil war eine Verständigung aller Prozessbeteiligten vorausgegangen.

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Kommentare (2)

Dieser Verbrecher hat sich mit dem Geld des Opfers vor Gericht freigekauft.

Beim Lesen dachte ich noch: Ist ja gut gelaufen für Oma.
Allerdings wird sich der "Logistiker" wohl später vor Lachen über das Urteil die Hose nass gemacht haben.
Es gab Absprachen. Staatsanwalt und Verteidiger haben die aufgeregte Oma belabbert. Oma hat ihr Geld wieder und der "Logistiker" organisiert und arbeitet die nächsten zwei Jahre sicherheitshalber wieder,rechts der Oder.War halt ein kleiner Betriebsunfall. Blöd nur für die nächste Oma.