Ministerin plant Gesetz
Erst pro Wolf, jetzt will Schulze Abschuss erleichtern

Hier noch „Pro-Wolf”: Svenja Schulze auf der Faschings-Party im Bundesumweltministerium in Bonn.
Hier noch „Pro-Wolf”: Svenja Schulze auf der Faschings-Party im Bundesumweltministerium in Bonn.
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Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will den Abschuss von Wölfen erleichtern. Merkwürdig: Beim Fasching erschien sie als Wolf verkleidet, flehte: „Bitte nicht erschießen!”

Wölfe abschießen? Geht gar nicht! Vielen Gegenargumenten zum Trotz hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) seit ihrem Amtsantritt vor knapp einem Jahr den Schutz der Wölfe in Deutschland vehement verteidigt. Erst vor wenigen Tagen twitterte sie ein Foto von sich selbst als Wölfin verkleidet.

Beim Fasching in ihrem Ministerium in Bonn trug sie außerdem naturschutzpolitisch korrekt ein Schild um den Hals, auf dem rund um ein Fadenkreuz steht: „Bitte Nicht Erschiessen”. Ihr Kollege daneben tut als Rotkäppchen passend dazu kund, er habe „Keine Angst vorm Wolf”. Ein klares Statement.

 

 

 

„Man muss Wölfe auch abschießen dürfen”

Keine Woche später liest man von Schulze ganz andere Töne! Der „Bild am Sonntag” sagt sie, per Gesetzesänderung den Abschuss von Wölfen erleichtern zu wollen. „Wenn Wölfe mehrfach Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen, muss man sie auch abschießen dürfen”, sagte Schulze der „Bild am Sonntag”. Das wolle sie mit einer „Lex Wolf” klarstellen. Wie passt das denn zusammen und woher kommt der Sinneswandel?

Eine Sprecherin der Bundesministerin sagte dem Nordkurier: „Das ist kein Widerspruch. Es geht ja darum, einen Ausgleich zwischen den Interessen der Weidetierhalter und dem Wolfsschutz zu finden.” Aber auf Frau Schulzes Schild steht doch unmissverständlich „Bitte nicht erschießen!” Das passt doch gar nicht zusammen! Die Sprecherin: „Doch, wir behandeln den Wolf ja weiterhin als geschütze Art. Die Herdetierhalter sollen durch das Gesetz aber auch geschützt und entschädigt werden.”

Bauernbund fühlt sich getäuscht

Der Brandenburger Bauernbund sieht das ganz anders. Er wirft Schulze Täuschung vor. „Der Vorschlag der Ministerin heißt doch im Klartext, wir Bauern müssen erstmal teure Zäune bauen, von denen inzwischen sogar Frau Schulze weiß, dass sie nichts taugen“, kritisiert Vorstand Frank Michelchen in den Potsdamer Neusten Nachrichten. „Und dann müssen wir hilflos zuschauen, wie die Wölfe mehrfach unsere Schafe, Kälber oder Fohlen reißen und bei lebendigem Leib auffressen.“ Erst danach dürften die Bauern einen Antrag auf Abschuss stellen.

Weidetierhalter in unserem Bundesland sehen das geplante Gesetz etwas positver. „Es ist keine Lösung, aber ein Schritt in die richtige Richtung”, sagt Jürgen Lückhoff, Vorstand des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbands Mecklenburg-Vorpommern. „Dieses Gesetz wird zumindest den Zugriff auf auffällige Wölfe erleichtern.”

Wird es auch den Züchtern das Leben erleichtern? Nicht allen, meint Lückhoff. „Es ist einfach nicht jedem Halter möglich, die Sicherheit durch teure Zäune und Herdenschutzhunde zu verbessern.” Im Nachbarland Niedersachen hätten einzelne Züchter bereits vor dem Wolf und den hohen Abwehrkosten kapituliert und die Nutztierhaltung aufgegeben.