ANGEBLICH TRADITION

Fasching mit Homophobie und SS-Uniformen

Neben Spaß und Kamelle zur fünften Jahreszeit gibt es jährlich auch bedenkliche Bilder. In ganz Europa sind jetzt Karnevalsumzüge für kontroverse Kostüme und Figuren kritisiert worden.
Bei einem Karnevalsumzug in Kroatien wurde vor den Augen der Kinder die Figur eines homosexuellen Paares in Brand gesteckt.
Bei einem Karnevalsumzug in Kroatien wurde vor den Augen der Kinder die Figur eines homosexuellen Paares in Brand gesteckt. Screenshot / Youtube BOŠKO ĆOSIĆ
Die Figur eines offenbar schwulen Pärchens bei einem Karnevalsumzug in Kroatien.
Die Figur eines offenbar schwulen Pärchens bei einem Karnevalsumzug in Kroatien. Screenshot / Youtube BOŠKO ĆOSIĆ
Bei dem Karnevalsumzug im belgischen Aalst wird die lächerlich machende Figur eines orthodoxen Juden gezeigt.
Bei dem Karnevalsumzug im belgischen Aalst wird die lächerlich machende Figur eines orthodoxen Juden gezeigt. Twitter / Screenshot Raphael Glucksmann
Als Gestapo verkleidet ziehen einige Karnvalisten beim Umzug im belgischen Aalst durch die Straßen.
Als Gestapo verkleidet ziehen einige Karnvalisten beim Umzug im belgischen Aalst durch die Straßen. Twitter / Screenshot Raphael Glucksmann
Beim Karnevalsumzug im spanischen Campo de Criptana haben sich Tänzerinnen mit Blutwunden, Konzentrationslager-Häftl
Beim Karnevalsumzug im spanischen Campo de Criptana haben sich Tänzerinnen mit Blutwunden, Konzentrationslager-Häftlingsnummern und Israelflaggen ausgestattet. Twitter / Screenshot Amichai Stein
Aalst.

Die fünfte Jahreszeit hat auch Kritik an mehreren Straßenumzügen in Europa hervorgerufen. Der Grund: In Belgien und Kroatien sollen sich Karnevalisten antisemitischer oder homophober Symbolik bedient haben. Bei einer Faschings-Veranstaltung in Spanien haben einige der Teilnehmer sogar SS-Uniformen getragen.

Die israelische Botschaft in Madrid postete am Dienstag auf Twitter ein Video vom Straßenumzug in Campo de Criptana. In dem Clip ist eine Gruppe von Karnevalisten in SS-Uniformen samt Hakenkreuz-Armbändern zu sehen, die mit Gewehren auf Zuschauer am Straßenrand zielen.

Angedeutete KZ-Häftlingskleidung mit Nummern und blutenden Wunden

Danach wird eine Frauengruppe gezeigt, die israelische Fahnen schwenkt und zu Musik einen Tanz aufführt. Einige der Frauen haben gestreifte Kleider mit aufgenähten Nummern an, die Assoziationen zu KZ-Häftlingskleidung wecken. Die Frauen haben außerdem angedeutete Blutwunden auf Brusthöhe.

Zu dem Video schrieb die Israelische Botschaft: „Wir verurteilen die abscheuliche und widerliche Darstellung, die den Holocaust beim Karneval von Campo de Criptana banalisiert und sich über die sechs Millionen von den Nazis getöteten Juden lustig macht. Europäische Länder müssen Antisemitismus aktiv bekämpfen!”

Auch in Aalst kam es zum Eklat. In der belgischen Stadt gab es auf den Karnevalsumzügen der vergangenen Jahre oft antisemitische Stereotype zu sehen. Figuren mit Hakennasen, Schläfenlocken und Geldsäcken lösten weltweit heftige Kritik aus. Die Unesco drohte, dem Aalster Karneval das erst 2010 verliehene Prädikat Weltkulturerbe zu entziehen. Bevor die UN-Organisation darüber entscheiden konnte, hatten die Aalster sich von selbst zurückgezogen.

Gestapo-Kostüme und Juden mit Goldbarren seien „Satirefreiheit”

Man habe die Vorwürfe satt, sagte Bürgermeister Christoph D'Haese, schrieb die Süddeutsche Zeitung. „Wir sind keine Antisemiten oder Rassisten.” Die Satirefreiheit müsse bewahrt werden, sagte der Politiker der stärksten flämischen Partei, der nationalistischen N-VA. Aalst werde immer „die Hauptstadt des Spotts und der Satire” sein.

Bei dem diesjährigen Faschingsumzug waren wieder Figuren von orthodoxen Juden zu sehen, zwischen denen Goldbarren liegen. Einige Karnevalisten verkleideten sich als orthodoxe Juden, andere trugen angedeutete Gestapo-Kostüme.

Ein Grundschüler hat sich am Montag in Hamburg zum Fasching als Nazi verkleidet.

Ein Karnevalsumzug in der kroatischen Kleinstadt Imotski verursachte aus anderen Gründen für Aufruhr in den Sozialen Medien. In dem Umzug rollte vor einer Kindergartengruppe eine mehrere Meter hohe Holzfigur, die zwei sich küssende Männer darstellte. Das offensichtlich homosexuelle Paar hält ein Baby. Auf dessen Gesicht klebt ein Foto des kroatischen Parlamentsabgeordneten Nenad Stazić, auf seiner Stirn ist ein Partisanenstern aufgemalt.

Figur von homosexuellem Paar wird bei Karnevalsumzug verbrannt

Der Sozialdemokrat Stazić hat sich wiederholt in der Öffentlichkeit kritisch zum kroatischen Geschichtsrevisionismus und gegen den faschistischen kroatischen Staat im 2. Weltkrieg geäußert. Zu Ende des Umzuges wurden die drei Figuren vor den Augen aller in Brand gesteckt.

Als die lokale Medienagentur Slobodna Dalmacija die Organisatoren des Karnevals fragte, warum sie ein gleichgeschlechtliches Paar als Bildnis zum Verbrennen ausgewählt hätten, sagte einer: „Wir bleiben konservativ und halten an der Tradition fest. Gib' das Baby einer Mutter, wie das Sprichwort sagt. Wir finden das richtig.”

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