#METOO

Frauen brechen ihr Schweigen über sexuellen Missbrauch

Der Skandal um den Produzenten Harvey Weinstein zieht nicht nur in der Film-Branche weite Kreise. Weltweit teilen Frauen unter dem Hashtag „MeToo” ihre Erfahrungen.
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Unter diesem Hashtag berichten Frauen in den sozialen Netzwerken von sexuellen Übergriffen.
Unter diesem Hashtag berichten Frauen in den sozialen Netzwerken von sexuellen Übergriffen. NK-Grafik
Filmproduzent Harvey Weinstein steht derzeit unfreiwillig im Rampenlicht: Ihm wird unter anderem sexueller Missbrauch in mehreren Fällen vorgeworfen.
Filmproduzent Harvey Weinstein steht derzeit unfreiwillig im Rampenlicht: Ihm wird unter anderem sexueller Missbrauch in mehreren Fällen vorgeworfen. Guillaume Horcajuelo
Neubrandenburg.

Der Skandal um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein hat seit dieser Woche ein Hashtag. Unter #MeToo („Ich auch”) kann man auf Twitter, Instagram und Facebook lesen, welche Erfahrungen Frauen mit Chauvinismus, Sexismus und Übergriffen gemacht haben.

Reihenweise Schauspielerinnen werfen Harvey Weinstein schwerste Belästigungen und Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung vor, was er bestreitet. Der Fall wirft Fragen auf. Etwa Fragen dazu, wie es in der deutschen Film- und Medienbranche aussieht.

Fast jede deutsche Schauspielerin mit übergriffigen Erlebnissen

Werden sich auch Schauspielerinnen hierzulande trauen und erzählen, wenn sie bedrängt oder attackiert wurden? Oder werden sie es lassen, aus Sorge um die Karriere oder weil sie nicht als Wichtigtuerinnen angegriffen werden wollen? Ist die sogenannte Besetzungscouch hierzulande ein Klischee? Nein, sagt eine Schauspielerin unter der Hand. So habe sie mitbekommen, dass ein Regisseur Drehtage danach vergebe, ob ihn die Frau sexuell befriedige.

Eine Filmemacherin erzählt, dass sie sich schon mit einer Kollegin ausgetauscht hat: „Wir haben festgestellt, dass wir niemanden kennen, dem im Job noch nicht mindestens Anzüglichkeiten, Busen- oder Hinterngegrabsche passiert sind – inklusive mir.” Immerhin: Die Weinstein-Geschichte führe dazu, dass sich alle diese Geschichten jetzt wieder gegenseitig erzählten.

US-Schauspielerin startet Aktion #MeToo

Die Aktion #MeToo wurde von der US-Schauspielerin Alyssa Milano gestartet und wird von vielen Frauen in aller Welt aufgegriffen. Milano wollte deutlich machen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. „Wenn alle Frauen, die sexuell belästigt oder genötigt wurden, 'Me too' als Status schreiben, könnten wir den Menschen das Ausmaß des Problems bewusst machen”, erklärte sie.

Das zieht Kreise. Marie Nasemann, Model und Schauspielerin, fasste sich bei Instagram ein Herz: „Unangenehmes Thema, aber #MeToo. Ich war auf dem Oktoberfest, und der Typ griff mir im überfüllten Gang von hinten unters Dirndl zwischen meine Beine. Ich habe mich umgedreht und ihm eine Ohrfeige gegeben und ihn angebrüllt.” Dass viele betroffen sind, machte auch Schauspielerin Jasmin Tabatabai bei Twitter unter „MeToo” deutlich: „Ich kenne keine Frau, bei der das nicht der Fall ist.”

 

Unangenehmes Thema, aber #MeToo Ich war auf dem Oktoberfest und der Typ Griff mir im überfüllten Gang von hinten unters Dirndl zwischen meine Beine. Ich habe mich umgedreht und ihm eine Ohrfeige gegeben und ihn angebrüllt. Er hat es abgestritten. Danach war meine Stimmung im Eimer und ich bin nach Hause gefahren. Damals kam ich gar nicht auf die Idee, ihn anzuzeigen. Als ich heute gesehen habe, wie viele meiner Freunde den Hashtag #MeToo geteilt haben, kam mir diese Geschichte wieder in den Kopf und es ärgert mich, dass ich damals klein bei gegeben habe. Es ist unglaublich alamierend und schockierend zu sehen, wie viele Menschen auf der ganzen Welt #MeToo teilen. Time to wake up!!! If all the women who have been sexually harassed or assaulted wrote "Me too." as a status, we might give people a sense of the magnitude of the problem. Foto @mariehochhaus

Ein Beitrag geteilt von Marie Nasemann (@marienasemann) am

Dass das Hashtag „MeToo” auch auf negative - teils rassistische - Reaktionen stößt, beweisen einige Tweets von männlichen aber auch vereinzelt weiblichen Twitter-Usern.

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