Ronja Maltzahn sollte am Freitag mit ihrer Band bei einer Fridays for Future-Demo in Hannover auftreten.
Ronja Maltzahn sollte am Freitag mit ihrer Band bei einer Fridays for Future-Demo in Hannover auftreten. Zuzanna Badziong/dpa/ZVG
Klimabewegung

Fridays for Future sagt Musikerin wegen ihrer Dreadlocks ab

Vielfalt, Toleranz, Weltoffenheit – mit diesen Werten treten die jungen Aktivisten von Fridays for future für den Klimaschutz ein. Mit der Toleranz ist es aber offenbar nicht weit her.
Hannover

Die Liedermacherin Ronja Maltzahn aus Osnabrück sollte an diesem Freitag eigentlich bei einer Fridays for Future-Demo in Hannover auftreten. Doch daraus wird nichts. Und das liegt nicht etwa an einer Corona-Erkrankung oder Termin-Schwierigkeiten, sondern an ihrer Frisur: Maltzahn trägt Dreadlocks, und das scheint den FFF-Aktivisten so gar nicht zu gefallen. Sie sagten der Sängerin und ihrer Band ab.

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Maltzahn schreibt auf ihren Kanälen in den sozialen Netzwerken: „Leider wurde unser Auftritt bei @fridaysforfuture_hannover am Freitag abgesagt! Wir hatten uns darauf gefreut ein Zeichen für Frieden und gegen Diskriminierung mit unserer Musik setzen zu dürfen. Schade dass wir aufgrund von äußerlichen Merkmalen davon ausgeschlossen werden.”

„Weiße Menschen sollten keine Dreadlocks tragen”

Die Aktivisten stören sich daran, dass eine weiße Frau Dreadlocks trägt. Maltzahn hat die Absage von Fridays for future veröffentlicht. Darin begründen die Aktivisten ihre Absage damit, dass "Dreadlocks bei weißen Menschen eine Form der kulturellen Anerkennung seien, da sie mit der Identität von Schwarzen Menschen und es in den Zeiten der Sklaverei von weißen Menschen als ein Zeichen der Unterdrückung genutzt wurde”. Deshalb sollten weiße Menschen keine Dreadlocks tragen, „da sie sich einen Teil der anderen Kultur aneignen, ohne die systematische Unterdrückung dahinter zu erleben."

Wahrscheinlich hängt die Absage auch mit dem Thema der Demonstration zusammen. Die jungen Menschen gehen gegen „jahrhundertelange Ausbeutung und Unterdrückung durch Kolonialismus und Kapitalismus”, auf die Straße, wie es auf ihrer Website heißt.

Sängerin soll sich für Auftritt Dreadlocks abschneiden

Die junge Klimabewegung gibt sich oft als weltoffen und tolerant. Eine Haltung, die in den Augen mancher Beobachter Risse bekommt, wenn die Aktivisten einer Künstlerin aufgrund ihres Aussehens absagen. Allerdings geben sie Ronja Maltzahn die Möglichkeit, dennoch aufzutreten. In ihrer Absage schreiben sie: „Solltest du dich bis Freitag dazu entscheiden deine Dreadlocks abzuschneiden, würden wir dich natürlich auf der Demo begrüßen und spielen lassen.”

Maltzahn schreibt in ihrem Statement, dass sie und ihre Band niemanden aufgrund seiner kulturellen Herkunft diskriminieren, sondern vielmehr kultureller Vielfalt eine Bühne geben wollen. Eine Änderung ihrer Frisur kommt für sie also offensichtlich nicht in Frage.

 

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