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Ziegen gerissen

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Hirtin muss Wolfsriss hilflos mitansehen

Ein Wolfsrudel riss in Südtirol drei Schafe - am hellichten Tag und trotz Anwesenheit eines Menschen (Symbolbild).
Ein Wolfsrudel riss in Südtirol drei Schafe – am hellichten Tag und trotz Anwesenheit eines Menschen (Symbolbild).
Julian Stratenschulte

In Südtirol rissen Wölfe am hellichten Tag und trotz Anwesenheit der Besitzerin mehrere Ziegen. Gewöhnen sich die Tiere zu sehr an den Menschen?

Eine Ziegenhirtin in Südtirol wird das Datum des 25. September 2018 wohl nicht so bald vergessen. Wie das Tagesblatt Dolomiten berichtete, war sie gerade dabei, ihre Ziegenherde auf die Weide zu treiben. Die Tiere übernachteten stets in einem abgesperrten Pferch. Doch weit kam die Frau mit ihren Tieren nicht.

Ein Rudel von drei Wölfen lag wohl bereits auf der Lauer. Nur wenige hundert Meter von dem Pferch entfernt rannten sie die Herde und rissen drei Ziegen. Die Hirtin schaffte es trotz Schreien und Werfen eines Salzeimers nicht, die Angreifer zu vertreiben. Sie musste zusehen, wie ihre Tiere gerissen wurden. Es war der erste bekannte Riss in Südtirol, der am hellichten Tag und im Beisein eines Menschen stattfand.

Verliert der Wolf die Scheu vor dem Menschen?

Das Wolfrudel, dass bekannter weise in der Nähe der betroffenen Alm sein Revier hat, scheint die Scheu vor dem Menschen langsam aber sicher zu verlieren. Der Südtiroler Bauernbund zeigt sich besorgt und fordert nun ein Handeln Seitens der Politik. „Wenn Wölfe ihre Scheu verlieren, sind nicht mehr nur unsere Tiere in Gefahr, sondern auch Hirten und andere Menschen in der Nähe“, wird Leo Tiefenthaler, der Vorsitzende des Bauernbunds, in einer Mitteilung des Bunds zitiert. Und weiter: „Mit diesem Vorfall haben die Wolfsangriffe eine neue Dimension erreicht.”

Oswald Schwarz, Bergbauernsprecher im Landesbauernrat, teilt diese Meinung. Die Ziegenherde sei nachts von einem Elektrozaun und tagsüber durch die Anwesenheit der Hirten ausreichend geschützt gewesen. „Dennoch ist es zum Wolfsangriff gekommen“, sagt er in einer Mitteilung des Bauernbunds. Seiner Meinung nach sei damit die Aussage, der Wolf habe eine große Scheu vor Menschen und keine Gefahr für den Fortbestand der Almwirtschaft, widerlegt.

Viele Almbesitzer in Südtirol sind aufgrund der Situation frustriert. Jüngst demonstrierten Bauern beim Almabtrieb in Völs gegen eine unkontrollierte Verbreitung des Raubtieres.