UNWETTER-CHAOS

Hochwasser und Überschwemmungen verwüsten Westdeutschland

Der Dauerregen im Westen Deutschlands soll nachlassen – so weit die gute Nachricht. Doch nicht überall gibt es Entwarnung. Für zwei Feuerwehrmänner endeten ihre Einsätze tödlich.
Nordrhein-Westfalen, Aachen: Ein Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist bei Hochwasser im Stadtteil Kornel
Nordrhein-Westfalen, Aachen: Ein Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist bei Hochwasser im Stadtteil Kornelimünster unterwegs. Ralf Roeger
Köln: Nur das Dach eines Autos schaut noch aus dem Wasser, das eine Bahnunterführung geflutet hat.
Köln: Nur das Dach eines Autos schaut noch aus dem Wasser, das eine Bahnunterführung geflutet hat. Marius Becker
Nordrhein-Westfalen, Leichlingen: Ein Anwohner der Ortschaft Balken schaut sich die Fluten der Wupper an. Durch den starken Re
Nordrhein-Westfalen, Leichlingen: Ein Anwohner der Ortschaft Balken schaut sich die Fluten der Wupper an. Durch den starken Regenfall im Laufe des Tages war der Fluss zum reissenden Gewässer geworden. Roberto Pfeil
Rheinland-Pfalz, Erdorf: Die Kyll ist in Erdorf über die Ufer getreten und hat Teile des Dorfes geflutet.
Rheinland-Pfalz, Erdorf: Die Kyll ist in Erdorf über die Ufer getreten und hat Teile des Dorfes geflutet. Harald Tittel
Rheinland-Pfalz, Esch: Die Straßen in Esch (Kreis Ahrweiler) haben sich in reißende Ströme verwandelt.
Rheinland-Pfalz, Esch: Die Straßen in Esch (Kreis Ahrweiler) haben sich in reißende Ströme verwandelt. Thomas Frey
Nordrhein-Westfalen, Euskirchen: Drei Personen machen Fotos und beobachten die Wassermassen, die sich über eine Stra&szli
Nordrhein-Westfalen, Euskirchen: Drei Personen machen Fotos und beobachten die Wassermassen, die sich über eine Straße und ein Restaurant ausbreiten. B & S
Altena ·

Im Einsatz gegen die Auswirkungen der neuesten Unwetter sind zwei Feuerwehrleute im Märkischen Kreis ums Leben gekommen. Heftiger Regen verursachte in vielen Teilen Nordrhein-Westfalens und in Rheinland-Pfalz sowie im Saarland Überschwemmungen, Hochwasser und Stromausfälle. Der extreme Dauerregen sollte zwar laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in der Nacht zum Donnerstag nachlassen. Vielerorts dürfte es nun an die Aufräumarbeiten gehen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will am Donnerstag die von Überflutungen besonders betroffene Ruhrgebietsstadt Hagen besuchen. In Rheinland-Pfalz sollen im Kreis Vulkaneifel und in der Ortsgemeinde Kordel im Landkreis Trier-Saarburg die Schulen geschlossen bleiben. Mehr als 1000 Einsatzkräfte waren in der Nacht zum Donnerstag im Kreis Trier-Saarburg im Unwettereinsatz.

Tief „Bernd” bestimmt mit feuchtwarmen Luftmassen das Wetter in Deutschland. Dem DWD zufolge bleibt es in den nächsten Tagen wechselhaft mit Schauern und Gewittern, teils mit heftigem Starkregen. Dieser führte bereits am Mittwoch vielerorts zu Alarm: Es kam zu Erdrutschen, Straßen wurden überspült, Keller liefen voll und der Bahn- und Straßenverkehr war gestört.

In Altena im Sauerland kam bei der Rettung eines Mannes nach dem Starkregen ein 46 Jahre alter Feuerwehrmann ums Leben. Er wurde von den Wassermassen fortgerissen und ertrank. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei im Märkischen Kreis am Mittwoch. Nur zwei Stunden später kollabierte ein 52 Jahre alter Feuerwehrmann bei einem Einsatz im Bereich des Kraftwerks Werdohl-Elverlingsen. Er sei am Mittwochabend trotz Reanimations- und Hilfsmaßnahmen gestorben, teilte die Polizei mit. Die Polizei gehe von einem gesundheitlichen Notfall aus. In Altena waren – wie in vielen anderen Orten – Keller und Straßen überflutet. Der über die Ufer getretene Fluss Lenne verschärfte dort die Situation zusätzlich. Das Wasser lief in die Innenstadt. Altena sei „so gut wie nicht erreichbar”, teilte die Polizei am Nachmittag mit.

Feuerwehr: Trinkwasserverbrauch vorsorglich einschränken

In Hückeswagen im Oberbergischen Kreis lief aufgrund der heftigen Regenfälle die Bevertalsperre über. Das Wasser laufe aktuell unkontrolliert über den Rand der Staumauer, teilte ein Sprecher der Leitstelle am frühen Donnerstagmorgen mit. Mehr als 1000 Menschen mussten demnach ihre Häuser verlassen. Nach enormen Regenfällen haben die Behörden im Bergischen Land einen unkontrollierten Überlauf der Wupper-Talsperre bei Radevormwald befürchtet. Einsatzkräfte der Feuerwehr können das Wasser nach Angaben eines Sprechers der Leitstelle Oberbergischer Kreis mittlerweile jedoch kontrolliert ablaufen lassen. Aus Sicherheitsgründen wurden die Anwohner der Wupper in Radevormwald bereits seit dem späten Abend aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen, auch mit Lautsprecherdurchsagen. Für Betroffene wurde eine Betreuungsstelle in einer Grundschule in Radevormwald eingerichtet.

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Mehrere Häuser sowie ein Tierheim wurden am frühen Donnerstagmorgen in Solingen-Unterburg aufgrund des Hochwassers evakuiert. Der Wasserzufluss bleibe derzeit unvermindert hoch, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Wuppertal mitteilte. Demnach werde das Wasser momentan von Einsatzkräften der Feuerwehr abgelassen, was sich auf das Stadtgebiet auswirkt. Die Bewohner konnten in Notunterkünften und teilweise bei Bekannten untergebracht werden.

Auch in Wuppertal führten heftige Regenfälle zu einem Anstieg der Wupper und verursachten so überflutete Straßen. Wie ein Sprecher der Polizei am frühen Donnerstagmorgen mitteilte, wurden einige Straßen auf der Talachse entlang der Wupper gesperrt. Anwohner wurden demnach aufgefordert, sich nicht in Kellergeschossen aufzuhalten, sondern sich in höher gelegene Wohnungen zu begeben. Trotz der angekündigten Flutwelle sei die Unwetterlage in der Stadt aber noch überschaubar, teilte der Sprecher weiter mit. Die Feuerwehr wies auf Twitter vorzeitig darauf hin, den Trinkwasserverbrauch vorsorglich einzuschränken. Durch einen Stromausfall sei auch die Wasserversorgung betroffen. In der Stadt heulten nachts die Sirenen.

Bahn rät zum Umfahren von NRW

Die Deutsche Bahn riet allen Bahnreisenden, Nordrhein-Westfalen weiträumig zu umfahren. „Bitte verschieben Sie Reisen von und nach NRW nach Möglichkeit auf die kommenden Tage”, hieß es in einer Mitteilung. Am Mittwoch wurde auf zahlreichen Bahnlinien der Betrieb eingestellt. Die Bahn berichtete unter anderem von Verspätungen und Ausfällen von Zügen zwischen Köln und Düsseldorf sowie zwischen Köln und Wuppertal. Die Strecken zwischen Köln und Koblenz waren auf beiden Seiten des Rheins nicht befahrbar. ICE-Züge zwischen Frankfurt und Brüssel fuhren nur zwischen Frankfurt und Köln.

In Rheinland-Pfalz rief der Kreis Vulkaneifel nach starken Regenfällen und Überschwemmungen den Katastrophenfall aus. „Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind”, sagte Landrätin Julia Gieseking am Mittwochabend in Daun. Die Schulen im Kreis sollen am Donnerstag geschlossen bleiben.

Nach Überschwemmungen wegen anhaltender Regenfälle wurde am Mittwochabend im Landkreis Trier-Saarburg die zweithöchste Alarmstufe ausgerufen. Nach einer Mitteilung der Technischen Einsatzleitung des Brand- und Katastrophenschutzes waren am frühen Donnerstagmorgen die Verbandsgemeinden Trier-Land, Schweich und Konz am heftigsten vom Hochwasser betroffen.

Damm droht zu brechen, sechs Häuser eingestürzt, rund 30 Menschen vermisst

Derweil droht der Damm der Steinbachtalsperre in Euskirchen aufgrund des Unwetters zu brechen. Daher sei am Donnerstag die Autobahn 61 zwischen Bliesheim und Meckenheim vollgesperrt worden, teilte die Polizei mit. Zuvor war die A61 bereits gesperrt worden, weil die Autobahn von Wasser überflutet worden sei. Zur Beobachtung des Dammes seien das Technische Hilfswerk (THW) und die Polizei vor Ort. Der Verkehr wird auf die A565 umgeleitet.

Der Polizei im Eifel-Ort Schuld bei Adenau zufolge sind in der Nacht zum Donnerstag sechs Häuser eingestürzt. Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Morgen werden dort derzeit mehr als 30 Menschen vermisst.

Eine Vielzahl an Häusern sei instabil, es bestehe Einsturzgefahr. Die Lage in Schuld sei unübersichtlich, so der Sprecher. Wie viele Menschen genau vermisst würden, sei noch unklar. Der Katastrophenfall sei ausgerufen worden.

In Messerich zwei Helfer des THW von den Fluten eingeschlossen

Der gesamte Landkreis Ahrweiler sei von der Unwetterlage betroffen, sagte der Sprecher. Mehrere Orte wurden demnach wegen des Hochwassers von der Außenwelt abgeschnitten. Ungefähr 50 Menschen befänden sich dort auf Hausdächern und müssten gerettet werden.

Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist die Situation wegen Hochwassers nach Angaben eines Kreis-Sprechers extrem gefährlich. In Messerich in der Eifel wurden nach Angaben des Kreises zwei Helfer des Technischen Hilfswerks von den Fluten eingeschlossen, es besteht Lebensgefahr, wie der SWR berichtete.

Am Abend hatten die Behörden im Landkreis Ahrweiler extremen Starkregen gemeldet. Die Feuerwehr Koblenz half zusammen mit dem Technischen Hilfswerk Lahnstein und der Feuerwehr Mainz aus, um 800 Sandsäcke pro Stunde zu füllen. Diese wurden mit sechs Lkw in den Landkreis Ahrweiler gebracht.

Personen mussten von Dächern ihrer Campingwagen gerettet werden

Es sei mit Sturzfluten und Überflutungen zu rechnen, hieß es. Auf dem Campingplatz „Stahlhütte” in Dorsel (Kreis Ahrweiler) und weiteren Anlagen entlang der Ahr mussten Personen von den Dächern ihrer Campingwagen gerettet werden.

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Kommentare (2)

Ab Landesgrenze NDS nach NRW gestern auf der A2 und danach A1 die Hand vor Augen nicht gesehen. Seit gestern spätabends regnet es nicht mehr, heute die Sonne, aber die Wassermassen laufen noch bergab. Die Steinbachtalsperre wird wohl brechen. Viele Ortschaften sind evakuiert worden. In Euskirchen soll sich niemand mehr ebenerdig aufhalten.

...weil einige E-Werke Wasser fressen. Einige E-Werke haben vorsorglich Strom abgestellt, um nicht Kurzschlüsse bzw. Brände in Ortschaften zu verursachen.