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Japaner kommen glimpflich davon

Ausgerechnet an Japans „Tag der Atomkraft“ bebt die Erde wieder. Und erneut trifft es die Katastrophenregion im Nordosten.

Mit einem Schlag ist das beklemmende Gefühl der Angst wieder da. Während die meisten Japaner schlaftrunken auf ihren Futons liegen, beginnen Wände und Fensterrahmen zu wackeln. In den Schränken klappert das Geschirr. Nicht besonders stark, aber ungewöhnlich lang wackelt es. Über Lautsprecher schallt die Warnung der Behörden vor einem Tsunami durch die regenverhangende Nacht.

Für einen Moment taucht die Erinnerung an die Katastrophe vom 11. März 2011 wieder auf. „Im Vergleich zu damals war die Erschütterung diesmal jedoch nicht so heftig, deswegen habe ich gleich gedacht, dass die Flutwelle nicht so hoch wird“, erzählt eine ältere Frau erleichtert im japanischen Fernsehsender NHK. Tatsächlich bleibt Japan diesmal Schlimmeres erspart, das Beben fordert keine Todesopfer. Zwar gab es Tsunami, doch die Flutwellen erreichten nur eine Höhe von 40 Zentimetern. Als der Morgen graute, gingen die Japaner wieder ihrem Alltag nach.

Trotzdem löste die erneute Erschütterung bei vielen Menschen unterschwellig Beklemmung aus. „Taifune, gewaltige Regenfälle, Erdbeben mitten in der Nacht. Die Natur warnt uns“, schreibt die Japanerin Michiko Ryo im Kurznachrichtendienst Twitter und fügt hinzu: „Es ist eindeutig, dass Atomkraft für unser Land keine Wahl ist.“

Das Erdbeben vom Samstag schlug just am „Tag der Atomkraft“ in Japan zu – in Erinnerung an Japans Beitritt zur Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) 1956 sowie den Testbeginn zur Stromerzeugung mit Atomreaktoren 1963.