Klimawandel

Kann der Wald die Umlaufbahn von Mond und Erde ändern?

Der Kongressabgeordnete Louie Gohmert aus Texas sorgt für Verwirrung in der Diskussion um den Klimawandel. Ausgerechnet der Forst soll es richten und Gestirne umlenken. Was sagt der Chef eines hiesigen Forstamtes dazu?
So viel Wald. Aber kann damit die Umlaufbahn der Erde oder des Mondes verändert werden? (Symbolbild)
So viel Wald. Aber kann damit die Umlaufbahn der Erde oder des Mondes verändert werden? (Symbolbild) Uli Deck
Austin

Die Debatte um den Kampf gegen den Klimawandel hat schon so manche merkwürdige Blüte getrieben. Nun aber sorgt der republikanische Kongressabgeordnete Louie Gohmert aus Texas für eine ganz neue Stoßrichtung.

„Können wir die Umlaufbahn des Mondes um die Erde oder die Umlaufbahn der Erde um die Sonne ändern, um so eine Lösung für den Klimawandel zu finden”, fragte er laut des Guardians und sorgte damit für einige Verwirrung. Nicht nur die Frage, sondern auch an wen sie gerichtet war, macht stutzig. Denn Gohmert fragte nicht etwa die Weltraumbehörde NASA oder das Pentagon, sondern Jennifer Eberlien, eine hochrangige Beamtin des nationalen Forstes während einer Anhörung des „House Natural Resources Committee”.

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Was tun, um die Umlaufbahnen zu ändern?

Gibt es irgendwas, was der nationale Forst oder das Büro zur Verwaltung und wirtschaftlicher Verwertung von öffentlichem Land tun könne, um die Umlaufbahnen zu ändern, setzte Gohmert nach. Denn dies hätte offensichtlich einen großen Einfluss auf unser Klima. Er fügte hinzu, dass ein ehemaliger Direktor der NASA ihm einmal gesagt hatte, dass sich die Umlaufbahnen des Mondes und der Erde tatsächlich änderten.

Neubrandenburger Forstamtsleiter zu Wald und Klimaschutz

Wie würde ein hiesiger Forstamtsleiter reagieren, wenn er mit so einer Frage konfrontiert werden würde? Der Nordkurier hat es getan und Harald Menning, Leiter des Forstamtes von Neubrandenburg, sagt: „Die große Physik und Astronomie bewegen wir nicht, aber wir können mit regionalen Projekten einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.”

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So lasse sich durch Baumpflanzungen zwar nichts am Lauf der Gestirne ändern, aber eine dichte Pflanzendecke und Wald kühlen die Oberfläche der Erde nachweislich ab. Man könne also durchaus für weniger Kohlenstoff und mehr Abkühlung sorgen, aber richtig interessant werde es, wenn es von lokaler auf weltweite Ebene gehe.

„Plant for the planet”

So gebe es zahlreiche Programme, die sich um mehr Wald auf der Erde bemühen würden. Die Organisation „Plant for the planet” schreibt zum Beispiel, dass auf der Welt derzeit 3000 Milliarden Bäume wachsen und noch geeignete Flächen für 1000 Milliarden weitere Bäume vorhanden sind. „Nur durch die Wiederherstellung dieser Wälder werden wir in der Lage sein, den Temperaturanstieg unter 2°C zu halten”, heißt es auf der Homepage der Organisation.

Neuer Wald in MV

Erst kürzlich berichtete Agrarminister Till Backhaus (SPD), dass in diesem Herbst 700 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern aufgeforstet werden – laut Menning allein 100 davon im Bereich des Forstamtes Neubrandenburg, zum Beispiel entlang der A20. Um den Waldanteil in MV zu erhöhen, wird das Land eigene Acker- und Wiesenflächen zur Verfügung stellen. Denn an die Flächen von Eigentümern komme man laut Backhaus nicht heran, weil andere Nutzungen mehr Geld versprächen.

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Neben der Neuwaldgründung – ab dem Jahr 2023 wird es auch Geld für Landwirte geben, die entlang von Gewässern in MV Bäume pflanzen – sei der Umbau von Monokulturen in Mischwälder eine weitere wichtige Aufgabe für den Klimaschutz sowie für sauberes Wasser und Artenvielfalt, sagte der Minister.

Wollte Gohmert auf etwas ganz anderes hinaus?

Doch wie reagierte eigentlich die von dem Kongressabgeordneten Louie Gohmert angesprochene Forst-Beamtin Jennifer Eberlien bei der Anhörung in den USA? „Das müsste ich mit Ihnen nachverfolgen”*, antwortete sie sinngemäß auf die Frage zu den Umlaufbahnen von Mond und Erde. „Okay, wenn Sie herausbekommen haben, auf welche Weise das Forstamt diese Veränderungen herbeiführen kann, würde ich es gerne wissen”, sagte Gohmert daraufhin.

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Er wirkte dabei ganz ernst. Einige Beobachter gehen laut des Guardians jedoch davon aus, dass er damit nur behaupten wollte, dass der Klimawandel ein Phänomen natürlicher Veränderungen der Bahnen von Himmelskörpern sei. Somit wären natürlich alle irdischen Klimaschutzmaßnahmen zwecklos und zum Scheitern verurteilt. Dies sieht der Neubrandenburger Forstamtsleiter Harald Menning anders, denn wie beschrieben hätten Wälder einen hohen Einfluss auf das Klima.

Hinweis der Redaktion: Das schwer eindeutig zu übersetzende Zitat von Jennifer Eberlien lautet: „I’d have to follow up with you on that one.”

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Kommentare (1)

lieber neue Wälder pflanzen anstatt überall diese Windräder oder diese riesigen Flächen mit Solaranlagen verschandeln!