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Lichtkunst zieht Touristen an

In der dunklen Jahreszeit setzen Künstler in Berlin helle Zeichen. Wie in diesem Archivbild der Oberbaumbrücke sind im Oktober über 100 Bauwerke kunstvoll in Szene gesetzt.
In der dunklen Jahreszeit setzen Künstler in Berlin helle Zeichen. Wie in diesem Archivbild der Oberbaumbrücke sind im Oktober über 100 Bauwerke kunstvoll in Szene gesetzt.
Paul Zinken

Ob Laternenumzug oder hochmoderne Video-Projektion: Auf der ganzen Welt lassen Lichterfeste die Augen von Zuschauern leuchten. Zu Beginn der dunklen Jahreszeit erstrahlt jetzt auch Berlin.

Das Brandenburger Tor scheint in allen Farben des Regenbogens und an der Fassade des prachtvollen Hotels de Rome leuchten Werke alter Meister: Bis zum 20. Oktober erstrahlt Berlin nach Sonnenuntergang bei kunstvollen Licht-Installationen in bunten Farben; erst beim „Lichterfest“, dann beim „Festival of Lights“.

Damit steht die deutsche Hauptstadt nicht allein da: Städte überall auf der Welt setzen auf die kunstvollen Beleuchtungen. So erstrahlt im australischen Sydney das berühmte Opernhaus in bunten Farben. In Paris lockt die „Nuit Blanche“ mit Kunst- und Lichtinstallationen. Im französischen Lyon glitzern und leuchten Installationen, Videoshows und Öllampen um die Wette.

Der Stromverbrauch hält sich in Grenzen

„Berlin bietet nun auch etwas für die dunkle Jahreszeit“, sagt Gerhard Buchholz von der Tourismusgesellschaft Visit Berlin. Auch bei Herbstnebel und Regen müssen die Gästebetten der Hauptstadt gefüllt und anspruchsvolle Touristen mit immer neuen Attraktionen gelockt werden. Man müsse aufpassen, die Hauptstadt interessant und attraktiv zu halten, sagt  Jürgen Gangl, Vorstandsmitglied des Vereins „Berlin leuchtet“. Und Lichtkunst sei aktuell. Für das Lichterfest 2013 rechnen die Veranstalter mit mehr als zwei Millionen Besuchern und etwa 650  000 zusätzlichen Übernachtungen.

Auch andere deutsche Städte setzen auf die effektvollen Lichter, um Besucher anzulocken. So trafen sich in diesem Jahr mehr als 30  000 Menschen zu einem der größten Lichterfeste in Schleswig-Holstein, wo zehntausende Laternen, Kerzen und Fackeln die Ufer des Nord-Ostsee-Kanals erleuchteten. Im thüringi-schen Erfurt verwandelte sich ein Freizeitgelände durch Lasershows und Illuminationen in ein farbenfrohes Lichtermeer. Der zusätzliche Stromverbrauch hält sich nach Angaben der Organisatoren in Grenzen. Während der Illuminationen werde andere Beleuchtung ausgeschaltet; zudem würden energiesparende LED-Leuchten eingesetzt.

In der Hauptstadt werden in diesem Jahr insgesamt mehr als 100 Gebäude, Straßen und Plätze in Szene gesetzt. So wird im Berliner Dom die „Toccata“ von Johann Sebastian Bach mit der Orgel und einer Laser-Harfe präsentiert. Gleichzeitig wird der Fernsehturm zu seinem 44. Geburtstag festlich bestrahlt.

Lichterfeste haben weltweit lange Tradition

„Die Leute sehnen sich gerade in der beginnenden dunklen Zeit nach Licht“, sagt Carsten Kollmeier, Geschäftsführer von Highlights Berlin. Lichterfeste haben auch lange vor den Zeiten von Marketing und moderner LED-Technik Tradition – seit jeher begleiten Licht und Feuer die Feste von Menschen.

In Indien feiern fast 800 Millionen Hindus das Lichterfest Diwali. Mit dem jüdischen Lichterfest Chanukka erinnern die Juden an die Neuweihe des Tempels in Jerusalem im Jahre 165 vor Christus. Beim thailändischen Lichterfest Loi Krathong entsenden die Thailänder mit vielen kleinen Lichtern ihre Wünsche über Thailands Flüsse und Seen. Und beim schwedischen Lucia-Fest, dem Lichterfest zu Ehren der Heiligen Lucia, sieht man in Schweden lichtertragende Mädchen.