Steine und Molotowcocktails

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Linke verletzen Polizisten

Mitarbeiter eines von der RWE beauftragten Sicherheitsdienstes beseitigen unter dem Schutz eines großen Polizeiaufgebotes im Hambacher Forst Barrikaden von Waldbesetzern.
Mitarbeiter eines von der RWE beauftragten Sicherheitsdienstes beseitigen unter dem Schutz eines großen Polizeiaufgebotes im Hambacher Forst Barrikaden von Waldbesetzern.
Henning Kaiser

Gewalttätige „Umweltschützer” haben in Nordrhein-Westfalen Polizisten attackiert, es flogen Steine. Extreme Linksautonome haben sich offenbar in einem Waldgebiet verschanzt.

Im Hambacher Forst im rheinischen Braunkohle-Abbaugebiet haben Vermummte erneut Polizisten angegriffen und dabei mehrere Beamte verletzt. In der Region gibt es seit Jahren Ärger um weitere Braunkohle-Förderung. Aus dem Wald flogen Steine, Pyrotechnik und Molotowcocktails, wie die Polizei berichtete. Eine junge Frau wurde am Samstag festgenommen. Als Polizisten sie abführten, seien aus mehreren Richtungen zum Teil mit Metallstangen bewaffnete Vermummte auf die Beamten zugegangen. Auch Polizeifahrzeuge wurden beschädigt.

Die Polizei betrachtet die Angriffe als Hinweis darauf, dass sich „offensichtlich zunehmend extreme, gewaltbereite, der linksautonomen Szene zugehörige Straftäter“ in dem Wald aufhalten, wie sie mitteilte. Bereits in der Vergangenheit war es im Konflikt um den Hambacher Forst immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen. Er gilt als Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle.

Erste Vorfälle bereits am Freitag

Bereits am Freitagabend seien Polizisten an einer Landstraße von Vermummten mit Steinen beworfen und mit Zwillen beschossen worden. Ein Beamter wurde am Hinterkopf getroffen und ging verletzt zu Boden. Erst als die Polizisten drohten, von ihren Waffen Gebrauch zu machen, habe die Attacke aufgehört – die Vermummten verschwanden im Wald. Der Verletzte wurde mit einem Rettungswagen in eine Klinik gebracht.

Am Samstag wurden dann an einem Waldweg drei Gegenstände entdeckt, die nach selbstgebauten Sprengvorrichtungen aussahen und von einem Spezialisten untersucht werden mussten. Abermals wurde ein Polizeiwagen mit Steinen beworfen. Die Polizisten nahmen eine 22-Jährige fest. Währenddessen näherten sich den Angaben zufolge erneut Vermummte, die zum Teil Metallstangen bei sich trugen.

„Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung”

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) kritisierte die neuerliche Gewalt im Braunkohle-Abbaugebiet. „Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung. Ich fordere die Braunkohle-Gegner und mögliche Sympathisanten auf, auf jegliche Angriffe zu verzichten und ihren Protest friedlich auszudrücken“, sagte die SPD-Politikerin am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

In Berlin protestierten am Sonntag etwa zehn meist junge Frauen und Männer bei einem Auftritt von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in der Bundespressekonferenz in Berlin gegen die geplanten Rodungen. Die Demonstranten trugen T-Shirts mit Aufschriften wie „Kohle stoppen“ oder „Hambi bleibt“. Nach wenigen Minuten stehenden und schweigenden Protests setzten sich die Naturschützer wieder und nahmen weiter an einer sogenannten Bürgerpressekonferenz beim Tag der offenen Tür der Bundespressekonferenz mit Altmaier teil.

Greenpeace ruft zu friedlichen Protesten auf

Die Umweltschützer von Greenpeace riefen derweil zu friedlichen Protesten auf. „Wir rufen daher alle Seiten dazu auf, auf Gewaltanwendung zu verzichten und zur Deeskalation aktiv beizutragen“, hieß es in einer Mitteilung vom Sonntagabend. Dazu gehöre auch der Verzicht auf Provokationen wie jener Ankündigung von RWE, den Hambacher Wald noch vor Abschluss der Arbeit der Kohlekommission räumen und roden zu lassen.

Bereits mehrfach ist es im Konflikt um den alten Hambacher Wald zu Angriffen auf Polizeibeamte und Beschäftigte des Energiekonzerns RWE gekommen. Der Wald liegt im Südosten des Tagebaus Hambach. RWE plant ab Oktober Rodungsarbeiten in dem Forst für den Tagebau. Darüber war es in der frisch gegründeten Kohlekommission zu einem offenen Streit gekommen.