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Selbstjustiz in Bremen

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Lynchmob schlägt vermeintlichen Pädophilen fast tot

In Bremen hat sich nach einer Fernsehsendung ein Fall von Selbstjustiz ereignet, den ein Unschuldiger fast mit dem Leben bezahlt hätte.
In Bremen hat sich nach einer Fernsehsendung ein Fall von Selbstjustiz ereignet, den ein Unschuldiger fast mit dem Leben bezahlt hätte.
Carsten Rehder

Ein 50-Jähriger ist in Bremen von Schlägern fast zu Tode geprügelt worden, weil sie ihn für einen Pädophilen hielten. Damit lagen sie anscheinend falsch. In Usedom spielt sich derzeit ein ähnlicher Fall ab.

In Bremen ist ein 50-jähriger Mann in seiner Wohnung überfallen und lebensgefährlich verletzt worden. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter das Opfer in der Fernsehsendung erkannt haben wollen und ihn daraufhin zuhause aufsuchten. „Sie meinten, im Beitrag die Anschrift des dargestellten Mannes identifiziert zu haben und suchten diese auf”, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Der am Dienstagmittag Überfallene schwebe unterdessen nicht mehr in Lebensgefahr. Es werde wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt. Derzeit ist unklar, um wie viele Täter es sich handelt.

Die Bremer Polizei geht nicht davon aus, dass es sich bei dem Opfer um eine Person mit pädophiler Neigung handelt. Außerdem habe niemand das Recht, die Justiz in die eigene Hand zu nehmen. „Keine Form und kein Anlass zur Selbstjustiz sind tolerierbar. Es ist die Aufgabe der Staatsanwaltschaft und der Polizei, Straftaten zu verfolgen”, so die Polizei.

Falscher Exhibitionist auf Usedom wird bedroht

Auf der Insel Usedom spielt sich derzeit ein ähnlicher Fall ab. Seit Tagen wird auf verschiedenen Internetseiten und Chatgruppen vor einem vermeintlichen Exhibitionisten gewarnt. Allerdings variieren die Angaben zu Wohnort, Alter und Fahrzeugen des angeblichen Täters. Teilweise wurden auch Fotos von verschiedenen Personen veröffentlicht, die alle nachweislich nicht von der Polizei beobachtet werden.

Zwar gebe es, so die Anklamer Polizei, einen 28-jährigen Mann auf Usedom, der als Exhibitionist aktenkundig sei und unter Bewährungsauflagen stehe. Im Fokus der Öffentlichkeit jedoch steht nun ein 32-Jähriger. Fotos dieses Mannes wurden bereits im Netz mit Warnhinweisen vor einem „Exhibitionisten und Kinderschänder” verbreitet. Die falschen Verdächtigungen hätten sich bereits fatal auf den Mann und sein persönliches Umfeld ausgewirkt, so die Polizei. Er erstattete bereits Anzeige wegen Bedrohung und übler Nachrede.

In Neubrandenburg wurde ein Paar massiv bedroht, das einen Hund vor dem Tierheim angebunden hatte und das Tier so verhungern ließ.